Filmkritiken

Taktiken der Liebe 2 lebt von der Chemie seines Paares, nicht von seiner Story

Recai Karagöz' Netflix-Fortsetzung bringt Demet Özdemir und Şükrü Özyıldız zurück, kämpft aber mit Tempo und Drehbuch.
Martha O'Hara
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Die Kamera schwenkt über die strahlenden Straßen Istanbuls, während Aslı (Demet Özdemir) mit ihrem Freund Kerem (Şükrü Özyıldız) in einem Café sitzt und ihm erklärt, warum sie nie heiraten wird. Es ist ein typischer Einstieg für diese Fortsetzung: leichtfüßig im Ton, ohne große Überraschungen, aber mit spürbarer Lust am Wortwechsel zwischen den beiden.

»Taktiken der Liebe 2« ist die Fortsetzung von »Taktiken der Liebe« aus dem Jahr 2022, erneut inszeniert von Recai Karagöz. Die Handlung dreht sich um Aslıs erklärte Verachtung für die Ehe – bis Kerem überraschend zustimmt, was sie in eine manipulative Mission stürzt: Sie will ihn nun unbedingt dazu bringen, ihr einen Antrag zu machen, ohne dabei ihr Gesicht zu verlieren. Auch Tuna (Atakan Çelik), Vertrauter aus dem ersten Teil, ist wieder mit von der Partie, wenngleich seine Rolle diesmal kleiner ausfällt. Seit dem 14. Juli 2023 ist der Film bei Netflix abrufbar.

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Was funktioniert? Vor allem die Chemie zwischen Özdemir und Özyıldız. Ihre Dialoge sind scharf, ihre Wortgefechte sitzen, und man nimmt ihnen die jahrelange Vertrautheit ihrer Figuren ab. Die Istanbuler Kulissen glänzen mit authentischem Flair – die Dreharbeiten fanden hauptsächlich in der Stadt statt, und das ist der Bildsprache anzumerken: Straßenzüge, Cafés und Uferpromenaden wirken vertraut und gelebt, nicht wie austauschbare Studiokulissen. Bei den Nebenfiguren fällt es schwerer, ein klares Bild zu zeichnen. Welche Rolle Ceyhun Mengiroğlu tatsächlich spielt, bleibt in dieser Fortsetzung schwer zu greifen. Auch Feride, verkörpert von Melisa Döngel, gehört fest zum Ensemble, doch ihr konkreter Anteil an der Handlung tritt gegenüber dem zentralen Paar deutlich zurück.

Doch der Film hat Schwächen: Die Handlung ist vorhersehbar, die »Taktiken« von Aslı selten originell. Einige Nebenhandlungen, etwa um Emir, gespielt von Bora Akkaş, oder Ezgi, gespielt von Hande Yılmaz, wirken wie nachträgliche Einfälle, ohne echte Tiefe. Vor allem aber fehlt dem Film eine klare Stimme – mal will er tiefe Charakterstudie sein, mal reine Slapstick-Komödie, und zwischen diesen beiden Polen findet er nie eine überzeugende Balance. Gerade weil die Ausgangsidee so simpel ist – eine Frau, die ihren Partner zu etwas manipuliert, das er ihr ohnehin bereits angeboten hat –, hätte das Drehbuch mit weniger Nebenschauplätzen und mehr Zuspitzung gewinnen können.

Die Regie von Karagöz bleibt oft passiv, selbst wenn die Handlung eskaliert. Wichtige Szenen, etwa Aslıs finaler Plan, werden ohne jeden Überraschungseffekt inszeniert. Die Kameraarbeit ist funktionell, aber nie inspirierend – hier hätte eine mutigere Bildsprache dem Film gutgetan. Für eine Komödie, die so sehr auf Timing angewiesen ist, wirkt diese visuelle Zurückhaltung wie eine verschenkte Chance.

Die Darsteller retten, was sie können: Özdemir glänzt in ihren sarkastischen Monologen, Özyıldız spielt den verwirrten Kerem mit sympathischer Unschuld. Doch selbst die beiden können nicht überdecken, dass das Skript zu viele Klischees bedient und kaum neue Ideen einbringt.

Der Film markiert die Rückkehr von Demet Özdemir, Şükrü Özyıldız und Atakan Çelik in ihren angestammten Rollen aus dem Vorgängerfilm von 2022. Die Dreharbeiten fanden 2023 hauptsächlich in Istanbul statt, und genau diese Vertrautheit ist dem fertigen Film anzusehen: Die Kulissen wirken bekannt und alltäglich – nur bewegt sich die Handlung selbst weiterhin in denselben vorhersehbaren Mustern wie schon im ersten Teil.

International fiel die Kritik ähnlich durchwachsen aus wie hierzulande, mit Wertungen im unteren Mittelfeld – ein Befund, der zum hier gewonnenen Eindruck passt: Die Fortsetzung wiederholt mehr, als sie erneuert.

Was von »Taktiken der Liebe 2« hängen bleibt, ist vor allem das Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller – Regie und Drehbuch tragen kaum etwas Eigenes dazu bei. Fans des ersten Teils dürfte das reichen; wer von dieser Fortsetzung mehr erwartet als eine Wiederholung bekannter Muster, wird enttäuscht.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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