Fernsehen

Neon: Eine raue Liebeserklärung an Reggaeton-Träume

Alice Lange
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Schon in den ersten Bildern von Neon pulsiert das Licht Miamis. Sein Leuchten spiegelt sich in der Windschutzscheibe, als Santi (Tyler Dean Flores) zum ersten Mal in die Stadt kommt – seine Reggaeton-Träume fest in einer Reisetasche verstaut. Die von Shea Serrano und Max Searle entwickelte Netflix-Comedyserie stürzt sich kopfüber in die aufregende und gnadenlose Welt der Latin Music. Sie begleitet Santi und seinen engen Freundeskreis auf dem Weg zum Ruhm, den sie mit einer Mischung aus Ehrgeiz und Chaos verfolgen.

Im Kern erzählt Neon von Freundschaft und den unerschütterlichen Bindungen, die entstehen, wenn man gemeinsam für den eigenen Erfolg kämpft. Santi, ein aufstrebender Reggaeton-Künstler aus Fort Myers in Florida, will nicht einfach nur berühmt werden – er nimmt seine besten Freunde gleich mit auf die Reise. Vanessa (Emma Ferreira), seine unverblümte Managerin, und Felix (Jordan Mendoza), sein künstlerischer Leiter und Social-Media-Experte, bilden ein Trio, das der Serie Glaubwürdigkeit verleiht. Flores, Ferreira und Mendoza harmonieren spürbar miteinander und lassen die Loyalität und Verbundenheit ihrer Figuren überzeugend wirken.

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Die Serie lebt von ihrem Ensemble. Besonders hervorzuheben sind Genesis Rodriguez als Isa, ein kubanisch-amerikanischer Popstar, und Jordana Brewster als Gina, eine wohlhabende Investorin. Die Gastauftritte – unter anderem von Daddy Yankee und Scooter Braun – sorgen für zusätzliche Authentizität und verankern die Handlung in der realen Reggaeton-Welt. Doch Courtney Taylor stiehlt als Mia, eine Vertreterin eines Plattenlabels, mit scharfem Witz und einer kompromisslosen Art regelmäßig die Szenen.

Die Stärke von Neon liegt darin, Humor und Gefühl miteinander zu verbinden. Zu tanzbaren Beats entfaltet sich eine einzige große Party, während die farbenfrohe Bildgestaltung die Energie des Nachtlebens in Miami einfängt. Die Serie verknüpft Komik wirkungsvoll mit Spannung: Santi muss sich mit dem Druck des Plattenlabels auseinandersetzen, während seine Freunde schon den nächsten Schritt planen. Besonders überzeugend ist die Darstellung ihrer Freundschaft – das Trio begegnet einander immer wieder mit echter Wärme und Rückhalt.

Wenn Neon tiefer gehende Themen aufgreifen will, gerät die Serie allerdings ins Straucheln. Zwar spricht sie die Hürden an, die der Einstieg in die Musikbranche mit sich bringt, doch die kulturelle Bedeutung des Reggaeton bleibt oft auf der Strecke. Statt zu ergründen, was das Genre besonders macht, widmet sich die Serie lieber dem oberflächlichen Glamour. Ihr glänzender Optimismus beschränkt den Blick auf die Reggaeton-Welt und lässt die Chance ungenutzt, die reiche Geschichte des Genres und seinen kulturellen Einfluss näher zu beleuchten.

Auch das Erzähltempo wirkt bisweilen unausgewogen. Manche Folgen eilen durch wichtige Entwicklungen, andere verweilen bei Momenten, die der Handlung nicht immer dienen. Zudem hat die Serie Mühe, ihre Tonwechsel überzeugend zu gestalten: Mitunter geht es unvermittelt von der Komödie ins Drama. So kann eine Folge mit einer ausgelassenen Party beginnen und abrupt in ein ernstes Gespräch über Vertragsverhandlungen münden.

Trotz dieser Schwächen bietet Neon eine unterhaltsame, bunte Flucht in die Welt des Reggaeton. Die Serie dürfte Fans lateinamerikanischer Musik ebenso ansprechen wie alle, die Komödien über Menschen mögen, die ihren Träumen nachjagen. Die lebendige Bildsprache, der eingängige Soundtrack und die charismatischen Darsteller machen Neon sehenswert – auch wenn die Serie bei den tieferen Themen nicht immer überzeugt.

Im Vergleich zu anderen Serien des Genres weist Neon einige Parallelen zu Rap Sh!t auf, das die Musikbranche aus einer anderen Perspektive betrachtet. Während Rap Sh!t den rauen Alltag und die Schwierigkeiten aufstrebender Stars in den Mittelpunkt rückt, konzentriert sich Neon stärker auf den Glamour und die aufregenden Seiten des Weges zum Erfolg. Dieser andere Ton hebt Neon hervor und macht die Serie zu einer eigenständigen Ergänzung des Genres.

Letztlich richtet sich Neon an alle, die leichte Komödien mit musikalischer Note mögen. Die Serie ist weder bahnbrechend noch besonders tiefgründig, bietet aber gute Unterhaltung. Ihre Stärken liegen in der Darstellung von Freundschaft und dem Streben nach den eigenen Träumen – auch wenn sie bei der Auseinandersetzung mit komplexeren Themen gelegentlich ins Stocken gerät.

Neon ist etwas für Fans lateinamerikanischer Musik, angehende Künstlerinnen und Künstler und alle, die eine gute Komödie über den Weg zum Erfolg zu schätzen wissen. Die Serie feiert die Kraft großer Träume und die Bedeutung von Freundschaft, während sie zugleich die Herausforderungen der Musikbranche zeigt.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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