Fernsehen

The Green Glove Gang: Die Überfallkomödie mit Senioren verliert an Schwung

Veronica Loop
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Die Eröffnungsszene von The Green Glove Gang ist ein Lehrstück in Sachen Spannung und schwarzer Komik: Drei ältere Frauen, jede mit einem grünen Handschuh in der Tasche – wie mit dem Erkennungszeichen einer Diebin –, stolpern durch einen missglückten Raubüberfall. Das verspricht jede Menge Schabernack, und die polnische Krimikomödie löst dieses Versprechen zumindest anfangs ein.

Die Serie von Anna Novak-Zemplińska, Artur Gołębiowski, Bartosz Kozera, Daria Drzewiecka, Hanna Węsierska und Joanna Hartwig-Skalska erzählt von Zuzanna Zemplińska (Magdalena Kuta), Kinga Jarecka (Małgorzata Potocka) und Alicja Skowron (Anna Romantowska), die sich ihrer Festnahme entziehen, indem sie sich in einem Pflegeheim verstecken. Das Zusammenspiel des Trios bildet das Rückgrat der Serie: Zuzanna ist die Anführerin mit dem goldenen Herzen, Kinga die zynische Draufgängerin und Alicja das widerwillige moralische Gewissen. Die Chemie zwischen ihnen stimmt – besonders, wenn sie über ihren nächsten Schritt streiten oder in Erinnerungen an frühere Coups schwelgen.

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In den ersten Folgen läuft die Serie zu Hochform auf: Der absurde Versuch dreier Siebzigjähriger, sich als pflegebedürftige Bewohnerinnen auszugeben, um nicht entdeckt zu werden, sorgt gleichermaßen für Komik und berührende Momente. Das Pflegeheim bietet Raum für scharfzüngigen Witz und bewegende Szenen: Die Frauen freunden sich mit den anderen Bewohnern an und stoßen dabei auf die finsteren Geheimnisse der Einrichtung. Besonders Magdalena Kuta zieht mit ihrer körperlichen Komik und ihrem emotionalen Spiel die Blicke auf sich. Sie macht Zuzanna zu einer Figur, der man trotz ihrer kriminellen Neigungen die Daumen drückt.

Auch das Ensemble überzeugt. Besonders hervorzuheben sind Mirosław Zbrojewicz als Alfred, der undurchsichtige Hausmeister des Pflegeheims, und Karolina Rzepa als Katarzyna Gujska, die hartnäckige Ermittlerin, die den Frauen auf den Fersen ist. Die Nebenfiguren geben der Geschichte zusätzliche Tiefe: etwa Beata Bandurska als Marzena, eine Bewohnerin mit scharfer Zunge, oder Józef Duriasz als Jan, dessen stille Präsenz eine düstere Wahrheit verbirgt.

Die Regie ist insgesamt solide; einige herausragende Szenen bringen die Stärken der Serie besonders gut zur Geltung. Die Kamera arbeitet häufig mit dem Kontrast zwischen dem rauen kriminellen Alltag der Bande und dem sterilen Pflegeheim in Pastelltönen. So entsteht eine visuelle Spannung, die die Themen Altern und Rebellion unterstreicht.

Am besten ist die Serie, wenn sie ihre komödiantischen Seiten ausspielt – vor allem in den Szenen, in denen sich die Frauen mit den Absurditäten ihrer neuen Umgebung arrangieren müssen. Ein Höhepunkt: Zuzanna versucht, eine Gehbehinderung vorzutäuschen, während sie zugleich ihren nächsten Schachzug plant. Die Szene bringt die Mischung aus Humor und Herz, die die Serie auszeichnet, perfekt auf den Punkt. Am stärksten ist das Drehbuch, wenn es sich auf das Miteinander der Figuren konzentriert und sie mit pointierten Dialogen und echten emotionalen Momenten zum Strahlen bringt.

Doch The Green Glove Gang gerät ins Straucheln, wenn die Serie ihre verschiedenen Tonlagen unter einen Hut bringen will. Die Krimihandlung bleibt unterentwickelt: Raubzüge und Vertuschungsversuche treten häufig hinter den Seifenoper-Verwicklungen im Pflegeheim zurück. Das Ensemble ist zwar stark, doch sobald die Serie sich zu sehr ins Melodramatische vertieft, verliert sie an Schwung.

Im weiteren Verlauf der Staffel gerät das Erzähltempo aus dem Gleichgewicht; manche Folgen wirken eher wie Lückenfüller als wie notwendige Schritte in der Handlung. Die Enthüllung des dunklen Geheimnisses des Pflegeheims ist reizvoll, wird aber nicht konsequent genug weiterverfolgt – die Ermittlungen der Frauen hätten eine größere Auflösung verdient. Zudem bleibt unklar, worauf die Serie auf lange Sicht hinauswill. Mitunter verliert sie den übergreifenden Handlungsbogen aus den Augen und setzt stattdessen auf episodische Kapriolen.

Ihre Stärken hat die Serie in den von den Figuren getragenen Momenten und ihrem schwarzen Humor, mit denen sie sich von anderen Krimikomödien abhebt. Sie hat gewisse Gemeinsamkeiten mit Filmen wie Ocean’s Eleven und Serien wie Only Murders in the Building, findet aber ihre eigene Nische, indem sie eine ältere Figurenriege in den Mittelpunkt stellt. Außerdem greift die Serie Themen wie das Älterwerden, Reue und die Suche nach einem Sinn im Leben auf. Das verleiht ihr eine Tiefe, die über bloßen Klamauk hinausgeht.

Unterm Strich ist The Green Glove Gang eine charmante, aber fehlerhafte Serie, die sich zu sehr auf ihre schräge Grundidee verlässt, ohne sich ganz auf die Krimi- oder die Komödienseite einzulassen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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