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Saltburn: Glamouröser Abstieg in den moralischen Verfall

Alice Lange
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Die Eröffnungsszene von Saltburn (2023) verweilt auf einem verwitterten steinernen Engel: Die Flügel sind gebrochen, die Augenhöhlen leer – ein treffendes Sinnbild für das verdrehte Märchen von Regisseurin Emerald Fennell. In dieser britisch-amerikanischen schwarzen Thrillerkomödie, für die Fennell auch das Drehbuch schrieb, spielt Barry Keoghan den Stipendiaten Oliver Quick, der an der University of Oxford studiert und sich in den wohlhabenden Felix Catton (Jacob Elordi) verliebt. Der Film ist ein grotesker, bonbonfarbener Albtraum, dessen üppige Ästhetik einen fauligen Kern überdeckt.

Saltburn erzählt von Oliver, der sich durch die tückischen Gewässer der Oberschicht bewegt. Keoghans Darstellung ist ein Glanzstück: Mit beklemmender Präzision fängt er Olivers Verzweiflung und den Zerfall seiner Psyche ein. Seine Szenen sind von einer verstörenden Intensität, besonders wenn er lüstern Felix’ Badewasser trinkt – ein Moment, der ebenso verstörend wie rabenschwarz komisch ist. Fennells Regie ist kühn: Mit ausdrucksstarken Bildern und einer opulenten Filmmusik schafft sie eine surreale Atmosphäre, die scharf mit den düsteren Themen des Films kontrastiert.

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Die Handlung spielt 2006. Auch das Szenenbild von Saltburn ist ein Höhepunkt des Films: Das weitläufige Landhaus wird zu einer eigenen Figur. Die Pracht des Anwesens bildet einen starken Kontrast zu dem moralischen Verfall, der sich unter seiner Oberfläche verbirgt. Rosamund Pike überzeugt als Elspeth Catton, Felix’ Mutter, mit einer unheimlichen Ausstrahlung, die sie zugleich faszinierend und verstörend macht.

Die Auseinandersetzung mit Klasse und Besessenheit ist ein zentrales Thema und treibt die Handlung voran. Olivers Fixierung auf Felix und dessen Familie entspringt dem tief verwurzelten Wunsch, seiner bescheidenen Herkunft zu entkommen und auf der gesellschaftlichen Leiter aufzusteigen. Dieses Thema ist auch heute von großer Bedeutung, denn Fragen zu Klasse und Privilegien werden weiterhin kontrovers diskutiert.

Allerdings ist Saltburn nicht frei von Schwächen. Das Erzähltempo wirkt stellenweise unausgewogen: Manche Szenen ziehen sich, andere rasen vorbei. Zudem grenzt der Surrealismus des Films gelegentlich an Selbstverliebtheit, sodass seine beabsichtigte Aussage nicht immer klar zu erkennen ist. Die Darstellungen sind stark, doch einige Nebenfiguren, etwa Farleigh (Archie Madekwe), bleiben blass und wirken eher wie dramaturgische Mittel zum Zweck als wie voll ausgearbeitete Charaktere.

Der Höhepunkt des Films, angesiedelt auf einer ausschweifenden Geburtstagsfeier für Oliver, ist ein chaotischer Fiebertraum, in dem alle Themen der Geschichte zusammenlaufen. Das Heckenlabyrinth, in dem Felix sein Schicksal ereilt, ist ein besonders eindrückliches Bild: Es steht für die verschlungenen Wege von Olivers Besessenheit und den zerstörerischen Pfad, auf den sie ihn geführt hat.

Saltburn verlangt Aufmerksamkeit, auch wenn der Film sie nicht immer zu fesseln vermag. Fennells ambitionierte Vision mündet in einen Film, der visuell ebenso überwältigend wie erzählerisch unordentlich ist. Die Auseinandersetzung mit Klasse und Besessenheit ist aktuell und regt zum Nachdenken an, doch das schwankende Tempo und die gelegentliche Selbstverliebtheit hindern den Film daran, sein volles Potenzial auszuschöpfen.

Im Vergleich zu anderen Filmen desselben Genres sticht Saltburn durch seine kühne Regie und die eindrucksvollen Bilder hervor. Allerdings fehlen ihm der erzählerische Zusammenhalt und die Figurenentwicklung ähnlicher Filme wie The Talented Mr. Ripley. Dennoch hinterlässt Saltburn einen bleibenden Eindruck – und sei es allein durch seine schiere Dreistigkeit.

Saltburn ist nichts für schwache Nerven. Die Freigabe ab 17 Jahren in den USA und die verstörenden Themen machen den Film zu einer herausfordernden Seherfahrung, die sich für alle lohnt, die bis zum Ende dranbleiben. Die Auseinandersetzung mit Klasse und Besessenheit ist aktuell und regt zum Nachdenken an; die eindrucksvollen Bilder und starken Darstellungen machen den Film zu einem herausragenden Vertreter der schwarzen Thrillerkomödie.

Saltburn dürfte vor allem Zuschauerinnen und Zuschauer ansprechen, die Filme mögen, welche die Grenzen des konventionellen Erzählens ausloten. Der Surrealismus und die verstörenden Themen sind nicht jedermanns Sache, doch wer sich darauf einlässt, wird mit einem Kinoerlebnis belohnt, das visuell ebenso überwältigend wie gedankenanregend ist.

Saltburn verlangt Aufmerksamkeit, auch wenn der Film sie nicht immer zu fesseln vermag. Fennells ambitionierte Vision mündet in einen Film, der visuell ebenso überwältigend wie erzählerisch unordentlich ist. Die Auseinandersetzung mit Klasse und Besessenheit ist aktuell und regt zum Nachdenken an, doch das schwankende Tempo und die gelegentliche Selbstverliebtheit hindern den Film daran, sein volles Potenzial auszuschöpfen.

Letztlich hinterlässt Saltburn einen bleibenden Eindruck – und sei es allein durch seine schiere Dreistigkeit. Die eindrucksvollen Bilder, die starken Darstellungen und die kühne Regie machen den Film zu einem herausragenden Vertreter der schwarzen Thrillerkomödie, auch wenn erzählerische Schwächen verhindern, dass er sein volles Potenzial ausschöpft.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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