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Hard Days: Wie ein Cop in Paranoia und Schuldgefühlen versinkt

Veronica Loop
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Die Eröffnungsszene von Hard Days ist ein Lehrstück in Sachen Spannung: Detective Yuji Kudo, gespielt von Junichi Okada, weicht mit seinem Wagen einem Fußgänger aus und erfasst dabei einen anderen Mann. Der Aufprall kommt plötzlich und ist brutal. Die Kamera verweilt bei den Folgen des Unfalls – auf dem regennassen Asphalt, dem zuckenden Körper und dem entsetzten Gesicht des Polizisten – und gibt damit den düsteren, unerbittlichen Ton des Films vor.

Regisseur Michihito Fujii führt sein Publikum mit diesem Thriller unaufhaltsam in eine Spirale der Paranoia. Nachdem Kudo auf dem Weg zu seiner im Krankenhaus liegenden Mutter versehentlich einen Mann überfahren hat, gerät er in Panik und vertuscht mit Hilfe seiner korrupten Kollegen das Verbrechen. Doch als ein anonymer Zeuge beginnt, ihm Drohungen zu schicken, geraten Kud​os sorgfältig konstruierten Lügen ins Wanken. Der Film lebt von seiner klaustrophobischen Atmosphäre, die Fujii mit akribischer Regiearbeit erzeugt. Lange Einstellungen, enge Bildausschnitte und ein düsterer Soundtrack verstärken das Gefühl des Unheils – besonders in den Szenen, in denen Kudo seinen Briefkasten kontrolliert oder ans Telefon geht. Jeder dieser Momente ist von der Möglichkeit geprägt, dass alles auffliegt.

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Die Besetzung überzeugt mit starken Leistungen, allen voran Okada, der Kud​os moralischen Verfall mit subtiler Körpersprache vermittelt: an seiner gebeugten Haltung und daran, wie er Blickkontakt vermeidet. Go Ayano spielt den Polizistenkollegen Takayuki Yazaki als wirkungsvollen Gegenpol und strahlt in jeder Szene eine leise Bedrohlichkeit aus. Ryoko Hirosue verleiht als Kud​os Frau Misako der Geschichte emotionale Tiefe, auch wenn ihre Figur zu wenig Raum bekommt.

Allerdings schwächelt Hard Days bei Tempo und Dramaturgie. Mit einer Laufzeit von zwei Stunden wirkt der Film überladen, vor allem im Mittelteil, wenn sich die Aufklärung des Rätsels ohne genügend Schwung dahinschleppt. Die Nebenhandlung um den anonymen Zeugen ist zwar reizvoll, bleibt aber oberflächlich; dessen Beweggründe sind bis zu einer abrupten Enthüllung unklar, die die Glaubwürdigkeit strapaziert. Fujiis Vorliebe für regennasse Bilder und angespannte Stille nutzt sich ab, und manche Actionsequenzen – etwa ein Schusswechsel in einem Parkhaus – sind mit steifer Choreografie inszeniert.

Seine größte Stärke ist die Eigenständigkeit des Films. Zwar bedient er sich großzügig bei klassischen Polizeithrillern wie Memories of Murder, doch Fujii erzählt die Geschichte aus einer unverkennbar japanischen Perspektive auf Korruption und Schuld. Das Ende ist zwar vorhersehbar, entfaltet dank Okadas engagiertem Spiel aber dennoch emotionale Wirkung.

Hard Days ist ein fehlerhafter, aber mitreißender Thriller, der Fans spannender Kriminaldramen zufriedenstellen dürfte. Der Film richtet sich an alle, die psychologische Spannung bevorzugen, die sich langsam aufbaut, statt auf explosive Actionszenen zu setzen. Auch wenn Fujii das Genre nicht neu erfindet, heben seine Regie und Okadas Darstellung den Film über den Durchschnitt hinaus.

Besonders bemerkenswert ist, wie der Film Schuld und moralischen Verfall auslotet. Kud​os innerer Konflikt ist greifbar, und sein Ringen mit den eigenen Taten verleiht der Erzählung zusätzliche Tiefe. Auch die Nebenbesetzung trägt mit soliden Leistungen zur rauen Atmosphäre des Films bei, darunter Hayato Isomura als Hajime Oda und Tetta Sugimoto als Mikio Awashima.

Die Probleme mit dem Erzähltempo lassen sich allerdings nicht übersehen. Der Mittelteil zieht sich, und manche Szenen – etwa Kud​os Begegnungen mit seinen Vorgesetzten – geraten ins Stocken, ohne nennenswert Spannung oder neue Erkenntnisse zu schaffen. Die Nebenhandlung um den anonymen Zeugen ist zwar reizvoll, aber schlecht ausgearbeitet: Dessen Beweggründe werden nie wirklich ergründet, sodass die Enthüllung unbefriedigend ausfällt.

Visuell bietet Hard Days ein gemischtes Bild. Fujii erzeugt mit langen Einstellungen und engen Bildausschnitten eine beklemmende Atmosphäre, die gut zur Geschichte passt. Die übermäßige Konzentration auf regennasse Bilder wirkt jedoch bald repetitiv, und manche Actionsequenzen sind steif choreografiert. Der düstere Soundtrack ist mitunter zu aufdringlich und nimmt der Spannung eher, als dass er sie verstärkt.

Seine Eigenständigkeit verdankt der Film der Auseinandersetzung mit Korruption innerhalb der Polizei. Fujii verleiht der Geschichte eine unverkennbar japanische Perspektive und macht die kulturellen Besonderheiten im Umgang mit Schuld und Wiedergutmachung sichtbar. Das unterscheidet Hard Days von anderen Kriminalthrillern und gibt der Erzählung zusätzliche Tiefe.

Unterm Strich ist Hard Days ein fehlerhafter, aber mitreißender Thriller, der Fans spannender Kriminaldramen zufriedenstellen dürfte. Auch wenn der Film das Genre nicht neu erfindet, heben Fujiis Regie und Okadas Darstellung ihn über den Durchschnitt hinaus.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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