Musik

NMIXX legt mit ‚Heavy Serenade‘ eine sechs Songs starke EP nach, die mixxpop in härteres und raueres Terrain zieht

Die neue EP der JYP-Entertainment-Gruppe wählt eine einzige Spielart aus ihrem polymorphen Katalog und steht dazu
Alice Lange

NMIXX hat ‚Heavy Serenade‘ veröffentlicht, eine EP mit sechs Songs, deren Name die Richtung deutlicher anzeigt, als es bei der JYP-Entertainment-Gruppe sonst üblich ist. Das Signal steckt im Titel selbst — schwerere Texturen, eine in rauere Gefilde gezogene Serenade, eine Band, die ihre Laufbahn mit dem Mischen von Registern verbracht hat und sich diesmal entscheidet, auf eines davon zu zeigen.

Das ist die redaktionelle Prämisse, unter der NMIXX seit dem Debüt arbeitet: eine bewusst polymorphe Identität, vom Label selbst als ‚mixxpop‘ etikettiert, die der Gruppe erlaubt, zwischen hellem Pop, Vocal-Showcases und härteren Mid-Tempos hin- und herzuspringen, ohne sich irgendwo festzulegen. ‚Heavy Serenade‘ wirkt weniger wie ein Bruch mit dieser Idee als wie ihre Verlängerung — eines der Register wählen, es ein Stück weiter treiben als üblich und der nächsten Veröffentlichung den Raum lassen, in eine andere Richtung zu kippen.

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Der Kontext dieser Entscheidung ist wichtig. Im aktuellen K-Pop-Klima haben andere Acts der vierten Generation die jüngste Phase damit verbracht, auszutesten, wie weit sich der Sound einer Mainstream-Girlgroup dehnen lässt. Manche neigten sich dem Hyperpop und PC-Music-nahen Texturen zu; andere kehrten zu Retropop oder City-Pop-Pastiche zurück. NMIXX‘ Zug hin zu schwereren Sounds verortet die Gruppe auf einem anderen Vektor — näher an der Tradition, die K-Pop-Labels historisch den Boygroups vorbehalten haben und die weibliche Acts nur unstet aufgegriffen haben.

Die Länge von sechs Songs ist Teil der Aussage. EPs im K-Pop-Format laufen meist mit vier oder fünf Songs; bei sechs zu landen gibt dem Projekt Raum, sich auf eine Stimmung festzulegen, ohne sich auf das Konzept eines kompletten Albums festzulegen. Ein mittelgroßes Werk — substanziell genug, um als kohärente Veröffentlichung zu registrieren, kompakt genug, dass kein einzelner Song das Gewicht der gesamten Kampagne tragen muss.

Die frühe Resonanz folgt dem Verlauf, den die EP-Projekte von NMIXX gewöhnlich zeichnen. Die Listener-Zahlen auf Last.fm sind im Eröffnungsfenster bereits in den niedrigen fünfstelligen Bereich vorgerückt, die Playcounts liegen schon im siebenstelligen Bereich — passend zu einer etablierten Gruppe, deren Fanbase neue Veröffentlichungen schnell konvertiert. Die Spotify-Verfügbarkeit war im frühen Fenster begrenzt, was einen Teil des Hör-Traffics zu YouTube verschoben hat, wo der offizielle Audio-Upload bereits den hohen fünfstelligen Bereich der Aufrufe überschritten hat.

Die Veröffentlichung ist auf die Märkte ausgerichtet, in denen NMIXX die stärksten engagierten Audiences hat — Korea zuerst, dann Japan, die englischsprachigen Territorien sowie die lateinamerikanische und westeuropäische K-Pop-Szene, die sich für das JYP-Roster zu verlässlichen Märkten der zweiten Ebene entwickelt haben. Ein groß angelegter Promo-Zyklus ist nicht angehängt, was sich so lesen lässt, dass das Label ‚Heavy Serenade‘ als Katalog-bauenden Release behandelt und nicht als Einzelevent.

Ob die EP zu einem Wendepunkt oder zu einer Zwischenstation im Katalog von NMIXX wird, hängt davon ab, was danach kommt. Als eigenständige Aussage liest sich ‚Heavy Serenade‘ klar: eine Bestätigung, dass das klangliche Terrain der Gruppe offen auch die schwerere Seite des Spektrums umfasst, und eine offene Einladung an das nächste Projekt, sich von dort aus weiter zu strecken.

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