Kino

Eat Pray Bark auf Netflix weiß genau, warum du einen Hund hast

Fünf Deutsche fahren in die Alpen, um ihre Tiere zu erziehen. Die Tiere brauchen keine Erziehung.
Veronica Loop

Es gibt eine Komödie, die das deutsche Kinopublikum sofort erkennt, ohne dass sie erklärt werden muss: die Geschichte vom Menschen, der sein Problem beharrlich woanders verortet. Die Tradition, die von Lessing über Tucholsky bis zu den vielgestaltigen Figuren des Ensemblefilms reicht, kennt diesen Typus seit Jahrhunderten — jemanden, der nicht sehen kann, was das Publikum vom ersten Moment an sieht. Eat Pray Bark, die Netflix-Komödie von Marco Petry, die seit dem 1. April auf der Plattform abrufbar ist, arbeitet genau auf diesem Terrain. Fünf Hundehalterinnen und Hundehalter fahren in die Tiroler Alpen, damit ein Trainer ihren Tieren beibringt, sich zu benehmen. Die Tiere verhalten sich einwandfrei.

Das eigentliche Komödienmotiv ist nicht der Hund. Es ist der Abstand zwischen dem, was jede Figur zu beheben glaubt, und dem, was das Publikum von Anfang an versteht: dass diese Figur das Problem selbst ist. Urschi ist eine Politikerin, die ihre schwierige Hündin Brenda als Imageprojekt adoptiert hat — das Tier gefällt ihr nicht, hat ihr nie gefallen, aber die Verwaltung öffentlicher Wahrnehmung erfordert seinen Besitz. Das Ehepaar Ziggy und Helmut führt seit Jahren seinen Ehestreit über einen verwöhnten Yorkshire-Terrier namens Gaga, als könnte der Hund das absorbieren, was die Ehe nicht anzusprechen bereit ist. Hakan wird als verschlossen beschrieben, sein Malinois Roxy als unsicher: die Symmetrie dieser beiden Adjektive über die Artgrenze hinweg ist die präziseste Beobachtung in allem bisher vorliegenden Vorgabematerial. Babs erscheint mit einem Rottweiler, dessen Energie exakt eine Energie in ihr widerspiegelt, die ebenfalls jegliches Behältnis überläuft.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Standard. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen

Was Eat Pray Bark in einem Atemzug von seiner Zeit und seiner eigenen Kultur spricht, ist die besondere Konstellation dieses Landes mit dem Hundetraining als Massenphänomen. Martin Rütter hat in Deutschland etwas geschaffen, das kein anderes europäisches Land in dieser Form kennt: einen Hundeerzieher, der zum Medienstar wurde, weil sein eigentlicher Satz lautet, dass er in seinen Hundeschulen nicht die Hunde trainiere, sondern die Menschen. Diese Botschaft hat Millionen Deutsche erreicht, zunächst als VOX-Sendung, dann als Live-Tour mit Zuschauermengen, die Komödianten beneiden. Eat Pray Bark ist, ob gewollt oder nicht, die fiktionale Verlängerung dieser Kultur: der Film, der zeigt, was passiert, wenn fünf Personen zu jemandem wie Rütter fahren und sich immer noch weigern zu begreifen, um wen es wirklich geht. Die eine deutsche Kritik, die den Vergleich bereits gezogen hat, trifft den Kern: das Publikum für diesen Film kauft jährlich Millionen von Ratgebern und zahlt für Hundetraining, weil es lieber das Tier umkrempeln möchte als sich selbst.

Darin liegt der entscheidende Unterschied zwischen dem, was Eat Pray Bark hätte sein können, und dem, was er ist. Maren Ades Toni Erdmann (2016) nutzte eine strukturell verwandte Diagnose — den Graben zwischen dem vorgeführten Selbst und dem, was darunter liegt — für eine Komödie, die diesen Graben nicht schließt, sondern so lange offenhält, bis er unerträglich ist. Die Nacktparty-Szene, die Whitney-Houston-Szene: Momente, in denen das Lachen nicht mehr von der Qual zu unterscheiden ist, weil Ade ihrer Figur keine Ausflucht lässt. Eat Pray Bark nimmt dieselbe Beobachtung und schließt sie früher, wärmer, gefälliger. Das ist keine Schwäche per se — es ist eine andere Entscheidung, ein anderer Filmauftrag. Aber für ein deutsches Publikum, das inzwischen weiß, wozu sein eigenes Kino fähig ist, wenn es sich den Unbehagen stellt, ist die Frage: Warum weicht dieser Film aus, wenn das Motiv für etwas Schärferes reif wäre?

