Fernsehen

Salvador: Luis Tosar brilliert in Aitor Gabilondos neuem Polit-Thriller über Rechtsradikalismus

Die packende Serie beleuchtet die Infiltration einer Neonazi-Zelle durch einen verzweifelten Vater und setzt neue Maßstäbe im spanischen Drama.
Martha O'Hara

Ein verzweifelter Vater, eine in der rechtsextremen Szene verlorene Tochter und eine Undercover-Mission mit fatalen Risiken. Mit Salvador liefert der renommierte Serienschöpfer Aitor Gabilondo ein beklemmendes Porträt über die Mechanismen der Radikalisierung junger Menschen. Weit abseits klassischer Thriller-Klischees seziert die Serie den Zusammenbruch einer Familie und das Aufkeimen von Hass in modernen Großstädten. Die Geschichte konfrontiert die humanistischen Werte eines Vaters mit der extremistischen Abkehr seiner Tochter und bietet so einen schonungslosen Blick auf die sozialen Ängste und die Perspektivlosigkeit der heutigen Generation.

Die Handlung beginnt mit einer brutalen Eskalation in Madrid: Eine verabredete Schlägerei zwischen radikalen Fangruppen zweier konkurrierender Fußballvereine. Mitten im Chaos rettet Salvador Aguirre, ein Rettungssanitäter, der mit den Schatten seiner Alkoholsucht und persönlichen Rückschlägen kämpft, eine verletzte junge Frau. Der Schock folgt unmittelbar: Es ist Milena, seine entfremdete Tochter. Als er erkennt, dass sie Mitglied der „Almas Blancas“ (Weiße Seelen) ist – einer Neonazi-Zelle, die rassistische und homophobe Gewalt propagiert –, beginnt für Salvador ein lebensgefährliches Versteckspiel. Er infiltriert die Gruppe, um seine Tochter zurückzuholen. Die Serie nutzt dieses fiktive Kollektiv, um zu zeigen, wie extremistische Bewegungen jungen Menschen ein verzerrtes Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln, wenn sie sich von der Gesellschaft im Stich gelassen fühlen.

Das Projekt markiert die mit Spannung erwartete Zusammenarbeit zwischen Aitor Gabilondo und Regisseur Daniel Calparsoro, zwei der einflussreichsten Stimmen der spanischen Unterhaltungsindustrie. Gabilondo, der mit seiner Produktionsfirma Alea Media und Werken wie der preisgekrönten Serie Patria internationale Anerkennung fand, zeichnet als Schöpfer und Drehbuchautor verantwortlich. Calparsoro, bekannt für sein Gespür für kinetische Action und soziale Dramen, verleiht der Serie eine rohe, unmittelbare Energie. Er meistert die Balance zwischen der Brutalität urbaner Gewalt und der psychologischen Zerstörung eines Vaters, der zusehen muss, wie sein eigenes Fleisch und Blut in die ideologische Dunkelheit abdriftet. Die acht Episoden verzichten bewusst auf Hochglanz-Ästhetik und setzen stattdessen auf einen authentischen Realismus, der direkt in den Straßen Madrids verankert ist.

Im Zentrum steht Luis Tosar, dessen Darstellung des Salvador Aguirre seiner beeindruckenden Filmografie ein weiteres Highlight hinzufügt. Tosar spielt keinen unfehlbaren Helden, sondern einen gebrochenen Mann, der in der Rettung seiner Tochter seine eigene Erlösung sucht. Er verkörpert meisterhaft das Entsetzen eines Vaters, dessen tiefste Überzeugungen von der eigenen Tochter mit Füßen getreten werden. Claudia Salas überzeugt in der Rolle der Julia, einer Schlüsselfigur innerhalb der Ultra-Gruppe, und verleiht der Radikalisierung ein komplexes Gesicht jenseits plumper Karikaturen. Ergänzt wird das Ensemble durch namhafte Schauspielerinnen wie Leonor Watling und Patricia Vico, was den hohen künstlerischen Anspruch der Produktion unterstreicht und sie an die Spitze des aktuellen europäischen Serienschaffens hebt.

Über die reine Spannung hinaus taucht „Salvador“ tief in die Welt der Fußball-Ultras ein, die hier als primärer Nährboden für Extremismus dient. Die Serie thematisiert Migration, Kriminalität und das Scheitern der Wertevermittlung innerhalb der Familie. Gabilondo betont, dass das Werk versucht, die Motive hinter dem Hass zu verstehen, statt sich mit oberflächlicher Verurteilung zu begnügen. Die Radikalisierung wird als Symptom einer tieferliegenden sozialen Vernachlässigung dargestellt. Während Salvador immer tiefer in die Zelle vordringt, muss er sich nicht nur der Gewalt stellen, sondern auch der schmerzhaften Erkenntnis, dass seine Tochter eine Ideologie gewählt hat, die allem widerspricht, was er ihr einst mitgeben wollte.

Auch technisch setzt die Produktion auf höchste Authentizität, um die Schwere des Themas zu stützen. Kameramann Tommie Ferreras fängt die Hektik und den Stress des Sanitäter-Alltags mit einer fast dokumentarischen Unmittelbarkeit ein. Die von Stunt-Koordinator Ricardo Rocca choreografierten Kämpfe wirken schmerzhaft real, wodurch die Gewalt nie ästhetisiert, sondern stets als tragische Konsequenz einer zerrissenen Gesellschaft gezeigt wird. Mit Alea Media im Rücken zielt die Serie auf ein Publikum ab, das anspruchsvolle Geschichten an der Schnittstelle von Politik und privatem Schicksal sucht.

Am Ende ihrer achtteiligen Reise hinterlässt die Serie eine beunruhigende Reflexion über moralische Grenzen und die Zerbrechlichkeit der modernen Zivilisation. Sie zeigt auf erschütternde Weise, zu welchen Extremen Individuen und Gesellschaften fähig sind, wenn Hass in den Lücken einer verschwindenden Zukunft gedeiht.

Der offizielle Startschuss für die Ausstrahlung von Salvador fällt heute, am 6. Februar 2026.

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