Filmkritiken

Wild Wild Punjab: Chaotischer Roadtrip mit Humor, der mal zündet und mal verpufft

Veronica Loop
Fügen Sie uns bei Google hinzu

Schon die Eingangsszene von Wild Wild Punjab gibt den Ton vor: Bei einer chaotischen Hochzeit heiratet Gaurav Jain (Jassie Gill) versehentlich die Braut, nachdem der Bräutigam einen Rückzieher gemacht hat. Unter der Regie von Simarpreet Singh folgt eine ausgelassene Roadtrip-Komödie mit vier Freunden, die alle mit ihrem eigenen Schlamassel beschäftigt sind. Die Prämisse ist einfach: Einem Freund dabei helfen, über seine Ex hinwegzukommen. Die Umsetzung driftet jedoch ins Slapstickhafte ab – oft zum Nachteil des Films.

Wild Wild Punjab weiß genau, was für ein Film er sein will: eine laute, turbulente Komödie voller Missgeschicke und absurder Einfälle. Dieses Genre liegt ihm, und er nimmt es ganz und gar an – sein Versprechen auf Unterhaltung löst er ein. Die Kamera fängt die farbenprächtigen Landschaften des Punjab ein und nutzt weite Einstellungen, um die Größe der Umgebung hervorzuheben. Das steht in scharfem Kontrast zu dem klaustrophobischen Chaos, in dem sich die Figuren wiederfinden. Dieser visuelle Gegensatz gehört zu den stärkeren Seiten des Films und verankert seine Absurdität an einem greifbaren Schauplatz.

YouTube Video

Die schauspielerischen Leistungen fallen unterschiedlich aus. Varun Sharma stiehlt als Rajesh Khanna mit seinem Timing und seiner Fähigkeit, Pointen treffsicher zu setzen, allen die Show. Seine trockenen Reaktionen auf den um ihn herum immer weiter eskalierenden Wahnsinn sorgen für einige der unterhaltsamsten Momente des Films. Jassie Gill trägt Gauravs inneren Konflikt überzeugend, auch wenn die Entwicklung seiner Figur ziemlich vorhersehbar wirkt. Sunny Singh als Mayank „Maan“ Arora und Manjot Singh als Honey Singh bleiben blass; ihre Figuren sind eher Stichwortgeber für komische Situationen als ausgearbeitete Charaktere. Ishita Raj Sharma bringt als Meera Schwung in den Film, doch ihre Rolle wird leider durch dessen Rückgriff auf frauenfeindlichen Humor eingeschränkt.

Zu den größten Stärken des Films zählen Schnitt und komödiantisches Timing, die von Kritikern zu Recht gelobt wurden. Das Tempo ist straff, und die Übergänge zwischen den chaotischen Höhepunkten – sei es eine gecrashte Hochzeitsfeier unter Alkoholeinfluss oder ein Gefängnisausbruch – sind flüssig. In solchen Momenten sitzt die Komik, besonders wenn die Gruppe absurde Situationen meistern muss, etwa eine Drogenlieferung für Meera oder die Flucht vor Gangstern. Hier zeigt sich die Originalität des Films am deutlichsten: Körperkomik und Situationshumor verbinden sich zu Szenen, die frisch und mitreißend wirken.

Allerdings schwächelt Wild Wild Punjab im Umgang mit Frauen und durch seinen Rückgriff auf frauenfeindlichen Humor. Radha (Patralekhaa), die versehentliche Braut, wird auf eine Funktion für die Handlung reduziert; die Männer und ihre Eskapaden drängen ihre Selbstbestimmung an den Rand. Meera tritt zwar selbstbewusster auf, wird aber ebenfalls als Karikatur angelegt – ihre Nebenhandlung rund um den Drogenhandel wirkt angeflanscht, statt organisch in die Geschichte eingebunden zu sein. Der Humor setzt häufig auf derbe Witze und körperliche Komik, die zwar gelegentlich amüsant sind, aber oft in abgestandenes Terrain abgleiten.

Auch die Vertrautheit des Stoffes bremst die Originalität des Films. Wild Wild Punjab bedient sich großzügig beim Roadtrip-Komödiengenre. Zwar versucht der Film, sich mit seinem Slapstick-Ansatz davon abzuheben, wirkt aber oft wie ein Abklatsch von Filmen wie Fukrey. Der von Guru Randhawa und anderen komponierte Soundtrack sorgt für Energie, hebt das Material jedoch nicht über seinen konventionellen Rahmen hinaus. Hitesh Soniks Hintergrundmusik erfüllt ihren Zweck, ihr fehlt aber die Eigenständigkeit, die dem Film zu einem unverwechselbaren Profil hätte verhelfen können.

Bei der Regie gelingt es Simarpreet Singh nur bedingt, das Ausmaß des komödiantischen Chaos zu orchestrieren, das ihm offensichtlich vorschwebt. Das Tempo des Films ist zwar beachtlich, doch die Erzählung wirkt insgesamt zusammenhanglos. Nebenhandlungen wie die Drogenlieferung und die Verfolgungsjagd mit den Gangstern erscheinen eher als Hindernisse, die überwunden werden müssen, denn als wesentliche Bestandteile der Geschichte. Der Struktur fehlt es an Geschlossenheit, sodass es schwerfällt, sich auf die Entwicklung der Figuren einzulassen.

Wild Wild Punjab hat einige wirklich komische Momente, wird aber von seinen Schwächen ausgebremst. Die Komödie dürfte bei einem Publikum ankommen, das einfach nur unbeschwerte Unterhaltung sucht, bleibt jedoch hinter einem einprägsamen oder nachhaltig wirkungsvollen Film zurück. Der Humor ist mal treffsicher, mal ein Reinfall, und der Umgang mit den weiblichen Figuren lässt einiges zu wünschen übrig.

Letztlich weiß Wild Wild Punjab, für wen der Film gemacht ist: Wer Slapstick und Roadtrip-Abenteuer mag, wird hier einiges finden, worüber sich lachen lässt. Wer hingegen tiefgründigere Themen oder nuanciertere Figuren sucht, dürfte enttäuscht werden.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Schlagwörter: , , , , ,

Fügen Sie uns bei Google hinzu

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.