Kino

Bong Joon-ho enthüllt Animationsfilm Ally für weltweiten Kinostart 2027

Bong Joon-ho hat den Titel bestätigt, ein erstes Bild veröffentlicht und das vollständige Kreativteam seines Debüt-Animationsfilms Ally bekanntgegeben. Der Film, der sich seit 2019 in der Entwicklung befindet, wird im ersten Halbjahr 2027 fertiggestellt und ist für einen weltweiten Kinostart im selben Jahr vorgesehen.
Molly Se-kyung

Der Film folgt Ally, einem Ferkelkalmar, der in den unerforschten Tiefen des Südpazifiks lebt und davon träumt, die Oberfläche zu erreichen und zum Star einer Naturdokumentation zu werden. Als ein mysteriöses Flugzeug in ihre Welt versinkt, wird sie gemeinsam mit einer ungleichen Gruppe von Gefährten auf eine Reise nach oben getrieben. Bong schrieb das Drehbuch gemeinsam mit Jason Yu, dem Regisseur des koreanischen Horrorfilms Sleep (2023), und setzt damit seine bewährte Praxis fort, mit jüngeren koreanischen Autoren zusammenzuarbeiten — bei Parasite war es Han Jin Won.

Das Kreativteam vereint Talente aus 12 Ländern. Animationssupervisor Jae Hyung Kim bringt Erfahrungen aus Toy Story 4 und Alles steht Kopf mit. Produktionssupervisor David Lipman kommt aus der Shrek-Franchise. Produktionsdesigner Marcin Jakubowski arbeitete an Klaus. DNEG, das britische Effektunternehmen hinter Inception und Dune, verantwortet die 3D-Animation. Marco Beltrami, der bereits Bongs Snowpiercer vertonte, kehrt als Komponist zurück. Werner Herzog gehört zum bestätigten Sprechcast. Die Produktion liegt bei Barunson C&C, Seo Woo-sik produziert in seiner dritten Zusammenarbeit mit Bong nach Mother und Okja.

Die Finanzierung teilen sich CJ ENM, Penture Invest und Pathé. Pathé übernimmt den Verleih in Frankreich, Benelux, der Schweiz und Westafrika und verantwortet den internationalen Vertrieb für alle Territorien außer Japan, China, Hongkong und Taiwan — diese Märkte betreuen CJ und Penture direkt, gemeinsam mit Südkorea, Vietnam, der Türkei und Indonesien. Die verbleibenden Territorien dürften auf dem Marché du Film in Cannes im Mittelpunkt der Verhandlungen stehen.

Bong begann die Entwicklung des Projekts 2019, inspiriert durch das Fotoband The Deep: The Extraordinary Creatures of the Abyss der Meeresbiologin Claire Nouvian. Das gesamte Storyboard zeichnete er — seiner Gewohnheit entsprechend — von Hand, und arbeitete an den Sequenzen in Hotelzimmern während des Festivalbetriebs und der Pressetour zu Mickey 17. Gegenüber Deadline beschrieb er den Produktionsprozess als „einen sehr wilden und harten Job.“

In Deutschland genießt Bong Joon-ho eine Reputation, die weit über den Erfolg von Parasite hinausgeht. Der deutsche Kinomarkt — einer der größten der Welt — hat koreanisches Autorenkino seit Jahren aufmerksam verfolgt, von den Retrospektiven auf den großen Festivals bis zur regulären Kinoauswertung. Ally stellt dennoch eine andere Herausforderung dar: kein gesellschaftskritisches Genrefilm für ein cinephiles Publikum, sondern ein Familienanimationsfilm mit breitem kommerziellem Anspruch. Für den deutschen Markt, in dem Animationsfilme aus dem Hause Pixar oder Studio Ghibli ein kultiviertes Familienpublikum ansprechen, ist die Frage naheliegend, ob Bongs Autorenhandschrift im Animationsformat trägt — und ob sein Name als Zuschauermagneten für Familien funktioniert.

Das koreanische Kino hat sich seit dem Triumph von Parasite bei den Oscars 2020 auch in deutschen Sälen einen festen Platz erarbeitet. Ally markiert einen anderen Schritt: eine internationale Koproduktion im Animationsbereich, konzipiert für ein weltweites Familienpublikum im Kino. Gelingt der Film, wird er belegen, dass eine koreanische Autorenmarke jenseits des Festivalbetriebs funktioniert — in einem der kommerziell verlässlichsten Segmente des globalen Kinomarkts.

Ally soll seine Produktion Anfang 2027 abschließen. Ein weltweiter Kinostart ist für später im selben Jahr bestätigt, mit einer Vertriebsstruktur, die die wichtigsten Märkte bereits abdeckt.

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.

```
?>