Filmkritiken

Zom 100: Die Zombie-Apokalypse sprengt den Büroalltag

Martin Cid
Fügen Sie uns bei Google hinzu

Die Eröffnungsszene von Zom 100: Bucket List of the Dead verharrt auf dem ausgemergelten Gesicht von Akira Tendo, das vom grellen Neonlicht seiner Bürozelle beleuchtet wird. Die Kamera hält unerschrocken auf die dunklen Ringe unter seinen Augen und seine schlaffe Haltung, und fängt einen Moment stiller Verzweiflung ein, der viel über das moderne Arbeitsleben erzählt. Regisseur Yusuke Ishida macht dieses Bild zum emotionalen Ausgangspunkt des Films – zum Porträt existenzieller Erschöpfung, das den Anstoß für Akiras Wandlung geben wird.

Die Netflix-Verfilmung basiert auf dem Manga von Haro Aso und Kotaro Takata und ist mit Eiji Akaso als Akira Tendo besetzt, einem 24-jährigen Büroangestellten, dessen Lebensmut durch drei Jahre missbräuchlicher Führung und unablässige Überstunden systematisch zermürbt wurde. Als in Tokio plötzlich eine Zombie-Apokalypse ausbricht, reagiert Akira zunächst weder panisch noch entsetzt – er ist erleichtert. Der Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung schenkt ihm die Freiheit, nach der er sich in seinem bedrückenden Arbeitsumfeld immer gesehnt hat.

YouTube Video

Seine besondere Stärke entfaltet Zom 100 im gekonnten Wechselspiel der Tonlagen. Ishida verbindet echten Horror mit absurdem Humor und entwickelt so eine Überlebensgeschichte, die zugleich frisch und vertraut wirkt. Besonders bemerkenswert sind die handgemachten Zombieeffekte des Films, vor allem in der finalen Sequenz, in der Akira seinem früheren Chef (Kazuki Kitamura) gegenübertritt, der sich inzwischen in ein groteskes Untotenmonster verwandelt hat. Diese Konfrontation ist nicht nur körperlich mitreißend, sondern auch emotional aufgeladen: Akira stellt sich endlich dem Mann entgegen, der ihm das Leben zur Hölle gemacht hat.

Akaso trägt mit seiner Darstellung den emotionalen Kern des Films. Seine Wandlung vom lustlosen Bürokraten zum entschlossenen Überlebenden überzeugt, besonders in den ruhigeren Momenten – etwa bei seinem nächtlichen Putzmarathon, begleitet vom energiegeladenen Opening-Song „Song of the Dead“ von KANA-BOON. Die Szene bringt Akiras neu entdeckten Lebenssinn wunderbar auf den Punkt: Er findet Freude an einfachen Aufgaben, die ihm zuvor nur lästige Pflicht waren. Auch die Nebenfiguren verleihen dem Film Tiefe und Humor. Besonders sticht Mai Shiraishi als Shizuka Mikazuki hervor, eine schroffe, aber warmherzige Frau, die zu einer von Akiras engsten Verbündeten wird.

Die Stärken des Films liegen darin, das Zombiegenre als Vehikel für tiefergehende Themen zu nutzen. Im Kern handelt Zom 100 vom Konflikt zwischen Kreativität und Freiheit auf der einen und dem Gefängnis des Arbeitslebens auf der anderen Seite. Akiras Wunschliste dreht sich nicht nur ums Überleben – er will neu entdecken, was es heißt, wirklich zu leben. In einer Kultur, die sich heute geradezu der Arbeit verschrieben hat, trifft dieses Thema besonders stark und lässt den Film trotz seiner fantastischen Prämisse überraschend relevant wirken.

Im Mittelteil gerät Zom 100 allerdings beim Erzähltempo ins Straucheln. Die Handlung wird von zu vielen Punkten auf Akiras Wunschliste ausgebremst, die unterschiedlich spannend ausfallen. Eine Sequenz in einem Spukhaus wirkt besonders fehl am Platz: Sie nimmt dem Film den Schwung und schwächt seine emotionale Wirkung. Auch der Handlungsstrang um die Beteiligung des Pharmaunternehmens Umbriel am Ausbruch wird zu spät eingeführt und bleibt unterentwickelt. Am Ende haben die Zuschauer mehr Fragen als Antworten.

Yoshiaki Dewas Filmmusik verstärkt sowohl die Horror- als auch die komödiantischen Elemente. Stücke wie „Happiness of the Dead“ bilden einen unheimlichen Kontrast zu Akiras zunehmend bizarren Abenteuern. Die Kameraarbeit wiederum nutzt Tokios berühmte Schauplätze hervorragend und verwandelt vertraute Orte in postapokalyptische Spielwiesen. Besonders wirkungsvoll ist die Bildsprache in den Szenen, in denen Akira und seine Begleiter durch die inzwischen verlassenen Wahrzeichen der Stadt ziehen.

Zom 100: Bucket List of the Dead gelingt eine eigenwillige Genremischung, die mithilfe des Zombie-Motivs Themen wie Freiheit und Selbstfindung erkundet. Der Film dürfte besonders Zuschauer ansprechen, die schwarze Komödien mit Horrorelementen mögen oder sich für die psychischen Folgen der modernen Arbeitskultur interessieren. Zu seinen Stärken zählen die Darsteller, allen voran Akasos nuancierte Verkörperung von Akiras Wandlung, sowie der kreative Umgang mit vertrauten Zombie-Klischees, aus denen eine frische Geschichte entsteht.

Trotz einiger Schwächen – insbesondere beim Erzähltempo und bei der Entwicklung der Handlung – bietet der Film letztlich ein unterhaltsames und anregendes Erlebnis.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Schlagwörter: , , , , ,

Fügen Sie uns bei Google hinzu

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.