Fußball

Clásico Barcelona gegen Real Madrid, die Duelle im Ranking: Arda Gülers erster Pass zählt mehr als Mbappés Läufe

Kenji Nakamura
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Barcelona hat in dieser Saison bislang jedes Ligaspiel gewonnen. Real Madrid kommt ins Camp Nou und hat in den vergangenen drei Partien jeweils vier Tore erzielt. Auf dem Papier sieht das Clásico nach einem Duell zweier Offensivreihen aus. Ein Blick auf die Spielanlage beider Teams zeigt jedoch, dass es um etwas viel Konkreteres geht: um die wenigen Sekunden nach einem Ballverlust Barcelonas.

Hansi Flicks Mannschaft macht das Spielfeld in der Defensive klein: Die Abwehrkette steht weit vorne, fast an der Mittellinie, und das Pressing soll den Ball zurückerobern, bevor der Gegner sich nach vorne drehen kann. José Mourinhos Madrid, das ohne den gesperrten Vinícius Júnior antritt, hat in diesem Monat seinen bislang besten Fußball gespielt, indem es sich mit Pässen durch den Druck des Gegners kombiniert, statt ihm auszuweichen. Jedes der folgenden Duelle beeinflusst diesen Schlagabtausch – oder hängt unmittelbar davon ab.

Die fünf Duelle sind danach geordnet, wie stark sie den übrigen Spielverlauf bestimmen: Wie oft kommt es dazu, und wie direkt führt ein gewonnener Zweikampf zu einer Chance? Nach diesem Maßstab steht das Duell, auf das alle schauen werden – Kylian Mbappé gegen Barcelonas hoch stehende Abwehr –, nur auf Platz zwei. An erster Stelle steht die Frage, wie oft Mbappé überhaupt zum Sprint ansetzen kann.

Die Tabelle steckt den Rahmen ab. Barcelona hat alle neun Ligaspiele gewonnen, dabei 39 Tore erzielt und neun kassiert. Mit einem zehnten Sieg wäre das Team die erste Mannschaft in der Geschichte des spanischen Fußballs, die eine Ligasaison mit zehn Siegen in Serie eröffnet. Madrid liegt auf Rang drei, sechs Punkte zurück, nachdem es bei Real Betis und im Madrider Derby Niederlagen gab. Barcelona verlor am Dienstag in Paris mit 2:4, Madrid besiegte RB Leipzig am Mittwoch mit 4:1. Mourinho hat bei seinem ersten Clásico seit 13 Jahren also einen Tag weniger Zeit zur Erholung, bevor am Sonntag um 21 Uhr angepfiffen wird.

1. Barcelonas Gegenpressing gegen Madrids ersten Pass: Rodri und Pedri gegen Arda Güler und Jude Bellingham

Eine hoch stehende Abwehr ist nur so sicher wie das Pressing vor ihr. Verliert Barcelona den Ball, müssen Rodri und Pedri – die Doppelsechs, die Flick nach Rodris Wechsel von Manchester City aufgebaut hat – den ersten Pass unterbinden, ehe der Gegner nach vorne schauen kann. Paris hat gezeigt, was passiert, wenn die erste Pressingwelle überspielt wird. Paris Saint-Germain stand in einem mittleren Block, und jedes Mal, wenn die Mannschaft das erste Pressing überwand, brauchte sie nur wenige Pässe, um die letzte Abwehrreihe zu erreichen. Die späten Tore von Vitinha und Fabián Ruiz fielen, als Barcelona mit müdem Mittelfeld auf den Siegtreffer drängte.

Hier zeigt sich, wie wichtig Mourinhos taktische Änderung in der vergangenen Woche ist. Gegen Sevilla zog er Federico Valverde auf die Rechtsverteidigerposition und stellte Güler neben Aurélien Tchouaméni auf die Doppelsechs. Tchouaméni sichert ab, während Güler den Ball unter Druck annimmt und nach vorne spielt. Als Sevilla in der Schlussphase auf den Ausgleich drängte, kombinierten sich Güler und Dean Huijsen direkt durch das Pressing in den Raum dahinter. Bellingham ist eine Linie weiter vorne der zweite Passempfänger. Dreht sich einer von ihnen hinter Rodri und Pedri auf, läuft Madrid auf die letzte Abwehrreihe zu. Verhindert Barcelonas Duo diese Drehung, muss die hoch stehende Abwehr gar nicht erst offenes Feld verteidigen. Kein anderes Duell wird so häufig auf die Probe gestellt werden.

2. Kylian Mbappé gegen die hoch stehende Abwehr: Pau Cubarsí und Gerard Martín

Mbappé hat neun Ligatore erzielt und in allen drei Europapokalspielen von Madrid getroffen. Ohne Vinícius ist er Madrids größte Gefahr mit Läufen in die Tiefe. Die Abwehrreihe, auf die er zulaufen wird, ist seit der vergangenen Woche geschwächt: Eric García fällt mit einer Oberschenkelverletzung drei bis vier Wochen aus, Andreas Christensen steht nicht zur Verfügung und Jules Koundé ist wegen einer Verstauchung des Sprunggelenks fraglich. Wahrscheinlich spielen deshalb Pau Cubarsí, dessen Stärke darin liegt, das Spiel zu lesen und nach vorne zu passen, und Gerard Martín zusammen, der gerade erst nach einer Sprunggelenksverletzung zurückgekehrt ist.

