Fernsehen

Bros: Ein herzlicher Roadtrip mit Ecken und Kanten und liebenswerter Chemie

Liv Altman
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Die Eröffnungsszene von Bros gibt mit ihrer chaotischen, warmherzigen Energie gleich den Ton vor: Die beiden besten Freunde גיא עמיר (Guy Amir) und חנן סביון (Hanan Savyon) streiten im Auto, während sie durch die Straßen Jerusalems rasen. Ihr Lachen kann die unterschwellige Anspannung kaum überdecken. In dieser israelischen Komödie, erdacht von גיא עמיר und חנן סביון, die auch die Hauptrollen spielen, begibt sich das Duo auf einen chaotischen Trip nach Krakau zu einem Fußballspiel – auf der Flucht vor persönlichen Krisen, die sie überrollen wie ein herrenloser Motorroller.

Die größte Stärke des Films sind die Hauptdarsteller. עמיר und סביון verbindet eine unverkennbare Chemie, die der Geschichte Halt gibt. Ihre Wortgefechte sitzen, ihre Freundschaft wirkt über Jahre gewachsen, und ihre Darbietungen verleihen den Absurditäten ihrer Reise eine glaubwürdige Bodenhaftung. Auch die Nebenbesetzung trägt mit pointiert gesetzten komischen Momenten und echter Herzlichkeit zur Tiefe der Erzählung bei: אפרת באומוולד (Efrat Baumwald) spielt גיאs Exfreundin, יניב סוויסה (Yaniv Swissa) חנןs bestimmenden Vater. עומר חזן (Omer Hazan) und עידו ברטל (Ido Bartal), die ihre ebenso schrägen wie eigenwilligen Reisegefährten verkörpern, sorgen für willkommene Leichtigkeit – auch wenn einige ihrer Einlagen eher aufgesetzt als lustig wirken.

Am besten funktioniert der Humor, wenn Bros die Absurdität von גיאs und חנןs Lage auskostet. Ein besonders gelungener Moment spielt an einer schwach beleuchteten Tankstelle: Die beiden streiten über eine Karte, ihre Stimmen hallen durch die Nacht, während sie sich sowohl im Gelände als auch emotional zu orientieren versuchen. Die Szene ist ein Mikrokosmos ihrer Freundschaft – chaotisch und laut, aber letztlich von echter Fürsorge getragen.

Beim Erzähltempo gerät Bros allerdings ins Straucheln. Die Reise von Jerusalem nach Krakau wirkt stellenweise gehetzt; Handlungspunkte und Figurenentwicklungen werden in die Geschichte gestopft wie Gepäck, das in letzter Minute noch in den Kofferraum muss. Einige Szenen, vor allem jene mit Nebenfiguren, bleiben unausgereift oder wirken angehängt – als hätten sich die Drehbuchautoren nicht entscheiden können, ob sie sich auf den Roadtrip oder das Fußballspiel konzentrieren wollen. Auch der Ton des Films ist nicht immer ausgewogen: Er wechselt zwischen Slapstick und gefühlvollem Drama, ohne dass die Übergänge stets überzeugend gelingen.

Visuell bleibt Bros wenig bemerkenswert. Der Film setzt stark auf Handkameraaufnahmen, die das Chaos im Leben der Figuren zwar wirksam vermitteln, aber oft eher wie ein Gimmick als wie ein bewusstes Stilmittel wirken. Der Soundtrack aus israelischem Pop und klassischem Rock bringt Schwung in den Film, steht mitunter jedoch im Widerspruch zur emotionalen Schwere einzelner Szenen.

Inhaltlich befasst sich Bros mit den komplexen Seiten männlicher Freundschaft und insbesondere damit, wie Männer mit Verletzlichkeit und emotionaler Nähe umgehen. Die Beziehung zwischen גיא und חנן lebt von Gegensätzen: גיא handelt impulsiv und ist emotional wenig reif, während חנן geerdeter wirkt, sich aber ebenso vor Bindung fürchtet. Ihre Reise nach Krakau steht sinnbildlich für ihre persönliche Entwicklung, auch wenn es dem Film nicht immer gelingt, Komik und Drama auszubalancieren.

Verglichen mit anderen Roadtrip-Komödien der jüngeren Zeit fehlt Bros die ausgefeilte Regie und das straffe Drehbuch von Filmen wie The Hangover oder auch dem israelischen Erfolg Shtisel. Mit seiner authentischen Darstellung männlicher Freundschaft und dem kulturell spezifischen Schauplatz findet der Film dennoch eine eigene Nische. Er dürfte Fans ausgelassener Komödien ebenso ansprechen wie alle, die sich für die Feinheiten der israelischen Kultur interessieren.

