Filmkritiken

No Hard Feelings: Vielversprechende Prämisse, doch der Ton bleibt unsicher

Veronica Loop
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Schon die Eröffnungsszene von No Hard Feelings gibt mit ihrer chaotischen Energie den Ton vor: Maddie Barker, gespielt von Jennifer Lawrence, jagt nur mit einem Handtuch bekleidet einem Auto voller betrunkener Teenager hinterher, die gerade ihre Kleidung gestohlen haben. Der Moment verspricht derben, ungefilterten Humor. Doch Gene Stupnitskys Film schlägt bald leisere Töne an – und erweist sich letztlich als weniger überzeugend, als es die Prämisse erwarten lässt.

No Hard Feelings erzählt von Maddie, einer 32-jährigen Uber-Fahrerin und Barkeeperin in Montauk im Bundesstaat New York, der wegen nicht gezahlter Grundsteuern der Verlust ihres Elternhauses droht. In ihrer Geldnot meldet sie sich auf eine ungewöhnliche Anzeige bei Craigslist: Die wohlhabenden Helikopter-Eltern Allison (Laura Benanti) und Laird Becker (Matthew Broderick) suchen jemanden, der mit ihrem introvertierten, 19-jährigen Sohn Percy (Andrew Barth Feldman) ausgeht, bevor er sein Studium an der Princeton University beginnt. Für den Auftrag winken 20.000 Dollar – ein verlockendes Angebot für Maddie, die in Schulden untergeht.

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Die Prämisse des Films ist zweifellos reizvoll und verbindet Elemente schwarzer Komödie, Romanze und Gesellschaftssatire. Stupnitskys Regie wirkt jedoch häufig unentschlossen, als könne sich der Film nicht entscheiden, ob er seinen derberen Impulsen freien Lauf lassen oder lieber auf Nummer sicher gehen und auf Gefühl setzen soll. Dieses Schwanken im Ton ist wohl die größte Schwäche des Films: Eine durchgehend eigene Stimme findet er nur schwer.

Seine größten Stärken spielt No Hard Feelings bei den Darstellerinnen und Darstellern aus, allen voran bei Jennifer Lawrence. Als Maddie verbindet Lawrence ihren typischen Charme mit Verletzlichkeit und scharfem Witz. Sie trägt den Film mühelos und verleiht selbst den absurdesten Momenten eine nachvollziehbare Menschlichkeit. Auch die Chemie zwischen ihr und Andrew Barth Feldman, der Percy spielt, überzeugt. Feldmans Darstellung des sozial unbeholfenen Percy ist überraschend nuanciert: Er bringt dessen Unschuld und Unsicherheit zum Ausdruck, ohne die Figur zur Karikatur werden zu lassen.

Die Beziehung zwischen Lawrence und Feldman bildet das emotionale Zentrum von No Hard Feelings. Ihre gemeinsamen Szenen – ob sie nackt im Meer baden oder den Abschlussball nachspielen – sind das Herzstück des Films. Inmitten des Klamauks blitzen darin Momente echter Verbundenheit auf; hier findet der Film zu sich.

Das Drehbuch von Gene Stupnitsky und John Phillips setzt dagegen häufig auf Gags, die nicht immer zünden. Der abrupte Wechsel zwischen derbem Humor und aufrichtiger Romantik kann irritieren und lässt das Publikum bisweilen ratlos zurück, was für einen Filmabend es eigentlich erwartet. Szenen wie Percys stressbedingter Angst-Ausschlag oder Maddies nackte Verfolgungsjagd durch eine Vorstadtstraße sollen komisch wirken. Ihre Wirkung verpufft jedoch, weil sich der Film weder ganz auf die Komödie noch auf das Drama einlassen will.

Auch die Nebenbesetzung liefert solide Leistungen, wird aber oft zugunsten von Lawrence und Feldman an den Rand gedrängt. Laura Benanti und Matthew Broderick spielen Percys überfürsorgliche Eltern mit einer Mischung aus komödiantischer Überzeichnung und echter Zuneigung. Natalie Morales sorgt als Maddies Freundin Sara für einige der pointiertesten komischen Momente des Films. Leider bleiben diese Figuren unterbeschäftigt, sodass ihr Potenzial kaum zur Entfaltung kommt.

Visuell ist No Hard Feelings solide, aber wenig bemerkenswert. Stupnitskys Inszenierung setzt stark auf Lawrences ausdrucksstarkes Gesicht und die landschaftliche Schönheit von Montauk im Bundesstaat New York. Herausragende Einstellungen oder ungewöhnliche Bildkompositionen, die dem Stoff zusätzlichen Glanz verleihen würden, gibt es jedoch kaum. Die Kameraarbeit erfüllt ihren Zweck, ihr fehlt aber der visuelle Einfallsreichtum, der den Film von anderen Komödien dieses Genres hätte abheben können.

Inhaltlich streift No Hard Feelings interessante Fragen zu Klassenunterschieden, Elternschaft und dem Druck, dem junge Erwachsene ausgesetzt sind. Diese Themen werden jedoch oft zugunsten vertrauter Muster der romantischen Komödie nur oberflächlich behandelt. Die Auseinandersetzung mit Helikopter-Eltern und der Ernüchterung der Millennials hat Potenzial, bleibt letztlich aber unausgereift.

Im Vergleich zu anderen Filmen des Genres bleibt No Hard Feelings hinter der pointierten Satire von The Other Woman und der gefühlvollen Romanze von Crazy, Stupid, Love zurück. Der Film hat durchaus Momente mit echtem Witz und Charme, doch ihm fehlen die Konsequenz und die Tiefe, die ihn aus der Masse herausheben könnten.

Letztlich ist No Hard Feelings dank Lawrences mitreißender Darstellung mehr als die Summe seiner Teile. Der Film stolpert bei dem Versuch, zugleich derb und gefühlvoll zu sein, findet aber zu seiner Stärke zurück, wenn er sich auf die unwahrscheinliche Freundschaft im Zentrum der Geschichte konzentriert. Wer eine clevere Satire oder eine Komödie ohne Atempause erwartet, ist hier falsch.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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