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The King Who Never Was: Eine packende Geschichte verweigerter Gerechtigkeit

Lisbeth Thalberg
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Auf dem Bildschirm flimmern körnige Archivaufnahmen: Ein junger deutscher Tourist lacht in den sonnenüberfluteten Straßen Roms – kurz bevor sein Leben auf brutale Weise ein Ende findet. So beginnt The King Who Never Was, die Dokuserie von Beatrice Borromeo, die sich kopfüber in einen der berüchtigtsten ungelösten Kriminalfälle Italiens stürzt und dessen verworrene Verbindungen zur entmachteten Königsfamilie beleuchtet.

Borromeos Serie erzählt nicht einfach den Mord an Hans Meyer nach; sie seziert akribisch die Machtstrukturen, die es seinem Täter ermöglichten, der Justiz zu entgehen. Besonders eindringlich ist die Gegenüberstellung von Birgit Hamer, Meyers Schwester, und Vittorio Emanuele di Savoia sowie dessen Sohn Emanuele Filiberto di Savoia: hier unverstellte Trauer, dort kalkulierte Ausflüchte. Dieser Kontrast ist nicht nur ein inhaltliches, sondern auch ein visuelles Leitmotiv. Hamer wird in intimen Nahaufnahmen interviewt, oft laufen ihr Tränen übers Gesicht. Die Savoias hingegen erscheinen aus der Distanz, ihre Mienen hinter den glatt polierten Fassaden des Privilegs kaum zu lesen.

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Ihre stärksten Momente verdankt die Serie den schonungslos offenen Interviews. Hamers Trauer ist greifbar, wenn sie von den letzten Stunden ihres Bruders erzählt: davon, wie sehr er sich auf seinen Besuch in Rom gefreut hatte und wie sinnlos ihm das Leben genommen wurde. Ihre Aussage bildet den emotionalen Anker der Serie und verleiht einer Geschichte, die sonst leicht zu einer trockenen Aneinanderreihung von Fakten werden könnte, unmittelbare Menschlichkeit. Im scharfen Kontrast dazu steht Emanuele Filiberto di Savoias Auftritt – sofern man ihn so nennen kann –, der ein Lehrstück in Sachen Ausweichen ist. Seine wechselnden Aussagen sind belastend, besonders sein Eingeständnis vor der Kamera, beteiligt gewesen zu sein, auf das er sich anschließend mit angeblichen Erinnerungslücken herausredet. Besonders verstörend ist der Moment, in dem er beiläufig zugibt, Meyer getötet zu haben, dann aber zurückrudert und behauptet, er könne sich „nicht erinnern“. Solche widersprüchlichen Aussagen sind nicht bloß ein erzählerischer Kniff; sie geben Einblick in die Anspruchshaltung und Arroganz, für die die Savoias stehen.

Borromeos Regie versteht es, diese persönliche Tragödie mit einer umfassenderen Kritik an Macht und Straflosigkeit zu verbinden. Die Serie präsentiert nicht nur die Fakten, sondern ordnet sie auch in die italienische Nachkriegsgeschichte ein – insbesondere in das Referendum von 1946, mit dem die Monarchie abgeschafft und die Savoias ins Exil geschickt wurden. Dieser historische Hintergrund ist entscheidend, um zu verstehen, weshalb das italienische Rechtssystem die Savoias scheinbar mit allen Mitteln zu schützen versuchte. Borromeo greift geschickt auf bislang unveröffentlichtes Material zurück, darunter Polizeiaufnahmen und private Gespräche, die die Voreingenommenheit und Inkompetenz offenlegen, von denen die Ermittlungen geprägt waren.

Allerdings verliert The King Who Never Was bisweilen durch sein Erzähltempo an Wirkung. Mitunter wirkt die Serie von ihrem eigenen Anspruch ausgebremst: Sie verweilt zu lange bei Randaspekten oder wiederholt Interviews, ohne dadurch wesentlich neue Erkenntnisse zu gewinnen. Ein strafferer Schnitt hätte geholfen, die Spannung und Dringlichkeit aufrechtzuerhalten, die der Stoff verlangt. So nimmt die Serie etwa viel Raum für das Exil der Savoias und ihre Versuche ein, wieder Einfluss zu gewinnen. Das ist zwar relevant, rückt Meyers Ermordung aber stellenweise aus dem Mittelpunkt.

Die Auftritte der Savoias – oder deren Fehlen – hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Vittorio Emanuele di Savoias Auftreten vor der Kamera schwankt zwischen Trotz und Geringschätzung, sodass es schwerfällt, seinen Unschuldsbeteuerungen etwas abzugewinnen. Hamers unverstellte Gefühle hingegen verleihen der Serie Menschlichkeit und führen eindringlich vor Augen, warum diese Geschichte erzählt werden muss.

Besonders fesselnd ist, wie The King Who Never Was Erinnerung und Verdrängung auslotet. Wenn die Savoias wiederholt beteuern, sie könnten sich an entscheidende Einzelheiten „nicht erinnern“, wirkt das nicht bloß bequem; es steht beispielhaft für die umfassendere Weigerung, Verantwortung anzuerkennen. Vor dem Hintergrund von Italiens gespanntem Verhältnis zu seiner monarchischen Vergangenheit gewinnt dieses Thema besonderes Gewicht und macht die Serie auch über den dokumentierten Kriminalfall hinaus relevant.

Im Vergleich zu anderen True-Crime-Dokumentationen wie Making a Murderer oder The Jinx behauptet sich The King Who Never Was, erreicht aber nicht ganz deren Niveau. Während diese Serien mit Erzähltempo und emotionaler Wirkung überzeugen, scheint Borromeos Dokuserie bisweilen unter ihrem eigenen Anspruch zu leiden. Ihre eigentliche Stärke liegt jedoch in der unerschrockenen Darstellung dessen, wie Macht selbst grundlegende gesellschaftliche Werte korrumpieren kann – etwa das Streben nach Wahrheit und Verantwortlichkeit.

The King Who Never Was ist eine packende, wenn auch nicht makellose Untersuchung verweigerter Gerechtigkeit. Ihre größte Stärke liegt in der schonungslosen Darstellung dessen, wie Macht selbst grundlegende gesellschaftliche Werte korrumpieren kann – etwa das Streben nach Wahrheit und Verantwortlichkeit. Besonders eindringlich ist die Serie für alle, die sich für das Zusammenspiel von Geschichte, Macht und persönlicher Tragödie interessieren.

Letztlich ist The King Who Never Was ein Muss für alle, die sich für die Komplexität von Gerechtigkeit, die langen Schatten der Monarchie oder die schonungslose Gefühlswelt einer Schwester auf der Suche nach einem Abschluss interessieren.

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