Filmkritiken

Kill Me If You Dare: Die schwarze Komödie verliert in der zweiten Hälfte den Faden

Martin Cid
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Als Natalia (Weronika Książkiewicz-Nathaniel) und Piotr Rozwadowski (Mateusz Banasiuk) entdecken, dass ihr Lottoschein gewonnen hat, verweilt die Kamera auf ihren Gesichtern – auf einer Mischung aus Schock, Euphorie und etwas Dunklerem. Genau das verspricht Kill Me If You Dare: eine schwarzhumorige Auseinandersetzung damit, wie Geld selbst die stabilsten Beziehungen ins Wanken bringen kann. Der Film von Filip Zylber ist eine polnische Romcom aus dem Jahr 2024 und ein Remake des türkischen Films Öldür Beni Sevgilim von 2019. Mit seiner ebenso zeitgemäßen wie zeitlosen Ausgangsidee kommt er zu Netflix.

In der ersten Hälfte hält Kill Me If You Dare, was die Prämisse verspricht: mit scharfem Witz und hohem Tempo. Wie die Rozwadowskis zunehmend einander misstrauen, ist gleichermaßen komisch und verstörend. Książkiewicz-Nathaniel und Banasiuk spielen sich die Bälle zu wie ein modernes Nick-und-Nora-Charles-Duo – allerdings mit deutlich finstereren Untertönen. In einer besonders gelungenen Szene versucht das Paar, einen Unfall vorzutäuschen, doch seine tollpatschigen Bemühungen münden in slapstickartigem Chaos. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmt spürbar, und ihre Leistungen tragen den Schwung des Films in der Anfangsphase.

In der zweiten Hälfte gerät der Film jedoch ins Straucheln. Die anfängliche Spannung und der Humor verpuffen; an ihre Stelle treten vorhersehbare Wendungen und wenig überzeugende Enthüllungen. Das Erzähltempo, zunächst eine der Stärken des Films, wird unausgewogen: Wichtige Momente wirken überhastet oder bleiben unausgereift. Ein Nebenstrang um Natalias Schwester Agata (Agnieszka Więdłocha) und Piotrs Freund Łukasz (Piotr Rogucki) trägt wenig zur Handlung bei und lenkt eher ab, als dass er die zentralen Themen sinnvoll vertieft.

Auch der Rückgriff auf vertraute Motive schmälert die Originalität des Films. Der Ansatz als schwarze Komödie wirkt zunächst frisch, mündet aber schnell in eine Reihe von Klischees. Der Soundtrack ist zwar nicht störend, verleiht den emotionalen Momenten jedoch keinen zusätzlichen Nachdruck und unterstützt auch das komödiantische Timing kaum. Die Kameraarbeit ist solide, bleibt aber ohne herausragende Momente, die der Erzählung einen besonderen visuellen Reiz hätten geben können.

Trotz dieser Schwächen hat Kill Me If You Dare seine Momente. Książkiewicz-Nathaniel und Banasiuk überzeugen durchgehend, selbst wenn das Drehbuch nachlässt. Sie können eine ganze Bandbreite an Gefühlen vermitteln – von echter Zuneigung bis zu eiskaltem Kalkül – und halten den Film damit sehenswert. Darüber hinaus greift der Film Themen wie Gier, Vertrauen und die zerstörerische Wirkung von Geld auf Beziehungen auf, die aktuell und relevant sind.

Auch die Nebenbesetzung, darunter Agnieszka Więdłocha als Agata und Piotr Rogucki als Łukasz, liefert solide Leistungen ab, wird letztlich aber zu wenig genutzt. Ihre Figuren wirken eindimensional und dienen eher als Mittel, um die Handlung voranzutreiben, denn als wirklich ausgearbeitete Charaktere. Das ist eine verpasste Chance, denn die Dynamik zwischen ihnen und den Hauptfiguren hätte der Geschichte mehr Tiefe verleihen können.

Zylbers Regie ist solide, lässt aber jene unverwechselbare Handschrift vermissen, die dem Stoff zusätzlichen Auftrieb hätte geben können. Der Humor stützt sich zu sehr auf breit ausgespielte Gags statt auf subtile, aus den Figuren heraus entstehende Komik. Besonders in der zweiten Hälfte fällt das unausgewogene Tempo auf: Der Film scheint auf sein Ende zuzueilen, ohne die Folgen seiner Ausgangsidee wirklich auszuloten.

Der Vergleich mit anderen schwarzen Komödien wie The Death of Stalin oder Game Night macht die Schwächen des Films deutlich. Während diese Filme Humor und Spannung präzise ausbalancieren, findet Kill Me If You Dare nicht zu diesem Gleichgewicht. Die Wechsel im Ton wirken abrupt statt fließend und lassen das Publikum ratlos zurück: Soll man lachen oder sich fremdschämen?

Genretechnisch bewegt sich Kill Me If You Dare zwischen Komödie und Romanze, schlägt sich aber nicht entschieden auf eine der beiden Seiten. Die romantischen Elemente wirken nachträglich eingefügt, während viele komische Momente verpuffen. Diese Unklarheit darüber, was für ein Film er sein möchte, schwächt seine Gesamtwirkung.

Die Themen des Films sind zweifellos relevant, gerade in einer Gesellschaft, in der finanzielle Unsicherheit für viele Menschen ein drängendes Problem ist. Die Umsetzung bleibt jedoch hinter den Möglichkeiten zurück. Die Auseinandersetzung mit Gier und Vertrauen hätte nuancierter ausfallen können – mit einer tiefergehenden Figurenentwicklung und durchdachteren Dialogen.

Fans schwarzer Komödien und romantischer Dramen finden in Kill Me If You Dare einige unterhaltsame Momente, doch insgesamt gelingt dem Film kein rundum überzeugendes Erlebnis. Seine Stärken liegen in den Hauptdarstellern und den zeitgemäßen Themen. Überschattet werden sie jedoch von den Tempoproblemen, den vorhersehbaren Wendungen und mangelnder Originalität.

Unterm Strich ist Kill Me If You Dare ein Film mit Licht und Schatten. Er beginnt mit einer überzeugenden Prämisse und starken schauspielerischen Leistungen, kann seinen Schwung in der zweiten Hälfte aber nicht halten.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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