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Infamy: Ein schonungsloses Porträt des Kulturkonflikts aus Sicht einer Jugendlichen

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Die Eröffnungsszene von Infamy trifft mitten ins Mark: Gita Burano, ein 17-jähriges Roma-Mädchen, steht vor dem Spiegel und fährt mit den Fingern die Kanten eines Hip-Hop-Mixtapes nach, das sie unter ihrem Shirt versteckt hat. Der Konflikt zwischen ihren Träumen und den erdrückenden Traditionen ihrer Familie ist vom ersten Bild an spürbar. Diese Szene bereitet den Boden für eine Serie, die sich ohne Umschweife mit den kulturellen Spannungen auseinandersetzt, denen Gita (Zofia Jastrzębska) begegnet. Sie träumt davon, Hip-Hop-Musikerin zu werden – trotz der strengen Regeln ihrer Familie.

Die von Gniewko Falana, Kuba Czekaj, Anna Maliszewska, Marek Serdiukow und Paulina Olszowy entwickelte Dramaserie Infamy erkundet die vielschichtigen Fragen von Identität und Rebellion. Gedreht wurde in Nowa Ruda, Wałbrzych und einem Roma-Dorf in Maszkowice. Das verleiht dem Schauplatz eine Authentizität, die zu den Stärken der Serie zählt, ihr gelegentlich aber auch zum Stolperstein wird.

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Was an Infamy am besten funktioniert, ist Jastrzębska in der Hauptrolle. Als Gita verkörpert sie mit unverstellter Intensität die Zerrissenheit einer Jugendlichen zwischen zwei Welten und gibt der Serie damit Halt. Ihre Szenen mit Sebastian Łach als ihrem Vater Marko Burano knistern vor familiärer Spannung; die Auseinandersetzungen zwischen den beiden wirken dadurch sehr persönlich. Jastrzębska gelingt es bemerkenswert gut, Gitas innere Konflikte sichtbar zu machen – und ihre Leistung ist durchweg das Highlight der Serie. Infamy erschien im September 2023 auf Netflix.

Auch die Kameraarbeit gehört zu den herausragenden Elementen von Infamy. Mit natürlichem Licht und starken Kontrasten unterstreicht die Serie Gitas Isolation – besonders in den Szenen, in denen sie sich in verlassene Gebäude zurückzieht, um Musik aufzunehmen. Diese Bilder sind eindringlich und besitzen eine raue, beinahe dokumentarische Anmutung, die die Authentizität des Schauplatzes zusätzlich verstärkt.

Schwächer wird Infamy, wenn die Serie ihre kulturelle Besonderheit mit einer größeren Publikumsnähe in Einklang bringen will. Mitunter verliert sie sich in Erklärungen zu Roma-Traditionen und familiären Verhältnissen, die allzu didaktisch wirken. Einige Nebenfiguren, etwa Kamil Piotrowskis Tagar oder Artur Dziurmans Stefan Burano, bleiben eindimensional und dienen eher als Mittel für die Handlung denn als glaubwürdig ausgearbeitete Figuren.

Auch das Erzähltempo gerät in den späteren Folgen ins Stocken: Die Handlung verzettelt sich beim Versuch, sowohl Gitas künstlerische Ambitionen als auch die innerfamiliären Konflikte abzudecken. Dass die Serie strukturelle Probleme innerhalb der Roma-Gemeinschaft aufgreift, ist begrüßenswert. Mitunter wirkt dieser Handlungsstrang jedoch überhastet, denn Nebenplots werden eingeführt und wieder aufgelöst, ohne ausreichend in die Tiefe zu gehen.

Trotz dieser Schwächen bietet Infamy eine fesselnde Auseinandersetzung mit Identität und Rebellion. Jastrzębskas Leistung ist der Anker, der die Serie über Wasser hält, auch wenn das Drehbuch ins Straucheln gerät. Auch die Nebenbesetzung überzeugt: Magdalena Czerwińska als Viola Burano und Wanda Ranii Kozłowska als Großmutter Tania verleihen ihren Figuren Nuancen. So gewinnen die familiären Beziehungen an Tiefe – und Infamy bleibt sehenswert.

Die Inszenierung ist überwiegend geradlinig und setzt auf Realismus; die Figurenentwicklung steht dabei stärker im Vordergrund als spektakuläre Bilder. Das kommt der Serie zugute und lässt den Darstellerinnen und Darstellern Raum, zu glänzen. An manchen Stellen hätte eine kreativere Regie die Erzählung jedoch bereichern können. So ist Musik zwar ein starkes Leitmotiv der Serie, hätte aber noch stärker visuell in Szene gesetzt werden können.

Inhaltlich beschäftigt sich Infamy mit kultureller Identität, Generationenkonflikten und dem Kampf um Individualität in einer eng verbundenen Gemeinschaft. Diese Themen sind zeitlos und universell und sprechen daher ein breites Publikum an. Ihre Umsetzung wirkt allerdings nicht immer ausgewogen: Einige Folgen gehen ihnen deutlich gründlicher nach als andere.

Im Vergleich zu anderen Coming-of-Age-Dramen behauptet sich Infamy gut. Die Serie weist Gemeinsamkeiten mit Produktionen wie Euphoria und Skam auf, die ebenfalls die komplexe Lebenswelt Jugendlicher erkunden. Mit ihrer besonderen kulturellen Perspektive hebt sich Infamy jedoch ab und eröffnet einen frischen Blick auf vertraute Themen.

Die Serie dürfte Zuschauerinnen und Zuschauer ansprechen, die charaktergetriebene Dramen mögen und sich für andere kulturelle Perspektiven interessieren. Auch wer ähnliche Konflikte zwischen persönlichen Wünschen und familiären Erwartungen erlebt hat, könnte sich darin wiederfinden.

Unterm Strich hat Infamy einige brillante Momente, bleibt wegen des unausgewogenen Erzähltempos und einer stellenweise allzu didaktischen Erzählweise aber hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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