Musik

Zedd remixed aespa’s LEMONADE — und K-pop markiert sein EDM-Territorium

Zedd baut aespas LEMONADE von Grund auf neu — K-pop beansprucht seinen Platz im globalen EDM-Markt
Alice Lange

Dass aespa Zedd mit LEMONADE beauftragte, war kein spontaner Schritt. Der deutsch-russische DJ und Produzent, der sich mit Clarity und Break Free seinen Ruf erarbeitet hat, modifiziert Originale nicht — er baut sie neu auf. Von der Rhythmusbasis bis zur Hookspitze wird alles neu berechnet. Was Zedd aus LEMONADE macht, ist kein lediglich tieferer Mix desselben Stücks, sondern eine Neuverortung der sorgfältig konstruierten K-pop-Ästhetik im Klangsprache des Open-Air-Festivals, wo der Wert eines Drops sich in der Reaktion Zehntausender misst.

Für aespa ist dies nicht der erste Schritt über die Grenzen des K-pop-Ökosystems hinaus. Nach WDA (Whole Different Animal) mit G-DRAGON erweitert die Zedd-Kollaboration das Netzwerk der Gruppe auf eine andere Ebene der globalen Musikindustrie. SM Entertainments Strategie ist ablesbar: aespa begnügt sich nicht damit, innerhalb bestehender K-pop-Distributionskanäle zu zirkulieren. Die Wahl Zedds ist bewusst — er ist kein EDM-Name, der gelegentlich in die Pop-Welt schaut, sondern ein Produzent mit nachgewiesener Zusammenarbeit mit Ariana Grande auf Break Free und Maren Morris auf The Middle.

Dass Zedd das Projekt angenommen hat, ist selbst eine Aussage. Etablierte Produzenten seines Kalibers remixen nicht aus Gefälligkeit. aespa für einen Remix zu wählen ist ein öffentliches Bekenntnis dazu, dass die Gruppe eine global relevante Hörerschaft aufgebaut hat. Der Remix erscheint weltweit auf Spotify und zielt präzise auf die Überschneidung zwischen EDM-Festival-Publikum und internationalem K-pop-Fanbase ab.

Allerdings sollten die Grenzen dieser Kollaboration benannt werden. Zedds Produktionssprache ist auf die Beschallungssysteme großer Open-Air-Arenen ausgelegt — was auf der Hauptbühne von Tomorrowland explodiert, funktioniert beim ersten Hören mit Kopfhörern nicht zwingend gleich. Für den Teil des aespa-Publikums, das die präzise Studioarchitektur der Gruppe schätzt, ist dieser Wechsel hin zur Wucht des Festivalformats keine offensichtliche Verbesserung. Strukturell bleiben Remixe Einmalprojekte: Sie erzeugen Sichtbarkeit auf Streaming-Plattformen, führen aber selten zu einer dauerhaften kreativen Zusammenarbeit.

Der Remix steht auf Spotify international zur Verfügung. Die Verfügbarkeit auf regionalen Digitalplattformen in Korea und anderen Märkten hängt von den jeweiligen Lizenzvereinbarungen ab.

Der Zedd-Remix von LEMONADE erscheint gemeinsam mit dem Original als Zweispuren-Single. aespas nächster Albumzyklus wurde noch nicht offiziell angekündigt, doch das Veröffentlichungsverhalten der Gruppe in diesem Sommer legt nahe, dass sie aktiv auf neue Publika zugehen — und nicht darauf warten, entdeckt zu werden.

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