Kino

The Singers jetzt auf Netflix: Oscar-nominierter Kurzfilm begeistert mit Musik und Emotion

Ein intensives Kneipen-Drama von Sam A. Davis verbindet Gesangswettstreit mit einer berührenden Geschichte über Stolz und Verletzlichkeit.
Martha O'Hara

Mit The Singers erweitert Netflix sein preisgekröntes Portfolio um einen Oscar-nominierten Kurzfilm, der bereits als Geheimtipp der Awards-Saison gehandelt wird. Die 17-minütige Produktion vereint musikalische Energie mit emotionaler Tiefe und zeigt eindrucksvoll, wie kraftvoll kurze Formate im Streaming-Zeitalter sein können. Für Filmfans und Serienliebhaber gleichermaßen zählt The Singers zu den spannendsten Neuerscheinungen im aktuellen Netflix-Programm.

Im Mittelpunkt steht eine unscheinbare Bar in einer Kleinstadt. Eine Gruppe müder Stammgäste beschließt, ihre Spannungen nicht mit Fäusten, sondern mit Liedern auszutragen. Aus einem spontanen Gesangswettbewerb entwickelt sich ein intensiver Schlagabtausch, bei dem verborgene Sehnsüchte, Unsicherheiten und persönliche Geschichten ans Licht kommen. Der Film nutzt Musik als verbindendes Element – als Ventil für Gefühle, die im Alltag oft unausgesprochen bleiben. Humorvolle Rivalität geht dabei nahtlos in berührende Momente über.

Regie führte Sam A. Davis, der sich von einer Erzählung des russischen Autors Ivan Turgenev inspirieren ließ. The Singers wurde in der Kategorie „Bester Kurzfilm (Live Action)“ für den Oscar nominiert und gilt als einer der bemerkenswertesten Beiträge seines Jahrgangs. Mit der Veröffentlichung auf Netflix erreicht die Produktion nun ein weltweites Publikum.

The Singers - Netflix
The Singers – Courtesy of Netflix

Die Geschichte spielt an einem gewöhnlichen Abend, der sich unerwartet in einen emotionalen Ausnahmezustand verwandelt. Zwischen Biergläsern und Neonlicht entsteht ein musikalischer Wettbewerb, der weit mehr offenlegt als nur stimmliches Talent. Der Ton des Films balanciert geschickt zwischen Komödie und Melancholie. Dabei bricht er mit gängigen Klischees männlicher Härte und zeigt Männer, die durch Musik Zugang zu ihren Gefühlen finden. In nur 17 Minuten entsteht so ein intimes Porträt über Gemeinschaft, Stolz und Menschlichkeit.

Für Sam A. Davis ist es nicht der erste Erfolg bei der Academy. Bereits mit dem Dokumentar-Kurzfilm Period. End of Sentence. gewann er einen Oscar. Als kreative Inspirationsquelle diente ihm unter anderem das Buch A Swim in a Pond in the Rain des Schriftstellers George Saunders, das klassische russische Literatur neu interpretiert. Gedreht wurde auf 35-mm-Filmmaterial, um eine warme, authentische Bildsprache zu erzeugen. Die Gesangseinlagen entstanden live am Set – ein Detail, das dem Film eine besondere Intensität verleiht. Davis übernahm zudem Kamera und Schnitt selbst und prägte damit maßgeblich die visuelle Handschrift.

Auch das Casting setzt auf Authentizität. Statt etablierter Schauspieler wurden echte Sänger engagiert, viele von ihnen über soziale Medien entdeckt. Michael Young, besser bekannt als Mike Yung, erlangte durch seine Teilnahme an America’s Got Talent internationale Bekanntheit. Ebenfalls Teil des Ensembles ist Judah Kelly, Gewinner von The Voice Australia. Ihre musikalische Erfahrung verleiht dem Gesangswettbewerb eine rohe, glaubwürdige Dynamik.

Genregrenzen verschwimmen bewusst: The Singers ist zugleich Musical, Charakterstudie und leises Drama. Diese Mischung macht den Kurzfilm zu einer besonderen Entdeckung im Streaming-Angebot. Netflix unterstreicht mit dieser Veröffentlichung seine Ambitionen, nicht nur Serien und Blockbuster, sondern auch preisgekrönte Kurzformate prominent zu präsentieren.

Kulturell schlägt der Film eine Brücke zwischen literarischer Tradition und moderner Erzählweise. Obwohl die Vorlage aus dem 19. Jahrhundert stammt, wirkt die Geschichte universell. Themen wie Freundschaft, Rivalität und die verbindende Kraft der Musik sprechen Zuschauer weltweit an. Zugleich spiegelt die Entdeckung vieler Darsteller über Plattformen wie TikTok oder YouTube den digitalen Wandel wider – aus lokalen Talenten werden internationale Stimmen.

Der Weg von The Singers – vom Festivalerfolg über die Oscar-Nominierung bis zur weltweiten Streaming-Veröffentlichung – steht exemplarisch für die neue Bedeutung des Kurzfilms in der Filmindustrie. Premiere feierte der Film beim South by Southwest Festival im März 2025, nun ist er weltweit auf Netflix verfügbar.

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