Flick wird die Abwehr nicht tiefer stellen, denn gerade die hohe Linie ermöglicht es Barcelona, den Ball weit vorne zurückzuerobern. Entscheidend ist, wie oft Mbappé den Raum dahinter bekommt – und das hängt vom ersten Duell ab. Dieses steht auf Rang zwei, weil es die Folge und nicht die Ursache ist: Jedes Mal, wenn Madrid den ersten Pass an den Mann bringt, geht es mit Höchstgeschwindigkeit nach vorne. Zwei Innenverteidiger laufen dann auf das eigene Tor zu, dahinter bildet Joan García die letzte Absicherung. Seine Paraden hielten den Spielstand in Paris lange eng.

3. Lamine Yamal gegen Marc Cucurella – und die Frage, wer zur Hilfe kommt

Barcelonas klarster individueller Vorteil liegt auf der rechten Seite. Lamine Yamal hat acht Ligatore und sechs Vorlagen auf dem Konto. Er beginnt breit und zieht gerne nach innen, um mit dem linken Fuß abzuschließen. Marc Cucurella, der aus Barcelonas Nachwuchsakademie stammt, steht jedes Mal vor derselben Entscheidung. Folgt er Yamal nach innen, öffnet sich außen der Raum für Xavi Espart, der von der Rechtsverteidigerposition nachrückt. Bleibt Cucurella auf seiner Position, bekommt Yamal den Ball mit Blick aufs Tor.

Die Antwort darauf ist ein zweiter Verteidiger – und genau hier beginnen Madrids offensive Entscheidungen ihren Preis zu haben. Yan Diomande, der voraussichtlich auf Madrids linker Seite spielt, müsste Espart bis nach hinten verfolgen. Das nimmt Madrids eigenem Angriff die Breite. Das Duell steht auf Rang drei, weil Barcelona unabhängig vom Spielverlauf Teile davon für sich entscheiden wird. Mourinho kann wählen, wie viel seiner Offensive er dafür einsetzt, diese Gefahr einzudämmen.

4. Fermín López zwischen den Linien gegen Aurélien Tchouaméni

Dani Olmos Adduktorenverletzung in Paris, die ihn voraussichtlich etwa einen Monat außer Gefecht setzen wird, verändert Barcelonas Besetzung auf der Zehnerposition. Wahrscheinlich rückt Fermín López für ihn ins Team. Er ist weniger ein Kombinationsspieler, der sich zum Ball fallen lässt, als vielmehr ein Läufer, der spät in den Angriff stößt. Nach seiner Einwechslung in Paris spielte er den Pass über den dritten Mann, mit dem er Espart zum ersten Ausgleich auf die Reise schickte.

Fermíns Ziel ist der Raum, den Güler bei Madrids Ballverlust hinterlässt. Tchouaméni kann das Zentrum halten. Kommt Güler jedoch einen Schritt zu spät zurück – wie es gegen Sevilla einige Male passierte –, hat Fermín Platz zwischen Madrids Mittelfeld und Abwehr. Das Duell steht auf Rang vier, weil es davon abhängt, dass das erste Duell zugunsten Madrids ausgeht: Fermín bekommt diesen Raum nur, wenn Madrid Spieler nach vorne geschickt und den Ball verloren hat.

5. Madrids Spiel über die Flügel ohne Vinícius: Diomande und Endrick gegen Barcelonas Außenverteidiger

Im letzten Duell geht es um Madrids eigene Formation. Vinícius ist nach seiner Roten Karte gegen Villarreal gesperrt, Rodrygo verletzt. Gegen Sevilla setzte Mourinho Diomande links und Endrick rechts ein; hinter Endrick spielte Valverde. Mourinho erklärte, er habe dort einen Außenverteidiger haben wollen, der tief stehen und trotzdem am Spielaufbau teilnehmen könne. Diomande kam gegen seinen früheren Klub Leipzig für Vinícius ins Spiel und brauchte ungefähr 20 Minuten, um ein Tor vorzubereiten und selbst eines zu erzielen.

Ihre Aufgabe ist es, Espart und João Cancelo hinten zu binden, damit Barcelonas Außenverteidiger sich nicht ins Pressing einschalten können. Bleiben sie weit vorne, wird Madrids erster Pass leichter. Ziehen Yamal und Anthony Gordon sie zurück, kontert Madrid mit Mbappé allein. Das Duell steht ganz unten, weil es eher um Mourinhos Entscheidungen als um einen direkten Vergleich der Spieler geht: Das Risiko, das er auf den Flügeln eingeht, bestimmt, wie viele Spieler ihm noch für die Defensive bleiben.

Das Muster hinter der Liste

Fügt man die fünf Duelle zusammen, läuft das Spiel auf einen einzigen Ablauf hinaus. Barcelona verliert den Ball. Entweder erobert das Team ihn innerhalb weniger Sekunden zurück – oder Madrids erster Pass kommt durch und Mbappé läuft auf eine Abwehrreihe zu, der zwei ihrer üblichen Innenverteidiger fehlen. In Paris wendete sich dieser Ablauf in der Schlussphase gegen Flick, als sein Mittelfeld müde wurde und die Abwehr trotzdem hoch blieb. Madrid hat einen Tag weniger Erholung, doch mit Güler auf einer tieferen Position hat das Team einen Weg gefunden, sich durch das Pressing zu kombinieren, den es vor einem Monat noch nicht hatte.

Barcelona hat seinen rekordverdächtigen Saisonstart darauf aufgebaut, diese Sekunden zu gewinnen. Um den Rekord allein zu halten, muss das Team sie erneut für sich entscheiden – mit einem müden Mittelfeld und einer notdürftig zusammengestellten Innenverteidigung.

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