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Die Löwinnen: Netflix-Heist-Satire über fünf Frauen, die als Männer verkleidet eine Bank ausrauben

Mit Jonathan Cohen und Rebecca Marder in den Hauptrollen folgt diese französische Noir-Komödie fünf Freundinnen am Rande der Verzweiflung, die männliche Identitäten annehmen, um einen waghalsigen Überfall in Südfrankreich zu begehen.
Veronica Loop

Die globale Streaming-Landschaft steht vor der Premiere von „Die Löwinnen“ (Originaltitel: Cash Queens), einer Produktion, die eine bedeutende Weiterentwicklung der europäischen Content-Strategie von Netflix markiert. Als „Tentpole“-Veröffentlichung für die Mitte des Winters positioniert, startet die Serie exklusiv auf der Plattform und ergänzt ein robustes Angebot an internationalem Programm, das ein vielfältiges, globales Publikum ansprechen soll. Die Serie erscheint zu einer Zeit, in der das französische Fernsehen eine beispiellose Renaissance auf der Weltbühne erlebt. Nach dem internationalen Erfolg von Hits wie Lupin und Call My Agent! scheint „Die Löwinnen“ darauf ausgelegt zu sein, die spezifische Alchemie der „French Touch“-Comedy – geprägt von Irreverenz und sozialer Beobachtung – mit der universellen Anziehungskraft eines Heist-Thrillers zu verschmelzen.

Die Veröffentlichungsstrategie ist offensiv: Die Serie wird in ihrer Gesamtheit an einem Donnerstag veröffentlicht, einem strategischen Termin, um die Dynamik für das Wochenend-Binge-Watching auf den US-amerikanischen und europäischen Märkten zu nutzen. Die Positionierung der Show ist durch das umgebende Programm klar definiert. Sie startet zeitgleich mit Schwergewichten wie The Lincoln Lawyer und dem deutschen Thriller Unfamiliar, was darauf hindeutet, dass Netflix „Die Löwinnen“ nicht als Nischenangebot in fremder Sprache, sondern als Kernpfeiler seines neuen Line-ups betrachtet. Dieser „glokale“ Ansatz – lokale Geschichten mit globalen Vertriebsmechanismen – stellt die Serie als Gradmesser für die anhaltende Tragfähigkeit hochbudgetierter europäischer Dramedys unter intensive Beobachtung.

Die Prämisse: Verzweiflung, Verkleidung und die „Galère“

Im erzählerischen Kern ist „Die Löwinnen“ eine Geschichte über das wirtschaftliche Überleben. Die Serie spielt vor der sonnendurchfluteten Kulisse Südfrankreichs – insbesondere in den Arbeitervierteln von Marseille und Salon-de-Provence – und bildet einen starken Kontrast zwischen dem touristischen Glanz der Region und der harten Realität ihrer Bewohner. Der Handlungsmechanismus wird durch das ausgelöst, was französische Soziologen und die Marketingmaterialien der Serie als „la galère“ bezeichnen – der tägliche Überlebenskampf an den wirtschaftlichen Rändern.

Fünf Frauen, beschrieben als „geplagte Freundinnen“ am Rande des finanziellen Ruins, entscheiden sich für radikale Maßnahmen. Ihr Plan ist in seiner Einfachheit kühn und in seiner Ausführung riskant: Sie bilden eine Bande, stehlen Schusswaffen und rauben eine Bank aus. Die Serie führt jedoch eine entscheidende Wendung ein, die sie von üblichen Heist-Produktionen unterscheidet. Um geschlechtsspezifische Erwartungen an Gewalt und Kriminalität zu umgehen, führen die Frauen den Raub als Männer verkleidet durch.

Dieses erzählerische Element erfüllt mehrere Funktionen: Es erzeugt die unmittelbare Spannung der physischen Tarnung, bietet Raum für komödiantische Missverständnisse und liefert eine Ebene sozialer Kommentare darüber, wer in der Gesellschaft als Bedrohung „akzeptiert“ wird. Die Beute für dieses riskante Wagnis ist bemerkenswert spezifisch: 36.280 Euro. Dies ist nicht der millionenschwere Raubzug aus Ocean’s Eleven oder Haus des Geldes. Es ist eine Summe, die das Leben der Charaktere verändern könnte, aber tragischerweise nicht ausreicht, um sie von den folgenden Konsequenzen freizukaufen. Der Diebstahl fungiert eher als auslösendes Ereignis denn als Lösung und setzt eine Abwärtsspirale in Gang, in die lokale Politiker, Strafverfolgungsbehörden und organisierte Kriminalität verwickelt sind.

Die kreative Architektur

Die kreative Vision für „Die Löwinnen“ entstammt der Zusammenarbeit zwischen Olivier Rosemberg und Carine Prevot. Ihre Partnerschaft steht für eine Kontinuität von Talenten innerhalb des Ökosystems von Netflix Frankreich. Rosemberg ist eine bekannte Größe, da er zuvor an Family Business mitgewirkt hat – einer Serie, die das Krimi-Genre erfolgreich mit Sitcom-Elementen verband. Rosembergs Regiestil ist oft durch ein Gleichgewicht aus chaotischer Energie und charaktergetriebenem Humor geprägt. Seine Beteiligung lässt darauf schließen, dass die Serie den düsteren, ernsthaften Ton des traditionellen „Nordic Noir“ zugunsten eines lebendigeren, rhythmischen Erzählstils vermeidet.

