Filmkritiken

Murder Mubarak: Pankaj Tripathi glänzt im Chaos des Delhi-Clubs

Alice Lange
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Das schwere Langhantelgewicht kracht auf Leo Matthews’ Nacken – doch in „Murder Mubarak“ ist es das Gewicht des Verdachts, das Regisseur Homi Adajania spürbar machen will. Der Netflix-Mysterythriller basiert auf Anuja Chauhans Roman „Club You To Death“ und schickt eine bunt zusammengewürfelte Truppe aus der Delhi-Elite in einen Whodunit, der ebenso klaustrophobisch wie camp ist.

Der Royal Delhi Club mit seinem britisch-kolonialen Nachhall und seinen absurd reichen Mitgliedern ist eine wahre Fundgrube für schwarzen Humor. Pankaj Tripathi ragt als Polizeikommissar Bhavani Singh heraus: Der gewiefte Ermittler navigiert mit Straßeninstinkt und trockenem Humor durch dieses Labyrinth aus Lügen. In seinen Szenen – etwa wenn er Akash „Kaashi“ Dogra, gespielt von Vijay Varma, oder Rannvijay Singh, gespielt von Sanjay Kapoor, verhört – findet der Film seinen Rhythmus und hält Absurdität und echte Spannung in der Schwebe. Tripathis Darstellung ist ein Lehrstück in Zurückhaltung: Sein ausdrucksstarkes Gesicht und sein bedächtiger Vortrag machen Bhavani Singh zum Mittelpunkt des Films.

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Das Ensemble ist eine Stärke des Films: Alle Darsteller spielen gerade so genüsslich überzeichnet, dass ihre Figuren im Gedächtnis bleiben. Sara Ali Khan verleiht Bambi Todi eine Verletzlichkeit, die den Film erdet; ihre großäugige Unschuld prallt reizvoll auf die abgeklärte Aristokratie des Clubs. Dimple Kapadia stiehlt als Cookie Katoch mit ihrem scharfen Witz und ihrem unverhohlenen Alkoholismus jede Szene, in der sie auftritt – eine Rolle wie für sie gemacht. Karisma Kapoors Shehnaz Noorani erinnert mit ihrem Charme und ihrer Gerissenheit wunderbar an ihre Rolle als Heist-Queen der 90er-Jahre.

Doch „Murder Mubarak“ gerät ins Straucheln, wenn der Film zu viele Nebenhandlungen unter einen Hut bringen will. Die Liebesgeschichte zwischen Bambi und Akash wirkt überstürzt, ihre Chemie bleibt im Vergleich zu den anderen Beziehungen im Film unterentwickelt. Die Wendung um die Kleptomanie von Bambis verstorbenem Mann fügt unnötig Komplexität hinzu und bremst die Dynamik, die das zentrale Rätsel aufgebaut hat.

Adajanias Regie ist solide, aber wenig bemerkenswert. Die zwar ausgefeilte Kameraarbeit entwickelt keinen eigenen visuellen Stil und setzt auf statische Einstellungen und gedämpfte Farben, die der Lebendigkeit der Vorlage nicht gerecht werden. Die Filmmusik greift allzu sehr auf generische Thriller-Muster zurück: Synthesizerlastige Akzente unterstreichen jede Enthüllung, als handele es sich um eine billige Parodie.

Am stärksten ist der Film in seinen komischen Momenten, besonders im Zusammenspiel der Clubmitglieder. Tisca Chopra liefert als Roshni Batra eine herausragende Leistung: Die wirren Monologe und die Prahlerei ihrer Figur sorgen für einige der denkwürdigsten Zeilen des Films. Suhail Nayyar bringt als Yash Batra rohe Energie in seine Rolle. Seine Darstellung eines Drogensüchtigen, der mit dem Entzug kämpft, verleiht der Absurdität einen Hauch von Wirklichkeit.

Allerdings fällt es „Murder Mubarak“ schwer, Satire und Spannung im Gleichgewicht zu halten. Im zweiten Akt gerät das Tempo ins Stocken; wiederholte Verhöre ziehen sich hin und verschwimmen miteinander. Die Auflösung, wer der Mörder ist, ist zwar zufriedenstellend, kommt aber überstürzt und ohne den nötigen Vorlauf, um wirklich Wirkung zu entfalten.

Inhaltlich setzt sich „Murder Mubarak“ mit Klassenverhältnissen und dem Niedergang der indischen Elite auseinander, doch diese Themen werden oft von den komödiantischen Elementen überlagert. Am schärfsten ist die Satire, wenn sie sich auf die Besessenheit der Clubmitglieder vom britischen Kolonialismus konzentriert – ein Thema, das im heutigen Indien stark nachhallt.

Im Vergleich zu anderen jüngeren indischen Mysterythrillern bleibt „Murder Mubarak“ hinter dem Niveau von Filmen wie „Drishyam 2“ zurück. Zwar teilt der Film mit ihnen das Ensemble und den makaber-komischen Ton, doch ihm fehlen das straffe Drehbuch und die emotionale Tiefe, die jene Filme ausgezeichnet haben.

Besonders bemerkenswert ist, wie der Film die Klassenverhältnisse beleuchtet. Der Royal Delhi Club steht stellvertretend für die indische Elite: Reichtum und Privilegien schirmen seine Mitglieder vor den Folgen ihres Handelns ab. Die Clubmitglieder werden mit einer Mischung aus Humor und Verachtung gezeichnet, die sowohl die Absurdität ihrer Ansprüche als auch den moralischen Verfall unter der Oberfläche offenlegt.

Auch Sucht und psychische Gesundheit spielen eine Rolle, insbesondere in den Figuren Yash Batra und Bambi Todi. Yashs Kampf gegen die Drogensucht wird einfühlsam dargestellt: Statt auf Klischees zu setzen, zeichnet der Film das nuancierte Bild eines Mannes, der gegen seine Dämonen ankämpft. Bambis Kleptomanie hingegen dient eher als Handlungselement denn als Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit psychischer Gesundheit – eine verpasste Chance, die Figur stärker auszuarbeiten.

Auch Delhi als Schauplatz verleiht der Geschichte eine zusätzliche Ebene. Die Geschichte und die kulturelle Prägung der Stadt sind in die Handlung eingeflochten und bilden einen vielschichtigen Hintergrund. Mit seiner britisch-kolonialen Architektur und den elitären Mitgliedern steht der Royal Delhi Club in starkem Kontrast zur lebendigen, chaotischen Realität des heutigen Delhi.

„Murder Mubarak“ dürfte Fans schwarzer Komödien und spannender Krimis ansprechen. Das Ensemble überzeugt mit starken Leistungen, und die Auseinandersetzung mit Klassenverhältnissen und Sucht verleiht der unterhaltsamen Handlung zusätzliche Tiefe. Probleme mit dem Erzähltempo und der wenig eigenständige visuelle Stil verhindern jedoch, dass der Film sein volles Potenzial ausschöpft.

Letztlich ist „Murder Mubarak“ ein gemischtes Vergnügen: Unterhaltsam, wenn der Film sich ganz auf seinen campen Charme einlässt, frustrierend, sobald er sich in der eigenen Handlung verheddert.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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