Dokumentarfilme

Die Milliardärin, der Butler und der Freund: Ein Skandal legt die dunkle Seite des Reichtums offen

Alice Lange
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Die Eröffnungsszene von The Billionaire, the Butler, and the Boyfriend verweilt auf dem prachtvollen Pariser Anwesen von Liliane Bettencourt – einer Festung des Reichtums, die zum Zentrum eines derart schillernden Skandals wird, dass er wie eine französische Farce unter der Regie von Luis Buñuel anmutet. Die vierteilige Dokuserie, die jetzt gestreamt werden kann, beleuchtet den erbitterten Familienstreit zwischen Frankreichs reichster Frau und ihrer Tochter Françoise Bettencourt Meyers, der sich zu einer nationalen Obsession auswuchs. Die Serie ist eine fesselnde Auseinandersetzung mit Macht, Verrat und der Frage, wie weit Menschen gehen, um ihr Vermächtnis zu schützen. Zugleich führt sie vor Augen, dass selbst hinter den glänzendsten Fassaden Verfall lauern kann.

Im Kern erzählt die Serie von Gier, Manipulation und dem schwindenden Vertrauen innerhalb einer der wohlhabendsten Familien Europas. Sie stützt sich stark auf Archivaufnahmen von Liliane Bettencourt, ihrer Tochter, François-Marie Banier – dem umstrittenen Freund im Zentrum des Skandals – und sogar des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, dessen Verwicklung der Geschichte eine zusätzliche Wendung gibt. Ihre Stärke liegt darin, persönliche Dramen mit größeren Themen wie Korruption und Einfluss zu verknüpfen.

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Zu Beginn zeichnet die Serie Liliane Bettencourt als eine Frau von beinahe mythischem Format: Sie erbte das Vermögen von L’Oréal und wurde nicht nur zur reichsten Person Frankreichs, sondern auch zum Symbol des kapitalistischen Erfolgs. Ihre Beziehung zu François-Marie Banier, einem Fotografen und Künstler, der 20 Jahre jünger war als sie, erscheint zugleich romantisch und von geschäftlichen Interessen geprägt. Besonders fesselnd sind die Archivaufnahmen Bettencourts. Sie wirkt verletzlich und doch ausgesprochen selbstbestimmt – eine Frau, die die Gefahren ihrer Lage zu erkennen scheint, sich aber nicht daraus befreien kann oder will.

Françoise Bettencourt Meyers, Lilianes Tochter, wird zum moralischen Zentrum der Geschichte. Ihre Sorge um die Beziehung ihrer Mutter zu Banier und dessen mutmaßlichen Einfluss auf sie erscheint als die Sorge eines beschützenden Kindes, das eine Ausbeutung befürchtet. Die Serie stellt beide Seiten des Konflikts überzeugend dar, ohne sich eindeutig festzulegen, und überlässt es dem Publikum, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Nicolas Sarkozy gehört zu den spannendsten Aspekten der Serie. Seine politische Laufbahn gerät in den Sog des Skandals, als bekannt wird, dass er mutmaßlich über Banier Wahlkampfspenden von Bettencourt erhalten hat. Hier hebt sich die Geschichte von einem bloßen Familienstreit zu etwas, das einer nationalen Tragödie ähnelt – und genau an diesem Punkt läuft die Dokumentation zu ihrer Hochform auf.

Die Darbietungen – wenn man sie überhaupt so nennen kann – beschränken sich auf Archivmaterial und Interviews. Bettencourts Verletzlichkeit und Trotz treten deutlich hervor und machen sie zu mehr als einer Milliardärin: zu einem zutiefst fehlbaren Menschen, gefangen in einem Netz aus Manipulation. Banier, der kunstbegeisterte Freund, der Bettencourt mutmaßlich um Millionen betrogen hat, wird zugleich als charmant und als räuberisch gezeichnet – als ein Mann, der genau wusste, wie er Vertrauen ausnutzen konnte.

Schwächen zeigt die Serie beim Erzähltempo. Mitunter wirkt sie wie eine bloße Aufzählung von Rechtsstreitigkeiten und Finanztransaktionen; dabei geht ein Teil jener erzählerischen Spannung verloren, die Skandale so fesselnd macht. Kreativere Erzählmittel hätten der Dokumentation gutgetan – etwa nachgestellte Szenen oder Animationen, um die Monotonie der Interviews vor der Kamera aufzubrechen.

Die Originalität bleibt mittelmäßig. Das Thema ist zweifellos faszinierend, doch die Umsetzung lotet die Möglichkeiten des Dokuserien-Formats nicht aus. Die Serie ist gründlich recherchiert und sorgfältig zusammengestellt, lässt aber jene Kühnheit vermissen, die sie zu einem echten Höhepunkt hätte machen können.

Was die Genrezugehörigkeit angeht, ist The Billionaire, the Butler, and the Boyfriend ein Lehrbuchbeispiel für eine True-Crime-Dokumentation. Die Zutaten stimmen: Reichtum, Macht, Verrat und juristische Auseinandersetzungen. Stilistisch oder erzählerisch hat die Serie dem Genre allerdings kaum etwas Neues hinzuzufügen.

Am ehesten dürfte die Serie Fans von Skandalen aus der High Society und Menschen mit Interesse an französischer Politik ansprechen. Mit ihrer Mischung aus Glamour, Intrigen und juristischen Winkelzügen wirkt die Geschichte unverkennbar französisch. Wer sich jedoch eine innovativere Herangehensweise an das Dokumentarformat erhofft, könnte enttäuscht sein.

Handwerklich ist die Serie kompetent inszeniert, doch ihr fehlen der visuelle Einfallsreichtum und der erzählerische Ehrgeiz, die sie zu etwas wirklich Besonderem hätten machen können.

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