Der Einfluss von Carine Prevot deutet zusammen mit der Autorin Mahaut Mollaret auf einen Writers‘ Room hin, der darauf fokussiert ist, die unterschiedlichen weiblichen Perspektiven der fünf Protagonistinnen auszuarbeiten. Die Erzählung wird als „vielschichtig“ beschrieben und mischt Noir, Gesellschaftssatire und das Porträt von Frauen in wirtschaftlicher Not. Die Showrunner scheinen sich von der häuslichen Sphäre von Family Business auf eine breitere soziale Leinwand zu bewegen.

Produziert wird die Serie von Les Films entre 2 et 4. Die Beteiligung von Jonathan Cohen als Produzent ist besonders bedeutsam. Sie signalisiert, dass die Show für ihren Star nicht nur eine Auftragsarbeit, sondern ein Herzensprojekt ist, was dem kreativen Team wahrscheinlich größere Autonomie bei Tonfall und Besetzung gewährt. Die Kameraführung liegt in den Händen von Vincent Gallot und Alexandre Jamin. Ihre Aufgabe ist es, die „südliche“ Ästhetik einzufangen – eine Bildsprache, die oft als „Sunshine Noir“ bezeichnet wird. Im Gegensatz zu den grauen, regennassen Straßen von Paris bietet Südfrankreich gleißendes Licht und gesättigte Farben.

Das Ensemble: „Les Lionnes“

Die Besetzungsstrategie ist ein bewusstes Spiel mit Kontrasten, bei dem angesehene Theatertalente mit Comedy-Größen und aufstrebenden Stars zusammengeführt werden. Die fünf Hauptdarstellerinnen verkörpern die vielfältigen Gesichter des modernen Frankreichs:

  • Rebecca Marder: Als ehemaliges Mitglied der Comédie-Française bringt sie enorme dramatische Tiefe mit und verankert den emotionalen Bogen der Gruppe.
  • Zoé Marchal: Bekannt aus Tapie, bringt sie eine erdige Energie ein, die für den Realismus des Arbeitermilieus entscheidend ist.
  • Naidra Ayadi: Die César-Preisträgerin (Polisse) ist bekannt für ihre rohe Authentizität und spielt oft den moralischen Rückhalt ihrer Gemeinschaft.
  • Pascale Arbillot: Als Veteranin des französischen Kinos spielt sie Charaktere, die eine bürgerliche Fassade wahren, während sie innerlich zerbrechen.
  • Tya Deslauriers: Sie repräsentiert die junge Energie und die Frustrationen der französischen Jugend angesichts wirtschaftlicher Stagnation.

Unterstützt werden sie von hochkarätigen männlichen Darstellern wie Jonathan Cohen, der hier strategisch in einer markanten Nebenrolle eingesetzt wird, und dem belgischen Meister des Humors, François Damiens. Zudem schlägt Sami Outalbali (Sex Education) die Brücke zum globalen jungen Publikum.

Genre-Analyse: Sozialthriller trifft Heist-Comedy

„Die Löwinnen“ besetzt eine einzigartige Nische, indem sie den Heist-Film mit dem sozialen Problem-Drama hybridisiert. Der Raubüberfall ist hier eine Reaktion auf soziale Panik und nicht auf kriminelle Gier. Die Bescheidenheit der Beute erdet die Prämisse in einer nachvollziehbaren Realität: Es geht nicht um Privatinseln, sondern um Schulden, Mieten oder Kredite.

Der „Gender-Flip“ – der Bankraub in Männerverkleidung – ist der markanteste erzählerische Aufhänger. Dies ist nicht nur eine taktische List, sondern eine tiefgreifende thematische Wahl. Um im kriminellen Milieu ernst genommen zu werden oder Zugang zu „leichtem Geld“ zu erhalten, müssen die Frauen Männlichkeit performen. Diese Ebene sorgt für komödiantische Momente, während die Serie gleichzeitig die „Noir“-Realität der Konsequenzen beleuchtet.

Zusammenfassung der Produktionsdaten

KategorieDetails
Globaler TitelCash Queens
OriginaltitelLes Lionnes
Episodenanzahl8 Episoden (ca. 52 Min. pro Folge)
PlattformNetflix (Weltweite Premiere)
GenreAction, Komödie, Krimi-Drama, Thriller
SchöpferOlivier Rosemberg, Carine Prevot
DrehorteSüdfrankreich (Marseille, Salon-de-Provence)

Fazit

„Die Löwinnen“ ist mehr als nur eine Heist-Show; es ist ein filmisches Experiment in Sachen Tonalität und Repräsentation. Indem Netflix die Waffen und Fluchtwagen fünf Arbeiterfrauen anvertraut und die Handlung durch die Linse von Olivier Rosemberg und Jonathan Cohen filtert, setzt der Streaming-Dienst auf eine frische, subversive Interpretation des Genres.

Die Serie verspricht eine hochenergetische Mischung aus Humor und Spannung. Ihr bleibender Eindruck könnte jedoch in der Darstellung der „Löwinnen“ selbst liegen – Frauen, die sich weigern, unter dem Gewicht ihrer Lebensumstände zerdrückt zu werden. Der Raubzug beginnt weltweit am 5. Februar 2026.

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