Musik

The Fake Friends aus Montreal bündeln Hochspannung im New-Wave-Anthem „The Way She Goes“

Nach einer Reihe intensiver Live-Shows verfeinert das Sextett seinen Post-Punk-Ansatz zu einer klinischen, rhythmischen Erkundung urbaner Rastlosigkeit.
Alice Lange

Die Klanglandschaft von Montreal ist seit langem dafür bekannt, rohen DIY-Ethos mit einer anspruchsvollen, neonbeleuchteten Ästhetik zu verschmelzen. The Fake Friends positionieren sich derzeit als treibende Kraft hinter dieser Entwicklung. Mit ihrer neuesten Veröffentlichung vollzieht die Band eine bewusste Kehrtwende hin zu einem kühleren, präziseren Sound. Während frühere Arbeiten noch stark auf die rohe Energie verzerrter Gitarren und hymnische Punk-Refrains setzten, überzeugt das neue Material durch eckige Synkopen und eine minimalistische Architektur, die tief in der Art-Punk-Bewegung der späten 70er Jahre verwurzelt ist.

Das Stück fungiert als psychologisches Kernstück ihres kommenden Debütalbums Let’s Not Overthink This. Musikalisch basiert die Komposition auf einem Fundament aus ineinandergreifenden Gitarrenlinien, die an die disziplinierte Spannung von Genre-Größen wie Wire oder Pylon erinnern. Ergänzt wird dies durch pulsierende Keyboards, die eine tieffrequente Dynamik erzeugen und die nervöse Energie des Tracks im Zaum halten. Die Rhythmusgruppe agiert dabei mit einem metronomischen Drive, der verhindert, dass die inhärente Unruhe des Songs ins Chaos abgleitet.

Fake Friends - Let's Not Overthink This
Fake Friends – Let’s Not Overthink This

Produziert und technisch umgesetzt von Jordan Barillaro in den renommierten Mixart Studios – einer festen Größe der Quebecer Szene, bekannt für exquisites Vintage-Equipment und weitläufige Aufnahmeräume – profitiert die Single von einem hohen Produktionsniveau, das auf Klarheit und instrumentale Trennung setzt. Die Hallfahnen sind straff gesetzt, und das Mastering sorgt dafür, dass die nadelstichartige Präzision der Instrumentierung den Mix durchdringt, ohne die Wärme der analogen Synthesizer zu opfern. Dieser gemeinschaftliche Aufnahmeprozess hat dem Album eine authentische lokale Identität verliehen.

Inhaltlich navigiert Sänger Savage durch eine Welt aus zyklischen Gewohnheiten und bröckelndem Selbstvertrauen. Die Texte erkunden die Reibung zwischen Selbstbeobachtung und Selbstzerstörung und wirken wie ein innerer Monolog inmitten der Großstadt. Der Refrain wird mit einer müden Gewissheit vorgetragen, die perfekt mit der kontrollierten Spannung der Musik korrespondiert. Es ist die Reflexion über Muster, in die man immer wieder zurückfällt, selbst wenn man sie bereits kommen sieht.

Dieser stilistische Wandel in Richtung Dance-Punk und Post-Wave ist die organische Konsequenz eines intensiven Jahres auf Tour. Durch Auftritte mit Legenden wie den Buzzcocks oder Zeitgenossen wie den Wine Lips haben The Fake Friends eine Live-Präsenz entwickelt, die von absoluter Zielstrebigkeit geprägt ist. Diese auf der Straße gewonnene Tightness zeigt sich deutlich in der Struktur des Songs, der keinen Raum verschwendet und sich mit klinischer Effizienz vom ersten Staccato-Riff bis zum finalen Decay bewegt.

Während die Band ihren Aktionsradius stetig erweitert, bleibt sie ein essentielles Produkt des Montrealer Undergrounds. Die Einflüsse der Stadt sind in jede klangliche Textur eingebrannt: Es ist der Sound von kaltem Neonlicht, der Rastlosigkeit tiefer Nächte und dem Gefühl, dass alles Wichtige direkt unter der Oberfläche geschieht.

Die Single „The Way She Goes“ erscheint am 16. Januar 2026 über Stomp Records. Das vollständige Debütalbum Let’s Not Overthink This folgt am 13. Februar 2026.

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