Filmkritiken

Gönül – Herzenslied bezaubert mit Volksmusik und Chemie, stolpert aber über seinen leichten Ton

Soner Caners Netflix-Liebeskomödie von 2022 über die musizierenden Dom.
Martha O'Hara
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Eine Hochzeit, die in einer Schlägerei endet, ein Bräutigam, der seine Braut als „unrein“ zurückweist, und mittendrin ein fahrender Musiker, der sich ausgerechnet in diese Braut verliebt: So beginnt Gönül – Herzenslied, die türkische Netflix-Komödie von Soner Caner. Ein kurzer Text stellt zu Beginn die Dom vor, die von Ort zu Ort ziehenden Musikerfamilien, danach bleibt kaum Zeit zum Atemholen. Romanze, schwarzer Humor und Gesellschaftskritik laufen nebeneinander her, und der Film müht sich gar nicht erst um saubere Übergänge.

Im Zentrum steht Piroz (Erkan Kolçak Köstendil), Mitglied einer nomadischen Musikergruppe. Laut The Review Geek wird er gemeinsam mit seinem Bruder für eine Hochzeit engagiert, Common Sense Media nennt außerdem einen Neffen. Ein eingängiges Lied auf seinen Lippen genügt, damit die Braut Sümbül (Hazar Ergüçlü) mit ihrer eigenen Version des Stücks antwortet. Mehr braucht es nicht. Die Feier beginnt trotzdem, doch Sümbül wird sofort vor allen als „unrein“ verhöhnt, beide Seiten gehen aufeinander los, und der längst verliebte Piroz schwört, wiederzukommen. Der gedemütigte Bräutigam bringt sie zu ihrem Vater, der, wie The New Indian Express festhält, sie sogar töten lassen will. Von da an geht es um Flucht, Rache und Rettung, und ReadySteadyCut betont, dass Piroz dabei auf die Hilfe seiner Gemeinschaft zählen kann.

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Die Geschichte hat die Zutaten einer Seifenoper, kostet sie aber nie bis zur Neige aus. The New Indian Express vergleicht die Sensibilität mit dem kommerziellen indischen Kino und lobt zugleich, dass die Inszenierung nie ins Überdrehte kippt: Eine große Liebesgeschichte spielt unter bescheidenen Verhältnissen, und das tut ihr gut. ReadySteadyCut ist strenger und findet, der Film hätte eine eigenständige Romanze werden können, dafür sei die Handlung aber nicht stark genug. Beide Einwände haben Gewicht. Die Hindernisse, an denen das Paar sich abarbeitet, sind altbekannt, und wer Liebesfilme mit verfeindeten Familien kennt, ahnt früh, wohin es geht. The Review Geek denkt an Romeo und Julia, und der Vergleich trägt, nur geht es hier um etliche Nummern chaotischer und gutmütiger zu.

Viel davon verdankt der Film seinen Hauptdarstellern. Köstendil gibt Piroz als liebenswerten Sonderling, und The Review Geek beschreibt das Paar insgesamt als schräg, aber rein und unschuldig; man ist sofort für beide eingenommen. Ergüçlüs Sümbül trägt jede Szene, in der sie auftritt, und The New Indian Express nennt ihre Darstellung strahlend. Zwischen den beiden stimmt die Chemie, ohne dass man sie erklären müsste, und schon der Liedwechsel vor der Hochzeit macht verständlich, warum man ihnen die Flucht wünscht. Heikel bleibt der Blick auf die Frauen im Film. Common Sense Media hält fest, dass Aberglaube und Traditionen hier als rückständig und doch charmant vorgeführt werden, dass Gewalt auf die leichte Schulter genommen wird und dass Frauen wie Besitz behandelt werden. Man kann das als Sittenbild lesen, ein unbequemer Zug bleibt es trotzdem.

Am stärksten ist Gönül – Herzenslied dort, wo er mehrere Geschichten verschränkt. Piroz‘ Vater Mirze (Bülent Emin Yarar) ist verwitwet und sehnt sich nach einer Jugendliebe, die ihm nie aus dem Kopf ging. ReadySteadyCut zufolge hat dieses Gefühl sogar seine Ehe überdauert, und seine Söhne müssen ihm sagen, dass die Geliebte nicht mehr lebt. The Review Geek hebt Yarar eigens hervor und sieht in Vater und Sohn zwei Seiten derselben Medaille; The New Indian Express deutet Mirzes wehmütige Suche nach einer eingebildeten Dilo als leisen Verweis auf die Sehnsucht nach Gesellschaft, die alle Figuren verbindet. Daneben gibt es einen Schamanen, der ständig als Scharlatan beschimpft wird. Common Sense Media erwähnt außerdem einen Exorzisten, eine Frau, die einen Trank nimmt und tot wirkt, und ein Grab, aus dem man sie wieder ausgräbt. Wo Schamane, Exorzist und Scheintod-Trank Raum beanspruchen, verschwinden Piroz und Sümbül zeitweise aus dem Blick; der Film hat mehr Figuren, als er bedienen kann.

Bei der Machart steht er besser da als beim Drehbuch. The Review Geek lobt die weichen Kamerabewegungen, die warme Farbpalette und die Nahaufnahmen, in denen Gesichter sich mit Gefühl füllen, und sieht in jeder Einstellung eine zusätzliche Ebene des Erzählens. Die bunten, windschiefen Behausungen der Dom, das liebevolle Gezänk und Durcheinander einer riesigen Großfamilie vermitteln ein klares Bild ihres Alltags. Die Volksmusik hält den Film in Gang: Sie bringt die Liebenden zusammen und trägt, wie The New Indian Express bemerkt, gerade die Trauerszenen, ohne sie schwer werden zu lassen.

Dass Jungfräulichkeitsnormen und Zwangsehen nur gestreift werden, ist verzeihlich, denn der Film erzählt lieber ein Märchen, als anzuklagen. Sümbüls Weg ist, wie The Review Geek schreibt, ein Rennen in die Freiheit. Neu ist an der Handlung wenig, und schwer will sie nicht wiegen. Im Gedächtnis bleiben die Dom mit ihren Liedern und zwei Hauptfiguren, denen man die Drehbuchschwächen gern nachsieht.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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