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Every Year After bei Prime Video erzählt eine erste Liebe über die Jahre, die Percy und Sam getrennt verbringen

Martha Lucas

Zwei Menschen lernen sich mit dreizehn am Ufer eines Sees in Ontario kennen und kommen sich über sechs Sommer so nah, dass Worte fast überflüssig werden. Dann verstummen die Worte ganz. Every Year After beginnt nicht in dem hellen Sommer, den das Publikum noch einmal erleben möchte, sondern in der langen Stille danach, wenn einer der beiden an einen Ort zurückkehrt, der nur mit dem anderen darin Sinn ergab.

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Diese Entscheidung — mit dem Danach zu beginnen und nicht mit dem Davor — ist die ganze Serie im Kleinen. Percy Fraser und Sam Florek bekommen keine Liebesgeschichte, die geradlinig ansteigt. Sie bekommen Sommer, dann eine Lücke von Jahren, dann eine Rückkehr, ausgelöst durch einen Verlust, und die Erzählung springt unablässig zwischen den beiden Zeitebenen, damit der Zuschauer die Jugendlichen und die Erwachsenen zugleich hält. Was wie Nostalgie aussieht, ähnelt eher einer Buchführung: Jeder warme Nachmittag im Seehaus misst zugleich, was das Schweigen später gekostet hat.

Die Vorlage ist Carley Fortunes Roman, und der Weg von ihrer Seite auf diesen Bildschirm ist das Interessanteste daran. Das Buch lebt fast vollständig in Percys Kopf: ihre Erinnerung, ihre Schuld, ihre Art, das Geschehene zu ordnen. Ein Ich-Roman trägt diese Innenwelt in einem einzigen Satz; eine Kamera hat keinen Ort dafür. Die eigentliche Aufgabe der Adaption ist es, eine intime Abrechnung nach außen zu kehren, ohne eine Stimme, die das Gefühl vorgibt — und dafür vertraut sie dem Schnitt. Die Jugendebene und die Erwachsenenebene antworten einander über den Schnitt, sodass die Wunde als Struktur ankommt und nicht als Kommentar.

Diese formale Wette trägt nur, wenn die Besetzung sie hält, denn die Serie verlangt von zwei Darstellerpaaren, sich als ein einziges zu lesen. Sadie Soverall und Matt Cornett spielen Percy und Sam alt genug, um einander wirklich verletzt zu haben, und jung genug, um daran noch zu zerbrechen. Sie müssen dieselbe Beziehung in zwei Registern zugleich lesbar machen: die schutzlose Fassung, die liebte, bevor sie die Folgen verstand, und die vorsichtige, gezeichnete Fassung, die gelernt hat, wie schwer diese Folgen wiegen. Soverall führte Fate: The Winx Saga an, Cornett kommt aus High School Musical: The Musical: The Series — beide stammen aus dem Young-Adult-Umfeld, das genau jene Leserschaft ist, die die Serie in Abonnenten verwandeln will.

Um das Paar herum weitet das Ensemble den See. Aurora Perrineau und Abigail Cowen geben Percy und Sam eine Welt jenseits ihrer Umlaufbahn; Elisha Cuthbert verankert die Familie Florek, deren Haus am Wasser der Schwerpunkt ist, zu dem alles zurückkehrt. Die Floreks sind der Grund, warum der Ort zählt, und auch der Grund, warum die Rückkehr wehtut. Die Gegenwartsebene wird durch einen Verlust in dieser Familie in Gang gesetzt, und die Serie nutzt die Trauer wie der Roman: nicht als Wendung, sondern als Kraft, die zwei Menschen, die nicht mehr miteinander sprachen, endlich in denselben Raum zwingt.

Die Verbindungsarbeit, die ein Roman mit einem Satz leistet, übernehmen hier Bild und Ton. Tom Howes Musik und das wechselnde Licht des Sees je nach Jahreszeit schlagen die Brücken zwischen den beiden Ebenen und reimen eine Geste aus einem Sommer auf ihr Echo Jahre später. Das ist ein Handwerk ohne Effekthascherei, das man nur bemerkt, wenn es versagt. Auch die Veröffentlichung am Stück zählt: Acht Folgen auf einmal lassen das Hin und Her zwischen Vergangenheit und Gegenwart sich aufstauen, ohne die wöchentlichen Pausen, die die Struktur erkalten ließen.

Worum es Every Year After am Ende geht, ist nicht, ob Percy und Sam zusammenkommen: Wer das Buch gelesen hat, kennt den Ausgang. Das eigentliche Thema ist, was ein Wiedersehen zurückgeben kann und was nicht. Man kann an den See zurück, in derselben Tür stehen, vom selben Steg schwimmen, im selben Haus schlafen. Was man nicht zurückbekommt, ist die Spanne von Jahren, in der jeder ein anderer war, und auch nicht die Fassung seiner selbst, die zu lieben vermochte, ohne den Preis schon zu kennen. Die Sommer waren nie ganz der Punkt. Es waren die Jahre danach.

Der Vergleich mit The Summer I Turned Pretty stimmt an der Oberfläche — der See, das Licht, das Dreieck, der Bestseller dahinter — verfehlt aber, was Fortune tut. Ihrer ist ein rückblickender Liebesroman, näher an Normal People und an One Day, in denen die Struktur selbst das Argument ist: Liebe gemessen nicht an der gemeinsamen Zeit, sondern an der Zeit getrennt. Und darunter läuft ein stiller Text: In solchen Geschichten ist der Ferienort der Ort, an dem Klasse und Zugehörigkeit verhandelt werden — wem das Seehaus gehört und wer es nur besucht.

Every Year After - Prime Video
Sadie Soverall as Percy Fraser, Matt Cornett as Sam Florek

Die größere Geschichte ist eine der Branche. Carley Fortune gehört zu einer Welle zeitgenössischer Liebesromanautorinnen, deren Leserinnen direkt zum Streaming-Publikum werden, und Prime Video baut genau diesen Trichter seit Jahren. Acht Folgen auf einmal, weltweit, zum Sommerbeginn, sind eine strategische Ansage. Bleibt die Frage, die die ganze Struktur stellen soll und zu schließen sich weigert: Wenn zwei Menschen einander einmal alles waren und Jahre des Schweigens sie zu Fremden machten — gehört das Gefühl ihnen noch, um es einzufordern, oder nur, um es zu betrauern?

Every Year After ist ein Amazon Original nach Carley Fortunes Roman Every Summer After, entwickelt von Amy B. Harris mit Leila Gerstein und inszeniert von Tara Nicole Weyr, Jeffrey W. Byrd und Gillian Robespierre. Die acht Folgen umfassende Staffel versammelt zudem Aurora Perrineau, Abigail Cowen, Michael Bradway, Joseph Chiu und Elisha Cuthbert, mit Musik von Tom Howe. Nach der Weltpremiere beim Tribeca Festival erscheinen alle acht Folgen am 10. Juni 2026 bei Prime Video in mehr als 240 Ländern und Gebieten.

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