Filmkritiken

Sanna Sundqvist glänzt als unverstellte, nahbare Frau

Martin Cid
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Das Bild von Sanna Sundqvist als Sara, die eine Hand auf ihren schwangeren Bauch legt und deren Gesicht zwischen Angst und Entschlossenheit schwankt, bildet den emotionalen Kern von Thank You, I’m Sorry. Lisa Aschans schwedische Tragikomödie beginnt nicht nur mit diesem Moment – sie kehrt immer wieder zu ihm zurück und macht ihn zum emotionalen Anker einer Geschichte über plötzliches Alleinsein und die schwierigen, komplizierten Bande zwischen Schwestern. Dieser Film stellt seine Themen nicht laut zur Schau, sondern lässt sie anklingen – oft in den stillen, ungeschützten Augenblicken zwischen den Figuren.

Sundqvists Darstellung ist die größte Stärke des Films. Sie verkörpert Sara mit einer unverstellten Verletzlichkeit, die sie sofort nahbar macht. Ob sie ihrer entfremdeten Schwester Linda (Charlotta Björck) eine Sprachnachricht hinterlässt oder nachts allein in ihrer Wohnung steht – Sundqvist vermittelt Saras innere Erschütterung, ohne je ins Melodramatische abzugleiten. Ihre Stimme bricht gerade so weit, dass man ihr die Verzweiflung abnimmt: die einer Frau kurz vor der Mutterschaft, die niemanden hat, an den sie sich wenden kann.

Björck verleiht Linda derweil eine spröde Wärme und macht aus ihr mehr als nur die abwesende Schwester, die plötzlich wieder auftaucht. Ihrer Darstellung wohnt eine gewisse Schärfe inne, die Linda davor bewahrt, einfach nur Sympathieträgerin zu sein – umso befriedigender ist die Versöhnung der beiden, wenn sie schließlich gelingt. Die Chemie zwischen Sundqvist und Björck ist spürbar, besonders in Szenen wie ihrem nächtlichen Gespräch im früheren Kinderzimmer. Hier zeigt sich Aschans Gespür für Inszenierung: Die beiden Schauspielerinnen lassen Jahre unausgesprochener Reue und ungelöster Spannungen mit einer Natürlichkeit anklingen, die beinahe dokumentarisch wirkt.

Auch die Nebenbesetzung verleiht dem Film zusätzliche Tiefe, ohne die zentrale Beziehung in den Hintergrund zu drängen. Ia Langhammer bringt als Helen, der Mutter der Schwestern, eine stille Weisheit in ihre Rolle und verankert den Film in einer generationsübergreifenden Familiengeschichte. Ville Virtanen als Timo und Jonatan Rodriguez als Daniél eröffnen weitere Einblicke in Saras Leben, auch wenn ihre Rollen kleiner und weniger ausgearbeitet sind. Michael Segerström sorgt als älterer Mann für einige heitere Momente, bleibt aber kaum in Erinnerung.

Schwächen zeigt Thank You, I’m Sorry beim Versuch, Komödie und Drama auszubalancieren. Manche der heiteren Momente wirken aufgesetzt, besonders ein Nebenstrang um den älteren Mann, der nicht so recht funktioniert. Auch das Erzähltempo gerät im zweiten Akt ins Stocken: Die Handlung verliert an Zugkraft und stützt sich zu sehr auf vertraute Muster der Versöhnung unter Geschwistern. Aschans Regie ist solide, aber wenig bemerkenswert; prägnante visuelle Einfälle oder Momente mit besonderem filmischem Glanz gibt es kaum.

Inhaltlich geht es um die Komplexität von Schwesternbeziehungen und darum, wie Familie uns verletzen und zugleich heilen kann. Die Geschichte dürfte besonders Menschen ansprechen, die das Hin und Her familiärer Beziehungen kennen – vor allem Schwestern, die ihren eigenen Weg gehen und dennoch miteinander verbunden bleiben. Die Stärke des Films liegt in seinen stillen, intimen Momenten: den unausgesprochenen Blicken, den zögerlichen Entschuldigungen und den kleinen Gesten der Vergebung.

Allerdings ist Thank You, I’m Sorry nicht frei von Schwächen. Die komischen Elemente wirken oft angefügt, als sei Aschan selbst nicht sicher gewesen, ob sie ein Drama oder eine Komödie erzählen wollte. Das Erzähltempo lässt spürbar nach, insbesondere im zweiten Akt, in dem die Handlung auf der Stelle zu treten scheint. Und obwohl die Darstellungen überzeugen, greift das Drehbuch gelegentlich zu oft auf vertraute Erzählmuster und Klischees zurück.

Dennoch verdient Thank You, I’m Sorry Aufmerksamkeit für seine ehrliche Darstellung von Schwesternbeziehungen und die komplexen Dynamiken innerhalb einer Familie. Der Film ist nicht perfekt, fühlt sich aber durch und durch gelebt an; die Darstellerinnen und Darsteller heben selbst die schwächeren Momente. Besonders bemerkenswert ist der Blick auf die Beziehung der Schwestern: Statt einfache Lösungen anzubieten, lässt der Film die Unordnung echter Beziehungen zu.

In thematischer Hinsicht hat Thank You, I’m Sorry einiges mit Filmen wie Lady Bird (2017) und Little Women (2019) gemein, die sich beide mit den komplexen Beziehungen zwischen Frauen beschäftigen. Aschans Film fehlt jedoch die filmische Raffinesse von Greta Gerwigs Regie ebenso wie die emotionale Wucht von Saoirse Ronans Darstellung in Lady Bird. Eigenständig ist er durch seinen Fokus auf die Beziehung zwischen Schwestern statt auf die zwischen Mutter und Tochter – und eröffnet damit innerhalb des Genres eine frische Perspektive.

Beim Publikum dürfte Thank You, I’m Sorry vor allem bei jenen ankommen, die charaktergetriebene Dramen mögen und sich für die Feinheiten familiärer Beziehungen interessieren. Auch Fans des schwedischen Kinos könnten Aschans zurückhaltende Erzählweise schätzen, auch wenn sie den Film visuell wenig innovativ finden mögen.

Letztlich überzeugt Thank You, I’m Sorry dank seiner starken Darstellungen und seiner ehrlichen Auseinandersetzung mit Schwesternbeziehungen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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