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The Manny: Wie ein Rancher moderne Elternschaft neu definiert

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Sandra Echeverrías Jimena steht kurz vor dem Nervenzusammenbruch: Ihre drei Kinder wirbeln wie ein Tornado durchs Haus, während sie versucht, sie für die Schule aus der Tür zu bekommen und sich gleichzeitig auf ein wichtiges Meeting bei der Arbeit vorbereitet. Die Szene ist eine Lehrstunde in kontrolliertem Chaos und ein schmerzlich realistischer Einblick in den Alltag moderner Eltern. Dann kommt Iván Amozurrutias Gabriel ins Spiel: ein Rancher mit einem Herz aus Gold und Händen, die wie geschaffen dafür scheinen, ungestüme Kinder zu bändigen. Diese Eröffnung setzt den Ton für The Manny, Netflix‚ jüngstes Comedy-Angebot, das sich an eine gewagte Frage heranwagt: Was passiert, wenn man jedes Klischee über Fürsorge, Geschlechterrollen und Liebe infrage stellt?

Im Kern ist The Manny eine Serie über das Aufbrechen von Erwartungen und Normen – und letztlich auch der gängigen Vorstellung davon, was es heute heißt, sich um andere zu kümmern. Jimena, von Echeverría mit einer perfekten Mischung aus Verzweiflung und Entschlossenheit gespielt, ist mit ihrer Kraft am Ende. Als erfolgreiche Managerin versucht sie, ihr Berufsleben auf Kurs zu halten, während sie im täglichen Chaos des Alleinerziehens unterzugehen droht. Als sie Gabriel engagiert – einen kernigen Rancher, der kein Blatt vor den Mund nimmt –, soll er als Ersatz-Nanny in der Not einspringen. Jimena rechnet mit einer schnellen Lösung. Stattdessen muss sie sich schonungslos mit ihren eigenen Vorurteilen und festgefahrenen Vorstellungen auseinandersetzen.

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Amozurrutias Gabriel ist eine echte Entdeckung. Er ist kein Kindermädchen wie aus dem Bilderbuch – von Rüschenschürze und säuselnder Babysprache keine Spur. Stattdessen bringt er einen pragmatischen Zugang zur Fürsorge mit, der Jimena immer wieder herausfordert. Seine Begegnungen mit den Kindern gehören zu den Höhepunkten der Serie und sind voller echter Herzlichkeit und Humor. Besonders in Erinnerung bleibt die Szene, in der Gabriel Jimenas Jüngstem zeigt, wie man mithilfe eines Gürtels ein Spielzeugpferd sattelt. Sie macht deutlich, wie gut Amozurrutia Härte und Zärtlichkeit miteinander verbindet.

Auch die Nebenfiguren sind hervorragend besetzt. Diana Bovio spielt Brenda, Jimenas beste Freundin und Vertraute, sorgt für dringend benötigte komische Auflockerung und ist zugleich eine wichtige Gesprächspartnerin für Jimena. Alexander Tavizón verleiht Santiago, Jimenas Ex-Mann, zusätzliche Komplexität und zwingt sie, sich mit ihrer Vergangenheit und den Entscheidungen auseinanderzusetzen, die sie dorthin gebracht haben, wo sie heute steht.

Besonders gelungen ist der Blick der Serie auf Geschlechterrollen und gesellschaftliche Erwartungen. Sie stellt unbequeme Fragen dazu, warum wir bestimmte Aufgaben von vornherein als „männlich“ oder „weiblich“ einordnen – ohne dabei in schwerfällige Belehrungen zu verfallen. Stattdessen lässt The Manny diese Themen ganz natürlich aus den Begegnungen und Erlebnissen der Figuren hervorgehen.

Ganz frei von Schwächen ist The Manny allerdings nicht. Das Erzähltempo schwankt: Manche Folgen wirken gehetzt, andere ziehen sich zu lange hin. Die romantische Spannung zwischen Jimena und Gabriel ist zwar unterhaltsam, erscheint aber gelegentlich konstruiert – als wolle die Serie unbedingt einem vertrauten Muster folgen, statt ihren eigenen Weg zu finden.

Auch mit dem Tonfall tut sich die Serie bisweilen schwer. Mitunter setzt sie zu stark auf breit angelegte Komik und schwächt damit die ernsteren Themen, denen sie sich widmen möchte. Diese abrupten Tonwechsel können irritieren und es erschweren, sich ganz auf die Figuren und ihre Entwicklung einzulassen. Das Drehbuch ist insgesamt überzeugend, greift aber gelegentlich auf Klischees und vorhersehbare Wendungen zurück.

Trotz dieser Mängel bietet The Manny genug echte komische und berührende Momente, um sehenswert zu sein. Die Auseinandersetzung mit Elternschaft, Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Erwartungen ist aktuell und relevant, auch wenn die Umsetzung nicht immer makellos gelingt. Die Darstellungen von Echeverría und Amozurrutia gehören zu den großen Stärken der Serie: Ihre Chemie und ihre nuancierte Figurenzeichnung heben das Material auf ein höheres Niveau.

Vergleiche mit anderen komödiantischen Familiendramen wie This Is Us oder Modern Family liegen nahe. Doch The Manny findet eine eigene Nische, indem die Serie gezielt die Herausforderungen Alleinerziehender und die gesellschaftlichen Erwartungen in den Blick nimmt, die damit einhergehen. Sie dürfte allen aus der Seele sprechen, die schon einmal versucht haben, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen – oder sich dafür verurteilt fühlten, nicht in eine ordentliche Schublade zu passen.

Im Genre der Comedy ist The Manny eine solide Ergänzung. Das Rad wird nicht neu erfunden, vertraute Themen erhalten aber einen frischen Dreh. Der Humor sorgt oft für lautes Lachen, die gefühlvollen Momente berühren wirklich. An Genre-Klassiker wie Parks and Recreation oder The Office, denen die Verbindung von Komik und Drama nahezu perfekt gelang, reicht die Serie allerdings nicht heran.

Letztlich will The Manny hoch hinaus, landet aber nicht ganz sicher. Die Serie erzählt charmant und oft witzig von den Dynamiken moderner Familien, findet bei Tonfall und Erzähltempo jedoch nicht immer ihren Rhythmus. Die Darstellungen überzeugen, die Themen sind aktuell – die Umsetzung bleibt bisweilen unausgewogen.

Wer eine Serie sucht, die zum Lachen und Nachdenken bringt und vielleicht sogar die eine oder andere Träne hervorlockt, sollte The Manny eine Chance geben.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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