Kunst

Die Londoner David Gill Gallery beleuchtet zeitgenössische Biophilie in der Ausstellung „New Nature“

Biophilie in der High Jewellery: Eine zeitgenössische Ausstellung
Lisbeth Thalberg

Die David Gill Gallery hat mit New Nature eine kommende Gruppenausstellung für High Jewellery angekündigt. Kuratiert von der Autorin und Historikerin Carol Woolton, untersucht die Schau die Entwicklung der Naturdarstellung innerhalb dieser Kunstdisziplin. Anhand der Arbeiten von sieben internationalen Designern erforscht die Präsentation die Vielfalt zeitgenössischen Designs und postuliert, dass die künstlerische Interpretation der Natur untrennbar mit den technologischen, künstlerischen und ökologischen Verschiebungen unserer heutigen Ära verbunden ist.

Das kuratorische Konzept thematisiert den Begriff einer „neuen Natur“ vor dem Hintergrund globaler ökologischer Besorgnis. Woolton suggeriert, dass während biophiles Design historisch dazu diente, das Kunstgewerbe ästhetisch zu bereichern, sich der moderne Fokus verschoben hat: von der Aneignung exotischer Gewächshausblüten hin zu einer protektionistischen Wertschätzung bescheidener, heimischer Flora. Dieser Wandel manifestiert sich im Werk des britischen Künstlers Christopher Thompson Royds, der botanische Elemente aus Heckenlandschaften wie Klee und Weidenkätzchen – oft als Unkraut übersehen – durch die Umsetzung in Silber und Bronze nobilitiert und damit traditionelle Wertierarchien der Haute Joaillerie infrage stellt.

Ein signifikanter Teil der Ausstellung widmet sich der materialtechnischen Innovation und der Subversion klassischer Techniken. Der römische Künstler Maurizio Fioravanti, ein Autodidakt, revitalisiert die antike Tradition des Mikromosaiks, indem er dieses historische Handwerk mit avantgardistischen Materialien fusioniert. Seine „Cage“-Ohrringe beispielsweise betten kostbare Mikromosaike in Porzellanflügel ein, die auf leichten Zirkonium-Strukturen montiert sind – eine Synthese aus Antike und modernem Ingenieurwesen. Ähnlich verfährt der ebenfalls in Rom ansässige Fabio Salini, der seinen Hintergrund in den geologischen Wissenschaften nutzt, um untypische Elemente wie Carbonfaser, Leder und Stroh in seine Atelierarbeiten einzubringen. Dabei verfolgt er einen konzeptionellen Ansatz, der etablierte Luxusnormen hinterfragt.

Die Ausstellung stellt zudem architektonische Strenge einer narrativen Fluidität gegenüber. Die im Vereinigten Königreich lebende libanesische Architektin und Designerin Dina Kamal wendet Prinzipien von Proportion, Kontext und Struktur auf ihren Schmuck an. Sie sucht nach einer Balance zwischen architektonischer Stabilität und sinnlicher Form, wie ihre mattgoldenen „Fish-Tail“-Ringe belegen. Im Kontrast dazu nutzt Michelle Ong, Mitbegründerin des Hongkonger Hauses Carnet, Storytelling und chinesische Philosophie, um die fünf Phasen der Natur – Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser – zu erkunden. Ihre Beiträge zeichnen sich durch Biomimikry und technische Präzision aus, exemplarisch dargestellt durch Schmetterlingsflügel aus Diamantspitze, die Themen der schwerelosen Leichtigkeit artikulieren.

In einer weiteren Vertiefung der texturalen Kunstfertigkeit präsentiert der US-amerikanische Designer Mish Tworkowski Arbeiten, die von der Gartenbaukunst inspiriert sind. Er nutzt Gold, um die unregelmäßigen Oberflächen von Baumrinde und Zweigen nachzubilden, die er im Norden des Bundesstaates New York beobachtet hat. Zudem stellt die Galerie den in Paris ansässigen Newcomer Philippe Vourc’h vor, dessen Debütkollektion „Lobe“ sich auf die Abstraktion flüchtiger Momente konzentriert und durch eine anspruchsvolle, zeitlose Eleganz besticht.

Francis Sultana, CEO der David Gill Gallery, verortet diese Ausstellung im breiteren historischen Kontext der Galerie und verweist auf eine Tradition in der Präsentation von Objets de désir, die von der Ausstellung 50 Years of Fashion im Jahr 1987 bis zu zeitgenössischen Werkschauen von Künstlern wie Line Vautrin und Michele Oka Doner reicht.

New Nature wird vom 14. November bis zum 22. Dezember 2025 in der David Gill Gallery, 2-4 King Street, London, zu sehen sein.

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