Fernsehen

Netflix’ „Unfamiliar“ verbindet Spionage-Thrill mit einem privaten Drama in Berlin

In dieser sechsteiligen deutschen Serie wird das ruhige Leben eines Ehepaars aus ehemaligen Spionen von alten Feinden erschüttert. Unfamiliar — mit der gefeierten Schauspielerin Susanne Wolff in der Hauptrolle — verbindet hochspannende Agentenaction mit einem intimen Blick auf eine Ehe, die auf lange gehüteten Geheimnissen beruht.
Liv Altman

In dieser sechsteiligen deutschen Serie wird das ruhige Leben eines Ehepaars aus ehemaligen Spionen von alten Feinden erschüttert. Unfamiliar — mit der gefeierten Schauspielerin Susanne Wolff in der Hauptrolle — verbindet hochspannende Agentenaction mit einem intimen Blick auf eine Ehe, die auf lange gehüteten Geheimnissen beruht.

Unfamiliar ist eine neue deutsche Netflix-Originalserie, die dem klassischen Spionagethriller eine frische Wendung gibt. Das sechsteilige Drama feiert am 5. Februar 2026 seine weltweite Premiere und erzählt von einem Berliner Paar, dessen Vergangenheit im Geheimdienst sie wieder einholt. Susanne Wolff und Felix Kramer spielen Meret und Simon Schäfer, ehemalige Geheimagenten, die das operative Feld hinter sich gelassen haben und nun ein geheimes Safe House im Herzen der Stadt betreiben. Als eine Bedrohung, die sie längst begraben glaubten, erneut auftaucht, sind beide gezwungen zu fliehen und geraten in ein Netz aus Auftragskillern, russischen Agenten und dem Inlandsgeheimdienst — während sie zugleich versuchen, ihre Ehe zu bewahren und ihre junge Tochter zu schützen. Es ist ein hochriskantes Szenario, das zu einem Zeitpunkt erscheint, an dem das Publikum verstärkt nach anspruchsvollen internationalen Thrillern verlangt. Unfamiliar liefert die Spannung mit unverkennbar deutscher Prägung von Beginn an.

Im Kern balanciert Unfamiliar atemlose Spionageaction mit einer Geschichte über Vertrauen und Wahrheit zwischen Ehepartnern. Der Slogan der Serie deutet an, dass die größte Herausforderung für die erfahrenen Ex-Agenten nicht Verfolgungsjagden oder Schusswechsel sind, sondern die Offenheit einander gegenüber. Tonal verknüpft die Serie nervenaufreibende Spannungsmomente mit leiseren, emotional aufgeladenen Szenen des Alltags. In einem Moment überlisten Meret und Simon professionelle Killer in einer Berliner Hintergasse, im nächsten ringen sie am Esstisch mit persönlichen Enthüllungen. Indem die Serie die emotionalen Folgen eines Lebens im Verborgenen in den Mittelpunkt stellt, bietet Unfamiliar mehr als klassische Agentenkost — sie untersucht, welchen Preis jahrelange Täuschung für Beziehungen fordert. Das Ergebnis ist ein Thriller, der ebenso sehr von den Geheimnissen zwischen zwei Menschen handelt wie von geheimen Missionen.

Hinter der Kamera vereint Unfamiliar ein erfahrenes Kreativteam und unterstreicht damit das Vertrauen von Netflix in die Qualität des Projekts. Die Serie wurde von dem britischen Showrunner Paul Coates entwickelt und mitgeschrieben, der bereits an internationalen Spionagedramen wie Red Election beteiligt war. Regie führen Lennart Ruff, bekannt durch den Science-Fiction-Film The Titan, sowie der deutsche Filmemacher Philipp Leinemann, der mit dem Geheimdienstdrama Das Ende der Wahrheit (2019) Aufmerksamkeit erlangte. Produziert wird die Serie von Gaumont, dem renommierten Studio hinter Welterfolgen wie Narcos und Lupin sowie der Netflix-Produktion Barbaren. Diese Herkunft spiegelt sich in den hohen Produktionswerten wider — von atmosphärischen Drehs an Originalschauplätzen in Berlins historischen Straßen bis hin zu präzise inszenierten Actionszenen. Die Stadt selbst, mit ihren Schatten des Kalten Krieges und ihrem modernen, kosmopolitischen Puls, fungiert als eindrucksvolle Kulisse und verankert die Serie an einem Ort, der seit jeher mit Spionage verbunden ist.