Alexandra Maria Lara trägt als Urschi die zentrale Traglast des Films. Ihre Karriere — Der Untergang, The Reader, Rush — hat sie als Darstellerin historischer Schwere etabliert, aber spätere Auftritte in Liebesdings und Chantal im Märchenland zeigen eine Bereitschaft zum Registerwechsel, die der Film einfordert. Ihr spezifisches Werkzeug ist die Präzision: Die Komödie, die sie erzeugt, entsteht nicht durch Übertreibung, sondern durch das beharrliche Aufrechterhalten von Kontrolle in Momenten, die Kontrolle unmöglich machen. Eine Politikerin, die ihren Hund als PR-Instrument einsetzte, steckt jetzt in einer Situation, in der kein Pressebüro mehr helfen kann. Der Film muss ihr genug Zeit in diesem Schwebezustand lassen — den Augenblick, bevor das Gefüge bricht — damit das komödiantische und emotionale Gewicht dieser Szene trägt. Frühe deutsche Rezensionen sind wohlwollend, aber von jener besonderen Wärme, die oft einsetzt, wenn ein Film die Dinge zu schnell auflöst.

Devid Striesow kennt das deutsche Kino in einer Weise, die man mit dem Wort Tiefenkenntnis beschreiben muss. Von der Ernst-Busch-Hochschule, aus demselben Abschlussjahrgang wie Nina Hoss, durch Jahrzehnte im Theater und Film — Die Fälscher, Im Westen nichts Neues, unzählige Fernseharbeiten — bringt er als Helmut eine komödiantische Technik mit, die das deutsche Ensemblefilm-Kino selten in dieser Dichte einsetzt: das Gesicht, das widerspricht, bevor die Stimme es tut. Als zankfreudiger Ehemann in einem Paar, das seinen Hund als Streitpuffer benutzt, sitzt er auf der richtigen Frequenz dieses Films. Rúrik Gíslason wiederum — isländischer Fußballprofi, Let’s Dance-Gewinner 2021, bis dato ohne nennenswerte Schauspielkarriere — spielt den Trainer in seiner dritten Sprache. Der sekundäre Witz, den sein Casting einführt, ist vom Drehbuch unabhängig: jemand, der zu physisch makellos ist, um ein verlässlicher Guru zu sein, der das Deutsche mit der sichtbaren Sorgfalt navigiert, die zeigt, dass jeder Satz auch eine technische Leistung ist — und dabei Autorität ausstrahlt, die der Film still untergräbt. Alexandra Maria Lara sagte öffentlich, er habe den Schutz, den sie anzubieten bereit gewesen wäre, schlicht nicht gebraucht.

Das Drehbuch trägt drei Namen: Marco Petry, Jane Ainscough und Hortense Ullrich. Ainscoughs Anwesenheit ist für das Verständnis dieses Films besonders aufschlussreich, weil sie Faraway (2023) geschrieben hat — ebenfalls eine Netflix-Komödie von Olga Film, mit denselben Produzentinnen Viola Jäger und Marina Schiller —, in der eine unzufriedene Frau nach Kroatien flieht und dort durch Umgebungswechsel zur Selbsterkenntnis gelangt. Eat Pray Bark ist die Multiplizierung dieser Prämisse: fünf Figuren statt einer, Österreich statt Kroatien, Hunde als zusätzlicher struktureller Mechanismus. Eine deutsche Kritik hält es für denkbar, dass der Film bei Erfolg eine Fortsetzung produziert. Das ist die präziseste Aussage über seinen Ambitionshorizont.

Eat Pray Bark
Eat Pray Bark. Netflix

Eat Pray Bark — Therapie auf 4 Pfoten läuft seit dem 1. April 2026 exklusiv auf Netflix. Regie führte Marco Petry nach einem Drehbuch von Petry, Ainscough und Ullrich. Produziert wurde der Film von Viola Jäger und Marina Schiller bei Olga Film, einem Unternehmen der Constantin Film AG. Gedreht wurde in Seefeld in Tirol, Kamera Marc Achenbach.

Was der Film sich selbst nicht sagen kann — und was er auch dem Zuschauer nicht direkt sagen kann — liegt knapp unterhalb seiner Wärme. Der Hund in Eat Pray Bark absorbiert Gefühlsarbeit, die der Mensch neben ihm nicht leisten kann: den Abstand zwischen der öffentlichen Persona der Politikerin und ihrer privaten Gleichgültigkeit gegenüber dem Tier, den Ehekonflikt, der in einen Terrier ausgelagert wurde, das Misstrauen des verschlossenen Mannes, das sich ohne Worte dem Tier mitgeteilt hat, das ihm am nächsten lebt. Der Film zeigt das alles. Was er nicht sagen kann: dass die Erkenntnis am Ende des Camps auch eine Aufführung ist. Dass die Gruppe, die aufgeklärter in ihre jeweiligen Städte zurückfährt, jetzt Aufgeklärtheit spielt. Dass dieses Spiel ebenfalls eine Form der Ausweichung ist. Dass die Hunde — der unsichere Malinois, der überbordende Rottweiler, der verwöhnte Terrier — nicht nur Spiegel sind. Sie sind Zeugen. Und Zeugen reparieren nicht, was sie spiegeln.

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.

```
?>