Fernsehen

Kohrra, Staffel 2: Ein noch düsterer Blick auf Verbrechen, Trauer und Macht im ländlichen Indien

Die Punjabi-Krimiserie kehrt mit einem neuen Mordfall und einem neuen Ermittlerduo zurück und nutzt das Verbrechen, um Familiengeheimnisse, Autorität und Verlust in einer sich wandelnden Region zu beleuchten.
Anna Green

Mit der zweiten Staffel vertieft Kohrra seinen Ruf als langsam erzähltes Crime-Drama und führt das Publikum erneut in die Dörfer des Punjab. Ein einzelner Mord erschüttert den Alltag und setzt eine Untersuchung in Gang, die weit über die Suche nach dem Täter hinausgeht. Von Beginn an rückt die Serie Trauer, Loyalität und Machtstrukturen in den Mittelpunkt und zeichnet ein präzises Bild einer Gemeinschaft zwischen Tradition und stillem Umbruch.

Der Ton bleibt bewusst ruhig und beklemmend, sogar noch zurückhaltender und melancholischer als zuvor. Lange Pausen, eine dichte Atmosphäre und ein entschleunigtes Erzähltempo verstärken die emotionale Wirkung. Der Mord dient als Ausgangspunkt, um Beziehungen zu durchleuchten: Statt sich allein auf die Aufklärung zu konzentrieren, widmet sich Kohrra familiären Bindungen, alten Wunden und den Dingen, die Menschen tun, um Geheimnisse zu bewahren. Die Ermittlungen eröffnen die Geschichte – sie schließen sie nicht ab.

Hinter der Kamera setzt die Serie auf Kontinuität. Sudip Sharma ist erneut als Mit-Schöpfer und Autor beteiligt und führt gemeinsam mit Faisal Rahman Regie. Sharma, bekannt für seine harte Handschrift im Crime-Genre, unter anderem als kreativer Kopf von Paatal Lok und als Co-Autor des Films Udta Punjab, verfolgt hier bewusst einen anderen erzählerischen Ansatz als in Staffel 1. Zusammen mit den Autoren Gunjit Chopra und Diggi Sisodia entsteht eine Geschichte, die bekannte Muster meidet. Produziert wird die Staffel von Film Squad und Act Three in Zusammenarbeit mit Netflix.

Die Besetzung verbindet vertraute Gesichter mit neuen Rollen. Barun Sobti kehrt als Garundi zurück, ein ehemaliger Polizist mit instinktivem Arbeitsstil, der nun auf die disziplinierte Art von Sub-Inspektorin Dhanwant Kaur trifft, gespielt von Mona Singh. Singh verkörpert eine ruhige, kontrollierte Ermittlerin, die ihre eigene Trauer unter der Oberfläche trägt. Neu dabei ist Rannvijay Singha als Ehemann des Opfers, ein wohlhabender NRI, dessen Leben im Ausland Fragen aufwirft. Pooja Bhamrrah spielt die ermordete Frau, Anurag Arora ihren Bruder – beide stehen im Zentrum der Ermittlungen. Dass der Hauptkommissar aus der ersten Staffel fehlt, gibt dem neuen Duo Raum, die Geschichte zu tragen.

Als Netflix-Produktion reiht sich Kohrra in eine wachsende Zahl internationaler Krimiserien ein, die lokale Geschichten für ein weltweites Publikum erzählen. Sprache und Schauplatz im Punjab heben die Serie im Katalog hervor und eröffnen einen seltenen Blick auf das Leben im indischen Hinterland. Visuell erinnern nebelverhangene Felder und kleine Städte an europäischen Noir, doch thematisch bleibt die Erzählung fest in indischen sozialen Realitäten verankert. Hochwertige Bildgestaltung trifft auf eine tief verwurzelte regionale Perspektive.

Staffel 2 greift gesellschaftliche Themen klarer auf: den Konflikt zwischen Tradition und Moderne, die Folgen von Migration und Technologie sowie den Wandel von Autorität im ländlichen Raum. Der Verdacht gegen eine Figur mit Auslandsbezug spiegelt die ambivalente Beziehung vieler Gemeinschaften zu ihrer Diaspora wider. Durch die Mordermittlung werden Fragen von Familienehre, Macht und äußeren Einflüssen sichtbar, was der Serie eine Bedeutung über den Krimiplot hinaus verleiht.

Die Rückkehr von Kohrra passt in einen größeren Streaming-Trend: Zuschauer suchen zunehmend nach Krimis aus unterschiedlichen Regionen, getragen von starken Figuren und kultureller Authentizität. Die Serie zeigt, wie eine fest verortete Geschichte aus dem ländlichen Punjab internationale Aufmerksamkeit gewinnen kann – und unterstreicht das Potenzial regionaler Erzählungen auf globalen Plattformen.

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