Musik

The Darts: Seattle-Garage-Rock trifft auf die Geheimnisse mittelalterlicher Wandteppiche

Mit der neuen Single „Apocalypse“ liefert das Quartett aus Seattle einen rohen Soundmix aus 60er-Jahre-Orgeln und modernem Fuzz-Gewitter.
Alice Lange

Die aus Seattle stammende Band The Darts sorgt mit ihrer neuesten Veröffentlichung „Apocalypse“ für Aufsehen und gibt einen spannenden Ausblick auf ihr kommendes Album Halloween Love Songs. Der Track markiert einen deutlichen stilistischen Wandel: Weg von der gewohnten B-Movie-Ästhetik früherer Werke, hin zu einer schwereren, fast schon urzeitlichen Klanglandschaft. Geprägt wird dieser neue Sound durch vulkanartige Fuzz-Gitarren und eine aggressive Rhythmik, die den Hörer unmittelbar in den Bann zieht.

Die inhaltliche Inspiration für diesen Song fand ihren Ursprung im französischen Angers. Dort besuchte die Sängerin und Organistin Nicole Laurenne den berühmten Wandteppich der Apokalypse. Die mittelalterliche Darstellung eines kosmischen Chaos – ein gewebtes Panorama aus Engeln, Bestien und gewaltigen Stürmen – schlug eine Brücke zu aktuellen gesellschaftlichen Empfindungen.

Anstatt diese düsteren Bilder jedoch als reines Untergangsszenario zu interpretieren, wählte die Band im Songwriting-Prozess einen anderen Ansatz: Die Zerstörung wird hier als Form der Befreiung begriffen. Die Texte kreisen um das Konzept der Freiheit von fremder Autorität und Unsicherheit, was in der Kernbotschaft „no future, no kings“ (keine Zukunft, keine Könige) seinen prägnantesten Ausdruck findet.

The Darts. Halloween Love Songs
The Darts. Halloween Love Songs

Musikalisch ist das Arrangement eine Hommage an die Traditionslinie des Garage-Rock der 1960er Jahre. Der Track setzt auf einen treibenden, unkomplizierten Beat und Orgel-Passagen, die an Legenden wie The Seeds oder The Standells erinnern und die rohe Atmosphäre einer wilden Blockparty heraufbeschwören.

Dieses Retro-Fundament wird durch einen modernen Gitarrensound ergänzt, der sich bei den dichten, schmutzigen Texturen von Mudhoney bedient und die kompromisslose Energie von L7 oder Bikini Kill widerspiegelt. Die Band selbst bezeichnet das Ergebnis als Garage-Rock mit einem „gesprungenen Heiligenschein“, bei dem sich eingängige Melodien ihren Weg durch massive Verzerrung bahnen müssen.

Bereits vor der offiziellen Veröffentlichung wurde das Stück ausgiebig live erprobt und hat sich fest im Bühnenprogramm der Band etabliert. Die Single fungiert als Bindeglied zur düstereren zweiten Hälfte des neuen Longplayers. Es zeigt eine Formation, die die Grenzen ihres Genres mutig erweitert und sich in Richtung eines deutlich schwereren und zugleich euphorischeren Sounds entwickelt.

Das neue Album wird offiziell im kommenden März erwartet.

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