Eine bedeutende Auswahl französischer Meisterwerke des 18. Jahrhunderts aus der Sammlung von Arthur Georges Veil-Picard wird demnächst in Paris versteigert. Damit endet eine fast ein Jahrhundert währende Phase der privaten Abgeschiedenheit. Das Konvolut besteht aus rund dreißig Werken namhafter Künstler jener Epoche, darunter Jean-Honoré Fragonard, Antoine Watteau und Hubert Robert. Mit einem Gesamtschätzwert zwischen fünf und acht Millionen Euro stellt die Auktion eine außergewöhnliche Gelegenheit für die Forschung und den Erwerb von Altmeistergemälden und -zeichnungen dar, die bisher weitgehend unzugänglich waren.
Die Provenienz der Sammlung Veil-Picard
Arthur Georges Veil-Picard, Bankier und erfolgreicher Unternehmer an der Spitze der Destillerie Pernod, stellte dieses Ensemble zu Beginn des 20. Jahrhunderts zusammen. Historisch gesehen diente die Sammlung als wichtige Referenz für Kuratoren und Wissenschaftler, obwohl viele der Stücke zuvor nur durch Schwarz-Weiß-Reproduktionen bekannt waren. Veil-Picard schuf über einen Zeitraum von vierzig Jahren ein Ensemble in seinem Stadtpalais im Pariser Viertel Plaine Monceau, das heute weltweit als Maßstab gilt. Die Familie blickt auf eine lange Tradition des Mäzenatentums zurück; so profitierten bereits der Louvre und das Musée des Beaux-Arts in Besançon von ihrer Großzügigkeit. Während dieser spezifische Teil des Erbes über Jahrzehnte im Familienbesitz verblieb, sind andere Werke der Sammlung bereits in den Beständen von Versailles oder dem Metropolitan Museum of Art in New York vertreten.

Portrait of Madame Hubert Robert, née Anne-Gabrielle Soos (1745-1821), 1771
Pastel
70,5 x 53,9 cm
Estimate: €70,000–100,000
Künstlerischer Fokus: Jean-Honoré Fragonard
Die Auktion umfasst fünf Werke von Jean-Honoré Fragonard, einem vom Sammler besonders geschätzten Künstler. Das Hauptwerk der Gruppe ist das Ölgemälde „Die glückliche Familie“, auch bekannt unter dem Titel „Junges Paar, ein schlafendes Kind betrachtend“. Das in den 1770er Jahren nach der Italienreise des Künstlers entstandene Werk zeichnet sich durch eine lebendige und spontane Pinselführung aus. In Fachkreisen gilt diese Leinwand als die erste und repräsentativste Fassung der Komposition unter den bekannten Varianten. Ein weiteres bedeutendes Porträt ist „Die kleine Kokette“, das eine prestigeträchtige Provenienz aufweist und unter anderem den Sammlern Hippolyte Walferdin und dem Grafen de Pourtalès gehörte.
Wiederentdeckungen und wissenschaftliche Bedeutung
Ein besonderer Höhepunkt der Auktion ist die Wiederentdeckung einer großformatigen Zeichnung von Antoine Watteau: „Stehender Mann, eine Gitarre unter dem linken Arm haltend“. Die in Rötel und schwarzer Kreide ausgeführte Arbeit wurde in einem früheren Werkverzeichnis als Teil einer unzugänglichen Privatsammlung beschrieben und war bisher nie öffentlich zu sehen. Das Werk erinnert stilistisch an den berühmten „Pierrot“ im Louvre. Ebenfalls vertreten ist Gabriel de Saint-Aubin mit „Die private Akademie“. Die Zeichnung zeigt einen Maler und sein Modell in privater Atmosphäre – eine Thematik, die zur Entstehungszeit an der offiziellen Akademie untersagt war und einen authentischen Einblick in das Pariser Künstlerleben bietet.
Interieurs und Porträts der Aufklärung
Zwei Werke von Hubert Robert geben Aufschluss über das intellektuelle Umfeld der Epoche. „Das Frühstück der Madame Geoffrin“ und „Ein Künstler präsentiert Madame Geoffrin ein Porträt“ zeigen die berühmte Salonnière in ihren privaten Gemächern. Es handelt sich um die letzten von dieser bedeutenden Mäzenin in Auftrag gegebenen Werke. Ergänzt wird die Auswahl durch ein Pastellporträt der Madame Hubert Robert von Marie-Suzanne Roslin. Als eine der wenigen weiblichen Akademiemitglieder des 18. Jahrhunderts veranschaulicht Roslin in dieser Arbeit ihre präzise Handhabung der Pastellmalerei. Zudem umfasst die Sammlung Festdarstellungen von Jean-Michel Moreau, die königliche Feierlichkeiten zu Ehren der Geburt des Dauphins dokumentieren.
Zusammenfassung der Schätzwerte
Die folgende Übersicht zeigt die Schätzwerte der wichtigsten Werke der Sammlung:
| Künstler | Werk | Schätzwert |
| Jean-Honoré Fragonard | Die glückliche Familie | 1.500.000 € – 2.000.000 € |
| Antoine Watteau | Stehender Mann, eine Gitarre haltend | 600.000 € – 800.000 € |
| Jean-Honoré Fragonard | Die kleine Kokette | 400.000 € – 600.000 € |
| Jean-Michel Moreau | Feierlichkeiten im Hôtel de Ville | 300.000 € – 500.000 € |
| Jean-Honoré Fragonard | Frau mit einer Taube | 200.000 € – 300.000 € |
| Gabriel de Saint-Aubin | Die private Akademie | 150.000 € – 200.000 € |
| Marie-Suzanne Roslin | Porträt der Madame Hubert Robert | 70.000 € – 100.000 € |
| Hubert Robert | Szenen mit Madame Geoffrin | Auf Anfrage |
Besichtigung und Auktionsdaten
Die Werke werden vor der Versteigerung in den Räumlichkeiten von Christie’s in Paris ausgestellt.
Öffentliche Besichtigung: 21. bis 25. März 2026
Auktion: Mittwoch, 25. März 2026, um 14:30 Uhr
Ort: Christie’s Paris

The little Coquette or The Peeping Girl
Oil on panel
32,5 x 23,7 cm
Estimate: €400,000-600,000
