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Spotify Premium bekommt 1.400 Peloton-Workouts gratis — ganz ohne Heimtrainer

Die Streaming-App verlässt endlich das Musik-Terrain. Spotify Premiums neue Fitness-Kategorie schiebt Pelotons Kraft-, Yoga- und Meditationskurse in dieselbe App, für die du ohnehin bezahlst — Spinning-Bike nicht erforderlich.
Alice Lange

Spotify-Premium-Abonnenten können jetzt mehr als 1.400 On-Demand-Peloton-Kurse streamen, ohne extra zu bezahlen. Die neue Fitness-Kategorie, aufgebaut auf einer globalen Partnerschaft mit Peloton, blendet Kraft, Yoga, Pilates, Barre, Stretching, Meditation, Floor Cardio sowie Outdoor-Laufen und -Walking direkt in derselben App ein, die Abonnenten bereits für Musik und Podcasts nutzen. Es ist Spotifys bislang konkretester Versuch, das Musik-Terrain zu verlassen — und Pelotons größter Distributionszug seit dem Pandemie-Hoch.

Der vollständige Katalog ist zum Start in neun Ländern verfügbar: USA, Vereinigtes Königreich, Kanada, Mexiko, Australien, Deutschland, Österreich, Schweden und Spanien. Premium-Nutzer finden den neuen Bereich, indem sie in der Spotify-App nach „Fitness“ suchen oder über das Suchsymbol unter „Alle durchsuchen“ auf Fitness tippen. Die Kurse kommen standardmäßig auf Englisch, mit ausgewählten Titeln auf Spanisch und Deutsch im Katalog. Star-Trainerinnen und -Trainer wie Rebecca Kennedy, Ally Love und Rad Lopez wechseln direkt in Spotify hinüber, und das Unternehmen kündigt an, dass regelmäßig neue Kurse und neue Trainer hinzukommen.

Der große Wermutstropfen ist genau jener Teil von Peloton, den die meisten mit der Marke verbinden: Cycling- und Treadmill-Kurse sind nicht enthalten. Spotify nimmt sich den Floor-Katalog — die Workouts, die ohne spezielle Geräte funktionieren — und lässt die maschinengebundenen Inhalte in Pelotons eigener App. Für Besitzer einer Peloton Bike oder Tread ändert dieser Deal nichts. Für alle anderen sind Pelotons Trainer und Methodik damit zum ersten Mal in dieser Größenordnung außerhalb des hauseigenen Ökosystems verfügbar.

Spotify-Free-Nutzer bleiben nicht völlig außen vor. Die Fitness-Kategorie für Gratis-Konten umfasst kuratierte Playlists und vollständige Kurse von unabhängigen Wellness-Creatorn — Yoga with Kassandra, Chloe Ting Home Workouts, Sweaty Studio, Pilates Body by Raven und weitere — aber nicht den Peloton-Katalog. Die Peloton-Bibliothek ist ein Premium-only-Zusatz. Die strukturelle Logik liegt offen: Spotify benutzt Peloton als Premium-Köder, nicht als Gratis-Bonus.

Der Hype verdient eine kühlere Perspektive. Der Katalog ist nur in dem Sinn „kostenlos“, dass Premium-Abonnenten nichts zusätzlich zahlen — aber Premium selbst kostet einen monatlichen Abopreis, und für Nutzer mit einer Peloton Bike oder Tread bleibt der wertvollste Peloton-Inhalt weiterhin in der hauseigenen App eingeschlossen. Die „Englisch zuerst“-Realität bedeutet, dass der Großteil des Katalogs für die nicht-anglophonen Märkte, in denen er startet — darunter Spanien, Deutschland und Mexiko — nicht lokalisiert ist: Spanisch und Deutsch sind nur „ausgewählte“ Titel, nicht die gesamte Bibliothek. Und der Rollout umfasst lediglich neun Länder: große Märkte wie Brasilien, Italien, Frankreich und nahezu ganz Asien fehlen zum Start. Spotify spricht von Expansion, hat aber weder konkrete Märkte noch konkrete Termine zugesagt.

Für Peloton ist der Deal eine als Wachstumsstory verkleidete Überlebenskurve. Das Unternehmen verliert seit dem Verschwinden des Pandemie-Booms Abonnenten und Umsatz, und der Wert seines weltklasse-Trainerteams hat sich zunehmend vom Wert seiner Hardware abgekoppelt. Die Trainer in Spotify zu setzen — wo bereits rund 250 Millionen Premium-Abonnenten leben — gewinnt einen Teil der globalen Reichweite zurück, die Peloton verlor, als es die Nachfrage nach seinen Bikes überschätzte. Für Spotify ist der Deal ein langsam glühendes Experiment in der Frage, ob Abonnenten sich auf etwas anderes als Musik und Podcasts einlassen, nachdem Hörbuch-Pakete und Video bisher gemischte Ergebnisse geliefert haben.

Die Fitness-Kategorie startete am 27. April in den genannten neun Märkten. Spotify hat weder einen Zeitplan für die geografische Erweiterung noch eine Roadmap für die Aufnahme von Cycling- und Treadmill-Inhalten veröffentlicht. Pelotons nächste Geschäftszahlen — die ersten nach der Partnerschaft — werden in den kommenden Wochen erwartet und liefern das erste harte Signal, ob der Deal die Abonnentenkurve des Unternehmens tatsächlich verändert.

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