Filmkritiken

Glanzvolles Whodunit ertrinkt in einer blassen Romanze

Martin Cid
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Die Eröffnungseinstellung von In Love and Deep Water verweilt auf Suguru, gespielt von Ryo Yoshizawa. Seine makellos weiße Butleruniform hebt sich deutlich von den glänzenden Decks der MSC Bellissima ab. Langsam gleitet die Kamera über den luxuriösen Komfort des Schiffs: polierte Holzvertäfelungen, Kristalllüster und dahinter die schier endlose Weite der Ägäis. Ein visuell opulenter Auftakt für Yusuke Takis Netflix-Mix aus romantischer Komödie und Krimi, der ein modernes Murder on the Orient Express im Stil von Love Actually sein möchte.

Die Ausgangsidee ist schlicht, aber vielversprechend: Suguru Ubukata (Yoshizawa), ein hingebungsvoller Butler an Bord der MSC Bellissima, begegnet Chizuru Banjaku (Aoi Miyazaki), einer rätselhaften Frau, die behauptet, die beiden verbinde eine gemeinsame Vergangenheit. Ihre zufällige Begegnung fällt mit einem Mord auf dem Schiff zusammen und wirft das ungleiche Paar mitten hinein in ein Whodunit unter den exzentrischen Passagieren. Die Stärke des Films liegt in seiner Ausstattung: Jeder vergoldete Korridor und jede ausladende Bankettszene strahlen Opulenz aus und entführen das Publikum in die Welt der Reichen und Mächtigen auf See. Auch der Kriminalfall ist geschickt in die Handlung eingewoben; jeder Passagier hat Geheimnisse, die die Geschichte spannend halten.

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Doch In Love and Deep Water gerät ins Straucheln, sobald der Film seine verschiedenen Genres unter einen Hut bringen will. Die Romanze zwischen Suguru und Chizuru bleibt unausgereift und beschränkt sich auf eine Reihe unbeholfener Blicke und halbherziger Geständnisse, denen die nötige emotionale Tiefe fehlt, um wirklich zu berühren. Die humoristischen Einlagen zünden häufig nicht; ihre Pointen kommen so subtil daher wie ein Anker, der in die Ägäis geworfen wird. Auch der Kriminalfall, durchaus reizvoll angelegt, leidet unter dem Erzähltempo: Entscheidende Enthüllungen werden hastig abgehandelt, und das Finale wirkt unbefriedigend abrupt.

Aoi Miyazaki überzeugt als Chizuru besonders. Ihre Darstellung einer Frau zwischen Verletzlichkeit und Gerissenheit verleiht der Geschichte eine dringend benötigte Nuance. Miyazakis Fähigkeit, mit einem einzigen Blick Gefühle zu vermitteln, zählt zu den Höhepunkten des Films und macht ihre Figur zu seinem emotionalen Anker. Auch Ryo Yoshizawa ist als Suguru überzeugend, allerdings geht die Entwicklung seiner Figur in den verwickelten Wendungen der Handlung mitunter unter. Die Nebendarsteller, darunter Rinko Kikuchi als Aina Horikawa und Yoh Yoshida als Hatsumi Yabuchi, bringen willkommene Energie in ihre Rollen, werden von der überladenen Erzählung jedoch oft an den Rand gedrängt.

Der Versuch, etwas Eigenständiges zu schaffen, ist bewundernswert: Romantik, Komödie, Krimi und Thriller sollen in einem Film zusammenfinden. Am Ende wirkt das Ganze jedoch eher wie ein Sammelsurium von Genres als wie ein stimmiges Ganzes. Vor allem die Auflösung des Kriminalfalls enttäuscht: Das Motiv des Täters bleibt so undurchsichtig, dass die zuvor aufgebaute Spannung darunter leidet. Auch der Romanze fehlt es an Chemie zwischen den Hauptdarstellern. Ihre angebliche Liebesgeschichte wirkt deshalb erzwungen und unglaubwürdig.

In Love and Deep Water ist ein visuell beeindruckendes, erzählerisch aber unausgewogenes Filmerlebnis. Der Film verspricht viel, hält jedoch weniger, als erhofft, und hinterlässt beim Publikum das Gefühl verpasster Chancen. Die Ausstattung ist zweifellos seine größte Stärke und schafft einen prächtigen Rahmen für die Geschichte. Doch weil es dem Film nicht gelingt, seine verschiedenen Genres auszubalancieren und die Figuren überzeugend auszuarbeiten, bleibt er hinter seinem Potenzial zurück.

Yusuke Takis Regie ist solide, aber wenig inspirierend. Zwar fängt Taki die Pracht des Kreuzfahrtschiffs eindrucksvoll ein, doch es fällt ihm schwer, eine schlüssige Erzählung zu gestalten, die alle Elemente zusammenführt. Das Tempo schwankt: Manche Szenen ziehen sich, andere werden überhastet abgehandelt. So entsteht ein uneinheitliches Seherlebnis.

Inhaltlich streift In Love and Deep Water Themen wie Liebe, Verrat und die Suche nach der eigenen Identität. Wirklich ausgelotet werden sie jedoch nie, weshalb ein Gefühl der Unvollständigkeit zurückbleibt. Der Versuch, Romanze und Krimi miteinander zu verbinden, ist ambitioniert, scheitert letztlich aber daran, dass die beiden Genres eher miteinander kollidieren, als sich gegenseitig zu ergänzen.

Das Zielpublikum von In Love and Deep Water dürften vor allem Fans romantischer Dramen und von Mordgeschichten sein. Wer eine klassische Romcom oder einen raffiniert konstruierten Thriller erwartet, könnte hingegen enttäuscht werden. Durch die Mischung der Genres lässt sich der Film nur schwer einer bestimmten Zielgruppe zuordnen – und genau das wird ihm letztlich zum Verhängnis.

Außerdem mangelt es dem Film an Originalität. Schauplatz und Ausgangsidee sind zwar reizvoll, die Geschichte selbst wirkt jedoch abgeleitet und greift stark auf bekannte Motive aus dem Liebesfilm- und Krimigenre zurück. Dieser fehlende frische Blick macht es schwer, sich in einem dicht besetzten Markt von der Konkurrenz abzuheben.

Trotz seiner Schwächen hat In Love and Deep Water durchaus gelungene Momente. Aoi Miyazaki und Ryo Yoshizawa spielen stark, und die Ausstattung ist zweifellos beeindruckend. Diese Vorzüge reichen jedoch nicht aus, um die deutlich größeren Mängel des Films aufzuwiegen.

Letztlich will In Love and Deep Water zu viel und erreicht dadurch zu wenig. Das visuell beeindruckende, erzählerisch unausgewogene Filmerlebnis dürfte beim Publikum vor allem einen faden Nachgeschmack hinterlassen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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