שלומי אברהם (Shlomi Avraham), der den Organisator des Fußballspiels spielt, liefert eine herausragende Darbietung, die der ansonsten geradlinigen Handlung eine zusätzliche Ebene verleiht. Seine Figur vereint Charme und Unberechenbarkeit und hält das Publikum auch in den ruhigeren Passagen bei der Stange. Die Chemie zwischen אברהם und den Hauptdarstellern ist spürbar; ihre Begegnungen zählen zu den unterhaltsamsten Momenten des Films.

Die Schauplätze Jerusalem und Krakau verleihen der Geschichte eine eigene Note. Die lebhaften Straßen Jerusalems bilden einen starken Kontrast zur historischen, etwas melancholischen Atmosphäre Krakaus und schaffen einen visuell reizvollen Hintergrund für die emotionale Reise der Figuren. Der Wechsel zwischen den Orten ist jedoch mitunter unbeholfen umgesetzt, sodass die Erzählung beim Sprung von einem Schauplatz zum anderen häufig zerfasert wirkt.

Besonders eindringlich ist die Auseinandersetzung des Films mit kultureller Identität und Zugehörigkeit. Der Trip nach Krakau wird für גיא und חנן zum Auslöser, sich mit ihrer eigenen Identität und den Erwartungen auseinanderzusetzen, die ihre Familien und die Gesellschaft an sie richten. Besonders eindrücklich wird dieses Thema in einer Szene, in der sie eine Synagoge besuchen und ein tiefgründiges Gespräch über Glauben, Tradition und persönliche Freiheit beginnen.

Die Nebenbesetzung, darunter אפרת באומוולד und יניב סוויסה, sorgt für einprägsame Momente, die der Geschichte zusätzliche Tiefe geben. באומוולד zeichnet גיאs Exfreundin nuanciert und gewährt Einblicke in seine Vergangenheit und den emotionalen Ballast, den er mit sich herumträgt. Auch סוויסas Darstellung von חנןs Vater überzeugt: Sie bringt eine Mischung aus Humor und Tragik auf die Leinwand.

Einige der Nebenfiguren bleiben allerdings unter ihren Möglichkeiten. עומר חזן und עידו ברטל, die גיאs und חנןs Reisegefährten spielen, bringen zwar Potenzial mit, werden aber häufig auf eindimensionale Rollen reduziert. Ihr komödiantisches Timing ist ausgezeichnet, doch ihren Figuren fehlt die nötige Tiefe, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen.

Die Tempoprobleme des Films treten im zweiten Akt besonders deutlich zutage. Die Handlung eilt von einer großen Szene zur nächsten, ohne den Figuren ausreichend Zeit für Entwicklung oder emotionale Wirkung zu lassen. Dieses überhastete Vorgehen schmälert die Wirkung einiger der vielversprechendsten Momente und lässt das Publikum den Schwierigkeiten der Figuren gegenüber auf gewisse Distanz gehen.

Trotz seiner Schwächen bietet Bros eine erfrischende Variante der Roadtrip-Komödie. Seine kulturelle Eigenart und die authentische Darstellung männlicher Freundschaft heben den Film von austauschbareren Genrefilmen ab. Der Humor trifft nicht immer, doch wenn ein Gag sitzt, entfaltet er seine Wirkung. Besonders bemerkenswert sind die Darbietungen von עמיר und סביון: Sie verleihen dem Material eine Authentizität und emotionale Tiefe, die es deutlich aufwerten.

Auch in puncto Originalität hebt sich Bros durch seinen besonderen Schauplatz und kulturellen Kontext ab. Der Film greift zwar reichlich auf bekannte Muster der Roadtrip-Komödie zurück, verleiht ihnen aber eine unverkennbar israelische Note. Die Auseinandersetzung mit Freundschaft, Identität und Zugehörigkeit gibt der Geschichte eine zusätzliche Tiefe, die sie von oberflächlicheren Komödien unterscheidet.

Letztlich ist Bros eine unterhaltsame, wenn auch unausgewogene Komödie, die am stärksten ist, wenn sie ihr Hauptduo in den Mittelpunkt stellt. Tempo und Ton geraten zwar ins Wanken, doch die authentischen Darbietungen und der kulturell spezifische Blick machen den Film für Fans des Genres sehenswert.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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