Fernsehen

Obliterated: Action, Exzess und Chaos nach einer durchzechten Nacht

Alice Lange
Fügen Sie uns bei Google hinzu

Die Auftaktszene von Obliterated ist ein Rausch aus Neonlicht und Chaos: Ein Team einer Spezialeinheit taumelt nach einem Einsatz in Las Vegas nach draußen. Das Adrenalin pumpt noch durch ihre Adern, und sie sind bereit zu feiern. Die Kamera verweilt auf geröteten Augen und klirrenden Gläsern – so gibt die Serie den Ton für ihre Mischung aus Action, Komödie und Drama vor.

Die Macher Jon Hurwitz, Hayden Schlossberg und Josh Heald, bekannt durch Cobra Kai, verbinden in Obliterated riskante Militäreinsätze mit ausgelassenem Partytrubel. Die Ausgangslage ist einfach: Ein Eliteteam vereitelt in Sin City einen Terroranschlag und lässt es anschließend bei einer durchzechten Nacht krachen. Doch als die Mitglieder feststellen, dass die entschärfte Bombe nur eine Attrappe war, beginnt der eigentliche Spaß: Sie müssen das Böse bekämpfen und gleichzeitig einen höllischen Kater überstehen.

YouTube Video

Was hier funktioniert, ist die schiere Energie der Serie. Das Ensemble, angeführt von Shelley Hennig als Teamleiterin Ava Winters und Nick Zano als Navy SEAL Chad McKnight, überzeugt mit spürbarer Chemie. Auch Terrence Terrell und Paola Lázaro stechen hervor: Mit Momenten echter Kameradschaft geben sie dem absurden Geschehen Bodenhaftung. Las Vegas wird wirkungsvoll in Szene gesetzt; neonbeleuchtete Bilder fangen sowohl den Glamour als auch die raue Seite der Stadt ein.

Auch beim komödiantischen Timing punktet die Serie. Szenen wie die psychedelischen Halluzinationen von Paul Yung (Eugene Kim), ausgelöst durch Zauberpilze, sind visuell einfallsreich und urkomisch. Jason Mantzoukas’ Stimme als Zogg, der Kobold aus Pauls Vorstellung, setzt dem Ganzen noch eine zusätzliche Portion Absurdität auf, die perfekt zündet.

Allerdings gerät Obliterated beim Erzähltempo und beim Wechsel zwischen den Tonlagen ins Straucheln. Der Sprung von hochintensiver Action zu Slapstick kann abrupt wirken, und in einigen Folgen gelingt es nicht, beides überzeugend auszubalancieren. Zudem fehlt es der Serie an Figurenzeichnung: Viele Teammitglieder bleiben Karikaturen, statt zu glaubwürdigen Charakteren zu werden. Auch die Handlung wird mitunter vorhersehbar; manche Wendungen wirken eher konstruiert als verdient.

Dass die Serie nach nur einer Staffel abgesetzt wurde, ist schade, denn die Grundidee und die Besetzung bieten eindeutig Potenzial. Mit mehr Zeit hätte die Serie ihre Figuren vertiefen und die ungewöhnliche Mischung der Genres besser ausarbeiten können.

Bei der Inszenierung bringen Hurwitz, Schlossberg und Heald ihren unverkennbaren Stil in Obliterated ein und verbinden temporeiche Action mit scharfem Witz. Die Serie profitiert von ihrer Erfahrung mit Komödie und Drama und schafft Momente, die ebenso aufregend wie urkomisch sind. Gelegentlich wirkt die Regie jedoch unausgewogen; manche Szenen sind weniger ausgefeilt als andere.

Im Verlauf der Serie geht es immer wieder um Kameradschaft und die Folgen des Exzesses. Der Zusammenhalt des Teams wird nicht nur durch äußere Bedrohungen auf die Probe gestellt, sondern auch durch das eigene rücksichtslose Verhalten. Diese Spannung verleiht der Handlung zusätzliche Tiefe, auch wenn sie nicht immer konsequent entwickelt wird.

Obliterated dürfte Fans von Actionkomödien wie 21 Jump Street und Bad Trip ansprechen. Wer eine anspruchslose, adrenalingeladene Binge-Session sucht, kommt hier auf seine Kosten. Wer sich dagegen eine tiefere Auseinandersetzung mit den Figuren oder ein nuancierteres Drehbuch wünscht, könnte enttäuscht werden.

Auch die Nebenbesetzung ist ein Pluspunkt: Costa Ronin überzeugt als finsterer Waffenhändler Ivan Koslov, Jason Mantzoukas leiht Zogg seine Stimme. Beide verleihen ihren Rollen eine zusätzliche Mischung aus Charme und Bedrohlichkeit und werten damit das Material auf.

Was ihre Originalität angeht, besetzt Obliterated eine eigene Nische. Die Verbindung von Action, Komödie und Drama ist nicht völlig neu, doch die konkrete Ausgestaltung hebt die Serie von anderen ab. Die Kombination aus riskanten Militäroperationen und der chaotischen Energie einer Nacht in Las Vegas sorgt für eine erfrischende Wendung.

Allerdings wird die Originalität der Serie durch ihre Abhängigkeit von vertrauten Genreklischees etwas geschmälert. Die Geschichte eines Teams auf Mission wurde schon oft erzählt, und Obliterated bringt nicht immer genug Neues mit, um ihre Existenz zu rechtfertigen. Der Humor funktioniert häufig, wirkt stellenweise aber abgeleitet und setzt zu stark auf altbekannte Gags.

Auch in Sachen Genre ist Obliterated ein gemischtes Angebot. Als Actionkomödie mit Dramaelementen bewegt sich die Serie zwischen mehreren Genres und ist dabei unterschiedlich erfolgreich. Die Actionszenen sind gut choreografiert und mitreißend, doch die Komödie übertönt bisweilen das Drama – mit abrupten Tonwechseln als Folge.

Auch das Erzähltempo bereitet der Serie Probleme. Einige Folgen wirken gehetzt: Handlungspunkte werden zu schnell aufgelöst oder die Entwicklung der Figuren bleibt auf der Strecke. Andere Episoden ziehen sich und verweilen bei Szenen, die der Handlung nicht immer dienen. Durch dieses schwankende Tempo findet die Serie nur schwer ihren Rhythmus.

Trotz dieser Schwächen hat Obliterated Momente echter Brillanz. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern ist unbestreitbar, und ihre Leistungen verleihen der ansonsten absurden Ausgangslage eine glaubwürdige Note. Bewundernswert ist auch, dass die Serie Risiken eingeht: Sie verbindet Genres, experimentiert mit den Tonlagen und lotet Grenzen aus.

Die Absetzung nach nur einer Staffel ist enttäuschend, denn Obliterated hätte sich zu etwas ganz Besonderem entwickeln können. Mit mehr Zeit hätten die Macher das Gleichgewicht zwischen den Tonlagen verfeinern, die Figuren tiefgründiger gestalten und die Erzählstruktur schärfen können. So bleibt die Serie ein vielversprechendes, aber unausgereiftes Experiment.

Unterm Strich ist Obliterated ein wilder Ritt, der die Landung nicht ganz schafft. Fans von Actionkomödien dürften an der Serie Gefallen finden: Sie bietet eine ungewöhnliche Mischung aus Genres und ein talentiertes Ensemble.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Schlagwörter: , , , ,

Fügen Sie uns bei Google hinzu

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.