Die Whitechapel Gallery widmet der Künstlerin und Pädagogin Senga Nengudi eine umfassende Archivausstellung, die seltene Einblicke in ihre interdisziplinäre Praxis gewährt. Die Präsentation umfasst Fotografien, Archivmaterialien und filmische Dokumentationen zentraler Performances. Nengudis Werk bewegt sich an der Schnittstelle von Skulptur, Choreografie und Performance und ist geprägt von der Auseinandersetzung mit afrikanischen, asiatischen und indigenen Kunstformen sowie Einflüssen aus dem Jazz.
Nengudi gilt als Schlüsselfigur der afroamerikanischen Avantgarde, die in den 1960er und 1970er Jahren in Los Angeles und New York durch radikale Experimente und kollektive Praktiken hervortrat. Die aktuelle Werkschau konzentriert sich auf eine entscheidende Phase ihrer künstlerischen Entwicklung, in der sie ihre Formensprache durch die Auseinandersetzung mit Bewegungen wie Fluxus und der Gutai-Gruppe sowie der Yoruba-Mythologie und dem japanischen Noh-Theater verfeinerte. Ihre skulpturalen Objekte, gefertigt aus Alltagsmaterialien wie Nylonstrümpfen, Sand, Steinen und Papier, sind darauf ausgelegt, durch choreografierte oder spontane Interaktionen aktiviert zu werden.
Ein zentraler Bestandteil der Ausstellung ist die Serie R.S.V.P., in der Nengudi erstmals Nylonstrumpfhosen als Primärmaterial verwendete. Die Künstlerin thematisiert darin die physischen Veränderungen des weiblichen Körpers nach einer Schwangerschaft sowie gesellschaftliche Schönheitsnormen. Die Elastizität und Dehnbarkeit des Materials dienen als formale Mittel, um Konzepte von Resilienz und Subversion zu untersuchen. In Zusammenarbeit mit der Choreografin Maren Hassinger wurden diese Skulpturen durch Bewegung in immersive Erfahrungsräume transformiert.
Neben der Dokumentation performativer Arbeiten wie Performance Piece zeigt die Ausstellung auch Werke aus der Serie Spirit Flags. Diese flaggenähnlichen Strukturen wurden ursprünglich im städtischen Außenraum installiert, um durch atmosphärische Einflüsse wie Wind und Regen in Bewegung versetzt zu werden. Diese Arbeiten verdeutlichen Nengudis Interesse an der Einwirkung externer Kräfte auf die materielle Form. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Film Air Propo, einer improvisierten Performance, bei der Nengudi Zirkularatmung einsetzte, um ihren eigenen Körper als Instrument in den künstlerischen Prozess zu integrieren.
Die Präsentation in der Whitechapel Gallery stellt die erste Einzelausstellung Nengudis in einer öffentlichen Londoner Institution dar. Durch die parallele Ausstellung einer Werkschau von Veronica Ryan wird zudem ein Dialog eröffnet, der Nengudis Einfluss auf nachfolgende Generationen bildender Künstlerinnen beleuchtet.
Ausstellungsdaten und Informationen
Die Ausstellung konzentriert sich auf Arbeiten aus dem Zeitraum von 1972 bis 1982. Zu den gezeigten Schlüsselwerken gehören die Spirit Flags (frühe 1970er Jahre), die Serie R.S.V.P. (ab 1976) sowie die dokumentierten Performances Performance Piece (1977), Performance with Inside Outside (1978) und Air Propo (1982).
Die Ausstellung Senga Nengudi ist vom 1. April bis zum 14. Juni 2026 in der Whitechapel Gallery (Galerie 5) zu sehen. Der allgemeine Eintritt zur Galerie ist frei; für Sonderausstellungen wird eine Gebühr erhoben. Die Galerie ist von Dienstag bis Sonntag zwischen 11:00 und 18:00 Uhr geöffnet, donnerstags bis 21:00 Uhr.





















