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Die Trustor-Affäre: Netflix zeigt den Mann, den Schweden 30 Jahre lang nicht fassen konnte

Martha O'Hara

Ein Mann sitzt in einem schlichten Raum, in weichem nordischem Licht. Die Hände ruhig, das Gesicht gefasst, und für einen langen Moment betrachtet die Kamera es einfach nur: das Gesicht eines Menschen, der fast dreißig Jahre lang den Objektiven ausgewichen ist. Für eine ganze Generation von Schweden war Joachim Posener nur ein Name an einem körnigen alten Foto, der Finanzier, der aus dem größten Betrug des Landes hinausspazierte und nie zurückkehrte. Der Film von Karin af Klintberg beginnt mit dem Einzigen, was Interpol und der schwedischen Polizei in drei Jahrzehnten misslang. Er findet ihn. Er setzt ihn hin. Er lässt ihn reden.

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Die Trustor-Affäre ist ein True-Crime-Dokumentarfilm über den Trustor-Fall, die Übernahme einer börsennotierten Stockholmer Investmentgesellschaft im Jahr 1997, bezahlt faktisch mit dem eigenen Geld des Unternehmens. Eine Gruppe um den britischen Adligen Lord Moyne kaufte Trustor AB; kurz darauf verließen rund 730 Millionen Kronen das Konto von Trustor bei der Bank SEB in Richtung England, und das meiste landete bei jenen, die die Firma gerade erworben hatten. Auf dem Papier wirkte alles geordnet. Drei Monate später war daraus einer der prägenden Finanzfälle des modernen Schweden geworden.

Af Klintberg, ausgezeichnet mit einem Guldbagge, filmt das Geld als Textur, nicht als Spektakel. Überweisungen, Offshore-Konten, die beigefarbenen Innenräume der Finanzwelt der Neunziger: Sie fotografiert die Aktenlage wie eine Landschaft, denn in dieser Geschichte ist sie genau das. Das Bild, zu dem sie immer wieder zurückkehrt, ist kein Gewaltakt, sondern ein Buchhaltungsakt. Eine Firmenkasse, verwandelt in das Werkzeug ihrer eigenen Kaperung. Nichts wird zertrümmert. Eine Zahl wandert von einer Spalte in die andere, und ein börsennotiertes Unternehmen wechselt den Besitzer.

Die andere Hälfte ist eine Fahndung. Von der Presse als Architekt des Coups benannt, weigerte sich Posener, zur Vernehmung nach Schweden zurückzukehren. Interpol suchte ihn; er tauchte nicht auf. Dann war er verschwunden: jahrelang kein Foto, keine Adresse, kein bestätigtes Land. Das Jahrzehnt, das af Klintberg mit der Suche verbringt, wird zum Rückgrat des Films, und die Geografie seiner Flucht zur Karte: Spanien, Brasilien, Israel, Argentinien, ein Leben, zusammengesetzt an den stillen Rändern der Auslieferung.

Was der Fall offenlegte, war nie ein einzelner Schuldiger. Es war ein System. Eine Bank bewegte das Geld. Ein Markt winkte die Übernahme durch. Ein Verfahren blieb mit der Zeit ohne Beweise und ohne Angeklagte. Nur Thomas Jisander wurde Jahre später verurteilt, wegen Veruntreuung; Lord Moyne und andere wurden freigesprochen. In einem Land, das sich seit Langem eine Erzählung über Transparenz und Vertrauen zurechtlegt, ist die Trustor-Affäre die Gegenerzählung, die nicht verschwinden will.

Inside The Trustor Scandal
Trustor. Joachim Posener as Joachim Posener in Trustor. Cr. Courtesy of Netflix © 2026

Das ist die Spannung, die der Film umkreist, statt sie aufzulösen. Wenn der Mann im Zentrum sich dreißig Jahre später ruhig vor eine Kamera setzen kann, und wenn kaum jemand für den größten Coup seiner Art in der Erinnerung des Landes bezahlt hat: Was genau hat das Urteil dann wiedergutgemacht? Der Film liefert keine Antwort. Er überlässt sie der Stille im Raum: der langen Pause, dem festen Blick, dem Gefühl, dass manche Schulden für immer als unbeglichen verbucht bleiben.

Die Trustor-Affäre startet am 5. August 2026 auf Netflix. Es ist ein schwedischsprachiger Dokumentarfilm von Karin af Klintberg, produziert von Nexiko, mit Teresa Alldén und Lisa Berggren Eyre als Produzentinnen.

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