Fernsehen

House of Ninjas: Das dunkle Erbe eines Clans kehrt zurück

Martin Cid
Fügen Sie uns bei Google hinzu

In der Eröffnungssequenz von House of Ninjas bewegt sich Haru Tawara (Kento Kaku) wie ein Schatten über Tokios neonbeleuchteter Skyline. Mühelos erklimmt er ein hoch aufragendes Gebäude – mit der Eleganz eines Mannes, der sein Leben lang die Kunst der Tarnung perfektioniert hat. Die Kamera verweilt auf seinen präzisen, kalkulierten Bewegungen und fängt die Anspannung seiner Muskeln ebenso ein wie den konzentrierten Blick seiner Augen. Ein eindrucksvoller Einstieg in das neueste Actiondrama von Netflix, der sofort den Ton setzt: Hier geht es um Ninjas, aber ebenso um Familie, Vermächtnis und die Geister der Vergangenheit.

Die von Dave Boyle entwickelte und auf einer Geschichte von Kaku basierende Serie House of Ninjas erzählt von den Tawaras, einer zerrütteten Familie ehemaliger Shinobi, die zu ihren geheimnisvollen Aufträgen zurückkehren muss, als eine neue Bedrohung auftaucht. Zum Auftakt verbindet die Serie temporeiche Action mit intimen dramatischen Momenten und mischt Humor, Romantik und brutale Kampfszenen auf eine Weise, die zugleich frisch und vertraut wirkt. Boyles Regie sorgt dafür, dass diese Elemente so geschickt ausbalanciert sind und keines das andere in den Schatten stellt.

Im Zentrum von House of Ninjas steht die Familie Tawara, deren Mitglieder nach dem Tod des ältesten Sohnes Gaku vor sechs Jahren jeweils mit ihren eigenen Dämonen ringen. Kaku überzeugt als Haru, der zweitälteste Sohn, der von Schuldgefühlen und Verantwortung belastet wird. Sein nuanciertes, mitreißendes Spiel macht Harus inneren Konflikt nachvollziehbar – selbst dann, wenn er fragwürdige Entscheidungen trifft. Yosuke Eguchi verleiht Soichi, dem Oberhaupt der Tawaras, eine stille Intensität und bringt die Last des Verlusts sowie den schwierigen Versuch, weiterzumachen, zum Ausdruck.

Tae Kimura glänzt als Yoko, Harus Mutter, für die kleinere Ladendiebstähle zum Umgang mit ihrer unverarbeiteten Trauer geworden sind. Ihr vielschichtiges, zurückhaltendes Spiel verleiht einer Figur Tiefe, die leicht eindimensional hätte geraten können. Aju Makita bringt als Nagi, die einzige Tochter der Familie, eine rebellische Energie in die Serie. Ihre spektakulären Einbrüche in Museen sind zugleich Ausdruck ihres Aufbegehrens und ein Hilferuf.

Auch die Nebenbesetzung kann sich sehen lassen. Riho Yoshioka überzeugt als Karen Ito, eine Journalistin, deren Recherchen zu einer Verschwörung mit Verbindungen zu den Ninjas sie in Harus Welt hineinziehen. Die Chemie zwischen ihr und Kaku ist elektrisierend; die Romanze wirkt dabei glaubwürdig und verdient. Takayuki Yamada setzt in seinen wenigen Auftritten als Hauptantagonist der Serie, Yosuke Tsujioke, ein Ausrufezeichen: Mit seiner stillen Bedrohlichkeit wird er zu einem gefährlichen Gegner.

Zu den größten Stärken von House of Ninjas zählen die Actionsequenzen. Die Choreografie der Kämpfe ist erstklassig, jede Auseinandersetzung wirkt wuchtig und hat spürbare Folgen. Die Serie scheut weder vor Gewalt zurück noch verklärt sie diese. Stattdessen machen die Kämpfe deutlich, was die Figuren können und wie viel für sie auf dem Spiel steht.

Ganz ohne Schwächen ist die Serie allerdings nicht. In den ersten Folgen wirkt das Erzähltempo stellenweise unausgewogen, weil mehrere Nebenhandlungen um Aufmerksamkeit konkurrieren. Nagis Museumseinbrüche, Harus geheime Aufträge und Soichis Schwierigkeiten mit seiner Brauerei beanspruchen gleichermaßen Sendezeit und sorgen mitunter für einen etwas zerfaserten Eindruck. Auch die Romanze zwischen Haru und Karen wirkt trotz der guten schauspielerischen Leistungen gelegentlich überstürzt – als wolle die Serie zu viel in ihre begrenzte Laufzeit packen.

Trotz dieser kleineren Fehltritte findet House of Ninjas zunehmend zu sich, je tiefer die Serie in die Vergangenheit der Tawaras und die wahre Natur der Bedrohungen eintaucht, denen sie sich stellen müssen. Dass sich Yosuke Tsujioke als Hauptantagonist entpuppt, gehört zu den eindrucksvollsten Momenten: Die Enthüllung führt offene Fäden auf eine Weise zusammen, die überrascht und zugleich unausweichlich erscheint.

Inhaltlich geht es in House of Ninjas um die komplexen Bande einer Familie und um das Vermächtnis, das sie weiterträgt. Die Tawaras verbindet ihre gemeinsame Geschichte, zugleich lastet auf ihnen die Erwartung, als Nachfahren von Hattori Hanzō bestimmten Vorstellungen gerecht zu werden. Doch sie sind auch Individuen, die in einer Welt, die sie nicht immer versteht oder akzeptiert, ihren eigenen Weg finden wollen.

In vielerlei Hinsicht wirkt House of Ninjas wie eine Liebeserklärung an klassische Ninja-Filme. Zugleich unterläuft die Serie Erwartungen und entwickelt das Genre weiter. Sie dürfte Fans von Actiondramen ansprechen, hat aber auch für Zuschauerinnen und Zuschauer etwas zu bieten, die Familiensagas und figurengetriebene Erzählungen mögen. Die Mischung aus Humor, Romantik und brutalen Kampfszenen macht sie zu einem besonderen Neuzugang im Netflix-Angebot, der sich in einem immer dichter besetzten Markt behauptet.

House of Ninjas verpasst dem Ninja-Genre einen frischen Anstrich und verbindet Action, Drama und schwarzen Humor mit großer Sicherheit. Die Serie verleugnet ihre Wurzeln nicht, scheut sich aber auch nicht davor, Neues auszuprobieren.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Schlagwörter: , , , , ,

Fügen Sie uns bei Google hinzu

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.