Kino

Netflix erweitert das Gangster-Universum von Brotherhood mit „Brotherhood: Angstzustand“

Der eigenständige Thriller aus Brasilien stürzt São Paulo ins Chaos und verbindet harte Action mit moralischen Grenzfragen
Veronica Loop

Netflix treibt den Ausbau seines brasilianischen Erfolgsfranchise voran und präsentiert mit Brotherhood: Angstzustand den ersten Kinofilm-Ableger der Serie Brotherhood. Der Thriller ist bewusst als eigenständige Geschichte konzipiert und entfaltet von der ersten Minute an enorme Wucht: Nach der Entführung der Tochter eines inhaftierten Gangbosses versinkt São Paulo in einer Welle aus Gewalt, Angst und Machtspielen.

Der Film ist auch ohne Serienkenntnisse zugänglich. Nachdem die führenden Köpfe der kriminellen Organisation überraschend in Hochsicherheitsgefängnisse verlegt werden, gerät das Machtgefüge ins Wanken. Als Vergeltung ruft das Syndikat einen stadtweiten „Angstzustand“ aus. Auslöser ist die Entführung der 18-jährigen Elisa, Tochter des berüchtigten Anführers Edson. Während ihre Tante Cristina, eine idealistische Anwältin mit engen Verbindungen zur Unterwelt, verzweifelt versucht, sie zu retten, lähmen koordinierte Angriffe auf die Polizei das öffentliche Leben der Metropole.

State of Fear
State of Fear. Salve Geral – Irmandade. (L to R) Naruna Costa as Cristina, Ênio Sá Cavalcante  as Anselmo in Salve Geral – Irmandade. Cr. Courtesy of Netflix © 2026

Brotherhood: Angstzustand setzt auf einen rauen, kompromisslosen Ton. Der Film verbindet klassisches Crime-Drama mit der Intensität eines Actionthrillers und erzeugt eine dichte, fast klaustrophobische Atmosphäre. Regisseur Pedro Morelli, der bereits die Serie geschaffen hat, treibt das Tempo hoch und stellt seine Figuren vor unbequeme Fragen: Wo endet Gerechtigkeit und wo beginnt Rache? Und kann Gewalt jemals Sicherheit schaffen? Trotz der hohen Spannung bleibt die Geschichte klar fokussiert und funktioniert als abgeschlossenes Filmerlebnis.

Hinter dem Projekt steht O2 Filmes, das brasilianische Studio hinter City of God, was dem Film zusätzliche cineastische Glaubwürdigkeit verleiht. Als erster brasilianischer Netflix-Spin-off-Film markiert Brotherhood: Angstzustand einen wichtigen Schritt in der Strategie des Streamers, erfolgreiche lokale Stoffe in größere, international anschlussfähige Erzählwelten zu überführen.

Auch die Besetzung schlägt eine Brücke zwischen Bekanntem und Neuem. Naruna Costa kehrt als Cristina zurück, eine Anwältin, die zwischen Moral und Loyalität zerrieben wird. Camilla Damião übernimmt eine zentrale Rolle als Elisa, gefangen zwischen der brutalen Vergangenheit ihrer Familie und einer ungewissen Zukunft. Musiker und Schauspieler Seu Jorge ist erneut als Edson zu sehen, flankiert von weiteren bekannten Gesichtern des brasilianischen Kinos, die dem Film zusätzliche Authentizität verleihen.

Der Stoff greift reale Ängste auf. Der ausgerufene „Angstzustand“ erinnert an tatsächliche Strategien organisierter Kriminalität, mit denen Städte in Ausnahmezustände versetzt wurden. Auch wenn kein konkretes Ereignis nacherzählt wird, spiegelt der Film gesellschaftliche Spannungen wider und zeigt die verschwimmenden Grenzen zwischen staatlicher Ordnung und krimineller Macht – ein lokaler Kontext mit universeller Wirkung.

Mit Brotherhood: Angstzustand setzt Netflix seine Internationalisierungsstrategie konsequent fort. Nach weltweiten Erfolgen nicht-englischsprachiger Serien und Filme vertraut der Streamingdienst erneut darauf, dass eine stark verankerte brasilianische Geschichte mit Themen wie Macht, Familie und Überleben ein globales Publikum fesseln kann.

Der Film startet am 11. Februar.

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