Angeführt wird die Besetzung von Susanne Wolff als Meret, einer ehemaligen Agentin, deren kühle Fassade ein Geflecht aus tief vergrabenen Geheimnissen schützt. Wolff zählt zu den renommiertesten Schauspielerinnen Deutschlands und wurde für ihre preisgekrönte Rolle im Seefahrtsdrama Styx (2018) vielfach ausgezeichnet. Unfamiliar markiert einen ihrer bisher prominentesten Auftritte auf internationaler Bühne. An ihrer Seite spielt Felix Kramer Simon, Merets Ehemann und früherer Einsatzpartner. Netflix-Zuschauern ist Kramer aus der Mystery-Erfolgsserie Dark sowie aus der Krimiserie Dogs of Berlin bekannt. Gemeinsam entwickeln die beiden eine Chemie, die zwischen Vertrauen und Spannung schwankt — passend für ein Paar, das die Höhen und Tiefen des verdeckten Lebens erlebt hat. Ihre Darstellungen verleihen der Serie ein menschliches Zentrum inmitten von Täuschung und Gefahr.

Ergänzt wird das zentrale Duo durch ein stark besetztes Ensemble aus bekannten Namen und neuen Gesichtern. Nachwuchsdarstellerin Maja Bons spielt Nina, die junge Tochter der Schäfers, und erhöht als unschuldige Figur im Kreuzfeuer leise, aber spürbar die emotionalen Einsätze. Andreas Pietschmann, international bekannt aus Dark und 1899, übernimmt die Rolle des Jonas Auken — eine Gestalt aus der Vergangenheit des Paares, deren Rückkehr mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Der erfahrene Schauspieler Henry Hübchen verleiht als Gregor, ein Mentor, der zur Bedrohung wird, der Geschichte zusätzliche Schwere. Zudem ist Laurence Rupp, bekannt aus Barbaren, als Ben zu sehen, einer von mehreren Charakteren mit unklaren Loyalitäten. Natalia Belitski (Parfum), Samuel Finzi und Genija Rykova vervollständigen den Cast als Figuren, die tief in die Intrigen verstrickt sind, darunter ein Antagonistenpaar mit Anklängen an die Spionage des Kalten Krieges, das der Handlung historische Tiefe verleiht. Diese Mischung aus etablierten und aufstrebenden Darstellern verbindet Unfamiliar mit dem breiteren Netflix-Kosmos und sorgt für eine vielseitige schauspielerische Bandbreite.

Genretechnisch positioniert sich Unfamiliar an der Schnittstelle von Spionagethriller und intimem Drama — eine Kombination, die dem aktuellen Zuschauerinteresse entspricht. Die Serie steht in der Tradition jüngerer Agentenformate, die neben Action auch auf Charaktertiefe setzen, wie etwa The Americans oder britische Produktionen wie London Spy. Zugleich entwickelt Unfamiliar eine eigene Identität, indem sie ihre deutsche Perspektive konsequent ausspielt. Die Einbindung des Bundesnachrichtendienstes (BND) als zentraler Akteur und die Rolle russischer Spionage verleihen der Handlung eine regionale Authentizität, die sie von englischsprachigen Pendants abhebt. In Zeiten erneuter realer Geheimdienstspannungen wirken Themen wie verborgene Vergangenheiten und wechselnde Loyalitäten besonders aktuell. Doch jenseits jeder politischen Aktualität bleibt Unfamiliar im Kern eine Geschichte darüber, wie man das, was man liebt, mit dem vereinbart, was man getan hat — ein universeller Konflikt im Gewand eines Thrillers.

Während Netflix sein Angebot an internationalen Originals weiter ausbaut, steht Unfamiliar exemplarisch für die Strategie, lokale Produktionen mit globaler Reichweite zu fördern. Deutsche Serien haben ihre internationale Strahlkraft bereits bewiesen — von der komplexen Science-Fiction von Dark bis zum opulenten Historiendrama Die Kaiserin. Dieser Neuzugang ergänzt die Liste um eine hochspannende Agentensaga. Er spiegelt das Bedürfnis des Streaming-Zeitalters nach Genrestoffen wider, die Sprachgrenzen überwinden, und zeigt, wie eine in Berlin verwurzelte Geschichte Zuschauer in Buenos Aires oder Bangalore ebenso fesseln kann wie in Bonn. Mit der Verbindung aus präziser Action, emotionalem Erzählen und einer kulturell spezifischen Perspektive auf ein vertrautes Genre hat Unfamiliar das Potenzial, sowohl Thriller-Fans als auch Liebhaber komplexer Charakterdramen zu begeistern. Und mit dem Finale der Serie wird deutlich: In einer Welt, die weiterhin von Geheimnissen und Unsicherheit geprägt ist, bleibt die Faszination für Spione — und die menschlichen Dramen hinter ihnen — ungebrochen.

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