Die Geheimnisse kleiner Städte und die Traumata der Vergangenheit sind ein fruchtbarer Boden für Fernsehfiktion, und Playing Gracie Darling, das heute weltweit auf Netflix Premiere feiert, verspricht, dem Genre eine neue Ebene übernatürlicher Unruhe hinzuzufügen. Nach ihrer Erstausstrahlung im australischen Fernsehen erreicht dieser sechsteilige Psychothriller nun ein internationales Publikum und wirft eine beunruhigende Frage auf: Was passiert, wenn Kinderspiele etwas Reales heraufbeschwören?
Die Prämisse der Serie entführt uns in eine Gemeinschaft, die von einer ungelösten Tragödie gezeichnet ist. Vor siebenundzwanzig Jahren verschwand Gracie Darling in einer Nacht, die eigentlich Teenager-Spielen gewidmet sein sollte, spurlos inmitten einer Séance. Das Ereignis traumatisierte nicht nur ihre beste Freundin Joni Gray, sondern wurde zu einer lokalen Legende, die den Namen des verschwundenen Mädchens in ein verbotenes Ritual für neue Generationen verwandelte: „Playing Gracie Darling“.
Die Geschichte beginnt in der Gegenwart, als Joni (gespielt von der Neuseeländerin Morgana O’Reilly), inzwischen Kinderpsychologin, gezwungen ist, in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Der Auslöser ist so vertraut wie erschreckend: Ein anderes Mädchen ist unter Umständen verschwunden, die fast exakt die Ereignisse jener schicksalhaften Nacht widerspiegeln. Ihre Rückkehr ist nicht nur eine Suche nach polizeilichen Antworten, sondern eine direkte Konfrontation mit den Geistern – metaphorisch und vielleicht auch wörtlich –, die sie hinter sich zu lassen versuchte.
Kreiert und geschrieben von Miranda Nation, wird die Serie als eine Mischung aus Kriminaldrama und okkultem Mysterium beschrieben. Die Regie der sechs Episoden führt Jonathan Brough (Rosehaven, The End), der versucht hat, die Erzählung mit einer dichten und beklemmenden Atmosphäre zu durchdringen, indem er die australischen Landschaften nutzt, um zu suggerieren, dass die Umgebung selbst die Erinnerung an das Geschehene bewahrt.
Die Besetzung ist eine der Stärken dieser Produktion. Neben O’Reilly, deren Darstellung der Joni der emotionale Anker der Geschichte zu sein verspricht, wartet die Serie mit der Anwesenheit der gefeierten britischen Schauspielerin Harriet Walter (Succession, Killing Eve) in der Rolle der Pattie auf. Rudi Dharmalingam (The Lazarus Project) vervollständigt das Haupttrio als Jay, der örtliche Sergeant, der zwischen der Logik der polizeilichen Ermittlungen und den wachsenden Gerüchten navigieren muss, dass etwas Unerklärliches in der Stadt vor sich geht.
Jenseits des Whodunnit (Wer hat es getan?) scheint Playing Gracie Darling daran interessiert zu sein, zu erforschen, wie sich Trauer in einer Gemeinschaft festsetzt und wie die Vergangenheit dazu neigt, sich zu wiederholen, wenn sie nicht aufgearbeitet wird. Mit der Ankunft im Netflix-Katalog haben die Zuschauer die Gelegenheit zu entdecken, ob Joni endlich die Wahrheit darüber entwirren kann, was ihrer Freundin zugestoßen ist, oder ob das Spiel in Wirklichkeit nie zu Ende war.
‚Playing Gracie Darling‘ ist ab dem 1. Dezember auf Netflix verfügbar.

