Fernsehen

Feedback: Der Absturz eines Vaters in einen Albtraum aus Besessenheit

Veronica Loop
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Die erste Einstellung von Feedback verweilt auf Arkadiusz Jakubiks Gesicht: Seine Augen sind blutunterlaufen, die Pupillen geweitet – der Blick eines Mannes, der verzweifelt nach etwas sucht, das knapp außerhalb seiner Reichweite liegt. Dieses Etwas ist sein vermisster Sohn Piotr. Die Suche führt uns in die düsteren Abgründe Warschaus, wo Alkoholismus und Verzweiflung die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Halluzination verschwimmen lassen. Das von Kacper Wysocki und Jakub Żulczyk verfasste Drama entfaltet sich als Kriminalgeschichte, eingebettet in den zerrütteten Geist von Marcin Kania (Jakubik), einem alkoholkranken ehemaligen Rockstar, dessen Gedächtnisprobleme seine Suche nach der Wahrheit erschweren.

Die Serie Feedback basiert auf einem Roman von Jakub Żulczyk und verlangt ihrem Publikum volle Aufmerksamkeit ab. Sie gibt sich nicht damit zufrieden, einfach ein weiteres Drama über eine vermisste Person zu sein, sondern spinnt ein komplexes erzählerisches Geflecht, das zwischen verschiedenen Zeitebenen und Wirklichkeiten wechselt und die Zuschauer dazu zwingt, selbst zusammenzusetzen, was real ist und was nicht. Dieses nichtlineare Erzählen ist zugleich die größte Stärke und die bedeutendste Schwäche der Serie.

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Jakubiks Darstellung ist der emotionale Anker von Feedback. Seine Interpretation von Marcins Verzweiflung und Selbstverachtung ist schonungslos und unmittelbar. In einer besonders beklemmenden Szene taumelt Jakubik durch das Warschauer Nachtleben; Vergangenheit und Gegenwart prallen schwindelerregend aufeinander, während er versucht, sich Bruchstücke vom Verschwinden seines Sohnes ins Gedächtnis zu rufen. Die Körperlichkeit seines Spiels – die hängenden Schultern, das Zittern seiner Hände und die Art, wie seine Augen umherhuschen, als jagten sie Geister – ist schlicht beeindruckend.

Auch die Nebenbesetzung verleiht dem emotionalen Kern der Geschichte zusätzliche Tiefe. Jakub Sierenberg bringt als Piotr Kania eine stille Intensität ein, die in starkem Kontrast zur Unberechenbarkeit seines Vaters steht. Dominika Bednarczyk zeichnet Joanna „Asia“ Kania mit viel Feingefühl und macht das gemeinsame Trauma der Familie ebenso spürbar wie ihre Widerstandskraft. Selbst in kleineren Rollen sorgen Schauspieler wie Juliusz Chrząstowski als Jarek und Agata Wątróbska als Sylwia dafür, dass die Darstellung der marginalisierten Gemeinschaften Warschaus glaubwürdig wirkt.

Auch atmosphärisch überzeugt die Serie mit ihrer Kameraführung. Die Kamera verweilt in schattigen Gassen und auf neonbeleuchteten Straßen, die Marcins innere Zerrissenheit widerspiegeln. Eine besonders eindrucksvolle Szene besteht aus einer langen Kamerafahrt, die Jakubik durch einen überfüllten Nachtclub folgt. Das Blitzlicht und die pulsierende Musik spiegeln dabei das Chaos in seinem Kopf. Diese visuellen Entscheidungen unterstreichen die Themen Erinnerung und Wahrnehmung und erinnern das Publikum daran, dass das Gesehene womöglich nicht die ganze Wahrheit ist.

Allerdings gerät Feedback bei Erzähltempo und erzählerischer Klarheit ins Straucheln. Das nichtlineare Erzählen wirkt zwar ambitioniert, aber oft auch verworren. In manchen Folgen fällt es schwer, die Kriminalgeschichte und die Figurenentwicklung in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen; dadurch bleiben einzelne Handlungsstränge unausgereift. So erschwert der häufige Einsatz von Rückblenden mitunter den emotionalen Sog – vor allem dann, wenn wichtige Enthüllungen unter mehreren Zeitsprüngen begraben liegen.

Die Verbindung der Genres funktioniert gut: Drama und Krimi greifen wirkungsvoll ineinander. Die Serie erinnert an andere Geschichten über vermisste Personen wie Sharp Objects oder Dark, hebt sich durch ihren Fokus auf Sucht und Erinnerung jedoch von ihnen ab. Gelegentlich driftet sie allerdings ins Melodramatische ab, insbesondere wenn Figuren mit erklärungsreicher Dialoglast den Erzählfluss ausbremsen.

Mit ihrem eigenwilligen Aufbau und ihren Themen hebt sich Feedback von anderen Geschichten über vermisste Personen ab. Die Serie erkundet die Zerbrechlichkeit der Erinnerung und die zerstörerische Kraft der Sucht aus einer zugleich intimen und weit ausgreifenden Perspektive. Am stärksten dürfte sie bei Zuschauerinnen und Zuschauern wirken, die komplexe, von Figuren getragene Kriminalgeschichten schätzen und bereit sind, sich durch ihr erzählerisches Labyrinth zu bewegen.

Ganz ohne Schwächen ist Feedback dennoch nicht. Die Serie setzt stark auf überraschende Schlusswendungen und plötzliche Enthüllungen, was mitunter wie ein bloßer Effekt wirkt und dem emotionalen Gewicht der Geschichte schadet. Zudem bleiben einige Figuren, etwa die von Przemysław Bluszcz gespielte, zu wenig genutzt; ihr Potenzial wird nicht ausgeschöpft.

Unterm Strich ist Feedback eine fesselnde, aber nicht makellose Auseinandersetzung mit Erinnerung, Sucht und Vaterschaft. Am stärksten dürfte die Serie bei Zuschauerinnen und Zuschauern wirken, die komplexe, von Figuren getragene Kriminalgeschichten schätzen und bereit sind, sich durch ihr erzählerisches Labyrinth zu bewegen. Wer eine geradlinige Erzählweise erwartet, könnte sich dagegen an ihr stoßen.

Feedback verlangt ihrem Publikum volle Aufmerksamkeit ab. Die Serie gibt sich nicht damit zufrieden, einfach ein weiteres Drama über eine vermisste Person zu sein, sondern spinnt ein komplexes erzählerisches Geflecht, das zwischen verschiedenen Zeitebenen und Wirklichkeiten wechselt und die Zuschauer dazu zwingt, selbst zusammenzusetzen, was real ist und was nicht.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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