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Googles Fitbit Edge bekommt einen Wechselakku und verliert das NFC-Bezahlen

Adrian Kessler
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Die neue Fitbit Edge von Google ist die erste Fitbit, die das Unternehmen von Anfang an reparierbar konzipiert hat: ein schlanker Tracker aus Aluminium mit austauschbarem Akku, einem deutlich größeren Display als das Vorgängermodell und einer Laufzeit von ungefähr einer Woche pro Ladung. Dafür fehlt eine Funktion, die Besitzer der alten Charge täglich nutzen konnten: der Chip, mit dem sie bezahlen konnten, indem sie ihr Handgelenk ans Terminal hielten.

Wer Benachrichtigungen und Trainingsdaten möchte, aber keine vollwertige Smartwatch tragen will, bekommt mit der Edge Googles Antwort. Sie ist zwischen der displaylosen Fitbit Air und der Pixel Watch angesiedelt. Der Kompromiss ist ungewöhnlich klar: Der Tracker lässt sich länger nutzen, weil sein am stärksten verschleißendes Bauteil ausgetauscht werden kann – dafür entfällt eine Bezahlfunktion, die in dieser Preisklasse bei Fitnessarmbändern normalerweise dazugehört.

Die Edge kostet laut den Angaben in Googles eigenem Store in den USA 179,99 Dollar, im Vereinigten Königreich 159,99 Pfund und in den Euro-Ländern, in denen Google sie verkauft, 179,99 Euro – darunter Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Das sind 20 Dollar mehr als für die Fitbit Charge 6, die sie ablöst, wie The Verge anmerkt. Im Preis enthalten sind drei Monate Google Health Premium. Google zufolge bietet das Display 46 Prozent mehr Anzeigefläche als bei den bisherigen Trackern des Unternehmens. Wired gibt die Displaygröße mit 1,34 Zoll an, verglichen mit 1,04 Zoll bei der Charge 6 – der Unterschied zeigt sich etwa darin, ob man beim Laufen die Zwischenzeit auf einen Blick ablesen kann oder dafür die Augen zusammenkneifen muss. Das Gehäuse ist 11,5 Millimeter dick. Google zufolge wiegt es 45 Prozent weniger als das Gehäuse einer Apple Watch Series 12.

Beim Akku geht es um Jahre, nicht um Wochen. Lithiumzellen verlieren mit jedem Ladezyklus an Kapazität. Bei den meisten Fitnessarmbändern ist eine verschlissene Zelle das Ende für das ganze Gerät, weil sie fest darin verbaut ist. Google zufolge hat die Edge einen modularen Innenaufbau und „einen austauschbaren Akku, der die Lebensdauer Ihres Geräts verlängern soll“. Die Laufzeit beträgt laut The Verge bis zu sieben Tage, mit eingeschaltetem Always-on-Display etwa zwei Tage. Fünf Minuten am magnetischen Ladegerät reichen demnach für ungefähr einen Tag.

Was Google nicht mitgeteilt hat, ist mindestens ebenso wichtig. In der Ankündigung steht nicht, wer den Akkutausch übernimmt, ob Besitzer das Gehäuse selbst zu Hause öffnen können oder dafür eine Servicestelle benötigen und wie viel ein Ersatzakku kosten wird. Wired berichtet, dass die Reparaturmöglichkeiten je nach Region unterschiedlich ausfallen. Ein reparierbares Design ist nur so viel wert wie die Ersatzteile, die dafür verfügbar sind. Unmittelbarer spürbar ist der Verzicht auf den NFC-Chip: Google-Wallet-Zahlungen am Handgelenk sind nicht möglich – anders als bei der Charge 6. Auch ein Mikrofon und ein Lautsprecher fehlen. Anrufe werden zwar auf dem Display angezeigt, lassen sich darüber aber nicht annehmen.

Der Großteil der Neuerungen bei der Edge betrifft die Erfassung von Aktivitäten. Google bringt das integrierte GPS zurück und verspricht eine um bis zu 40 Prozent höhere Genauigkeit als bei den früheren Trackern des Unternehmens. Hinzu kommen ein Höhenmesser, eine EKG-App zur Kontrolle des Herzrhythmus und ein eigener Hauttemperatursensor. Die Edge erkennt automatisch bis zu 100 Trainingsarten, indem sie Faktoren wie Standort und Routine berücksichtigt. Als Beispiel nennt The Verge, dass eine auf einem Tennisplatz aufgezeichnete Aktivität als Tennis eingestuft wird. Trends bei Blutdruck und Insulinresistenz sind dem Premium-Abo vorbehalten. Google betont, dass es sich dabei um Wellness-Schätzungen und nicht um Diagnosen handelt. Die Edge funktioniert über die Google-Health-App mit Android und iPhone.

Die Entscheidung für den Akku fällt vor dem Hintergrund europäischer Vorgaben. Die EU-Batterieverordnung schreibt vor, dass tragbare Batterien in Verbrauchergeräten ab Februar 2027 von ihren Besitzern entnommen und ausgetauscht werden können müssen. Wired vermutet, dass diese Regelung bei Googles Entscheidung eine Rolle gespielt hat. Ein von der Europäischen Kommission im Juli verabschiedeter delegierter Rechtsakt nimmt Smartwatches und Fitnesstracker, die bestimmte Kriterien erfüllen, jedoch davon aus. Der Austausch ihrer Akkus soll stattdessen unabhängigen Fachleuten vorbehalten sein, wie Zusammenfassungen des Rechtsakts aus Fachkreisen und der Wirtschaftspresse berichten. Google macht eine Produktkategorie reparierbar, für die die Regulierungsbehörden gerade eine Ausnahme vorbereiteten.

Vorbestellungen sind ab sofort im Google Store und bei Händlern möglich. Ab dem 27. Oktober ist der Tracker im Handel erhältlich. Im Google Store wird das Gerät außerdem für Japan mit 26.800 Yen, für Australien mit 269 australischen Dollar, für Kanada mit 229,99 kanadischen Dollar sowie für Schweden und Norwegen mit 1.999 Kronen angeboten. In Dänemark kostet es 1.299 Kronen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war die Edge im Google Store in Indien, Mexiko, Brasilien, Polen, Portugal, Rumänien, der Türkei, Südkorea und Taiwan nicht gelistet. Einige Gesundheitsfunktionen, darunter Hauttemperaturmessungen und die Health-Guardian-Warnmeldungen, sind laut Google nicht in allen Ländern verfügbar. Eine Stephen Curry Edition kostet 219,99 Dollar. Außerdem sollen Google-Maps-Abbiegehinweise laut Wired noch im Laufe des Jahres auf die Edge kommen.

Ob das Akkuversprechen hält, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Zellen der Edge in einigen Jahren verschlissen sind. Dann muss Googles Ersatzteilversorgung samt Reparaturnetzwerk stehen.

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