Musik

‚Gut Genug‘ von KitschKrieg: Shirin David im Rap-Pop-Crossover

Alice Lange

KitschKrieg ist eines der einflussreichsten Kollektive im deutschen Rap — nicht wegen eines einzelnen Hits, sondern wegen der Beständigkeit, mit der das Hamburger Netzwerk seine Produktionen gestaltet. „Gut Genug“ zeigt, was passiert, wenn sie Shirin David und Blumengarten auf einem Track zusammenbringen: drei Perspektiven, die sich nicht gegenseitig auflösen, sondern produktiv reiben.

Die Single ist kein typisches Kollaborationsprojekt, das aus einer schnellen Studio-Session entstand. Shirin Davids Stimme gibt dem Track seinen erkennbaren Pop-Zug, die KitschKrieg-Produktion bleibt in ihrem charakteristischen Hamburg-Rap-Register, und Blumengarten liefert eine Facette, die den Spielraum des Songs öffnet, ohne ihn zu destabilisieren.

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KitschKrieg als Kuratorenkollektiv

KitschKrieg hat sich über Jahre als kuratorisches Bindeglied im deutschen Rap etabliert. Das Kollektiv versammelt Talente aus unterschiedlichen Stilwelten und findet dabei Schnittstellen, die auch ohne gemeinsame Herkunft funktionieren. Das Hamburger Rap-Milieu produziert beides: Street-Rap-Acts im Stil der 187 Strassenbande und experimentierende Kollektive, die sich keiner festen Schublade zuordnen. KitschKrieg gehört zur zweiten Kategorie — ihre Stärke liegt nicht im Definieren eines Sounds, sondern im Zusammenführen von Acts, die sonst nicht aufeinandertreffen würden.

Shirin David hat ihren Weg aus der YouTube-Szene in die deutschen Streaming-Charts zurückgelegt, ohne erkennbare Kompromisse einzugehen. Ihre Texte sind direkt, ihr Selbstbewusstsein nicht performativ. Wenn sie auf einem KitschKrieg-Track auftaucht, bringt sie ein Publikum mit, das nicht zwingend aus dem Hamburger Hip-Hop-Milieu stammt. Das ist der eigentliche Mehrwert dieser Kollaboration.

Blumengarten ist in dieser Konstellation das Fragezeichen — und das mit Absicht. Im deutschen Musikbetrieb sind Dreier-Kollaborationen häufig hierarchisch strukturiert: ein Name trägt, die anderen liefern. Auf „Gut Genug“ gilt das nicht. Alle drei Stimmen haben ein klar definiertes Aufgabenfeld, ohne dass eine die anderen verdrängt.

Was der Titel verschweigt

„Gut Genug“ ist als Titel eine Frage, keine Aussage. Der Begriff markiert einen Schwellenbereich: Was ist ausreichend, was ist mehr? Im Kontext dieser Single beantwortet KitschKrieg das mit einem Produktionsansatz, der keine Kompromisse nach unten macht. Drei Stimmen, die sich stilistisch nicht überlappen, ergeben etwas, das über das arithmetische Mittel der Einzelteile hinausgeht.

Auf Last.fm verzeichnet der Track bereits über 46.000 Hörer — ein solider Indikator für eine Verbreitung jenseits der Kernfanbase aller drei Acts. Die Zahlen zeigen, dass der Crossover-Ansatz Hörer anspricht, die über unterschiedliche Einstiegspunkte kommen: über Shirin David, über KitschKrieg oder über das allgemeine Interesse am deutschen Rap.

Die Single erschien im Mai dieses Jahres und platziert sich in einem Musikjahr, das dem deutschen Rap nach einer Phase der internationalen Öffnung wieder mehr Eigenständigkeit zugesteht. KitschKrieg, Blumengarten und Shirin David liefern mit „Gut Genug“ einen Beleg dafür, dass Kollaborationen im deutschen Rap nicht zwingend auf den kleinsten gemeinsamen Nenner abzielen müssen.

Drei Stimmen, ein Track — und die noch offene Frage, ob das Hamburger Kollektiv mit dieser Besetzung auch auf Albumlänge tragen würde.

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