Fernsehen

Another Self: Eine erschütternd schöne Reise durch Trauma und Erlösung

Martha O'Hara
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Als wir Ada, gespielt von Tuba Büyüküstün, zum ersten Mal auf den Klippen von Ayvalık sehen, den Wind in den Haaren und vor sich die endlose Weite der Ägäis, wird sofort klar: Another Self ist nicht einfach irgendein Drama. Die Szene, aufgenommen mit einer ruhigen Handkamera, gibt den Ton für eine Serie vor, die zugleich weit ausholen und ganz nah an ihren Figuren sein will. Die türkische Netflix-Serie, erdacht von Nuran Evren Şit und inszeniert von Burcu Alptekin und Erdem Tepegöz, erzählt von drei Freundinnen – Ada, Sevgi (Boncuk Yılmaz) und Leyla (Seda Bakan) –, die in eine Küstenstadt reisen und sich dort mit den seelischen und familiären Traumata auseinandersetzen, die ihr Leben geprägt haben.

Die Stärke der Serie liegt darin, persönliche Geschichten mit denen vergangener Generationen zu verweben. Ayvalık, die Küstenstadt mit ihren Olivenbäumen und ihrem besonderen Charme, ist weit mehr als bloße Kulisse: Der Ort wird selbst zur Figur, an der Vergangenheit und Gegenwart aufeinanderprallen. Die Kameraarbeit drängt sich nicht in den Vordergrund, unterstützt die Geschichte aber wirkungsvoll. Natürliches Licht, besonders in der goldenen Stunde, verleiht den Bildern eine Wärme und Melancholie, die lange nachhallt. Die Handkamera, vor allem in Szenen, in denen die Figuren die Stadt erkunden oder einander sehr persönliche Dinge anvertrauen, sorgt für Unmittelbarkeit und zieht das Publikum mitten ins Geschehen.

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Auch die schauspielerischen Leistungen zählen zu den Höhepunkten. Tuba Büyüküstün zeichnet Ada vielschichtig als eine Frau, die mit Verlust und der Last ihrer Familiengeschichte ringt. Buykustun gelingt es, tiefe Gefühle mit feinen Gesten auszudrücken – etwa mit einem kaum merklichen Stirnrunzeln oder einem zögernden Blick. Boncuk Yılmaz bringt als Sevgi eine schonungslose Verletzlichkeit auf den Bildschirm, besonders in den Szenen, in denen sie sich ihrer Krankheit stellen muss. Ihre Darstellung geht ans Herz, vor allem dann, wenn Sevgi trotz ihrer aussichtslosen Lage versucht, positiv zu bleiben. Seda Bakan bildet als Leyla einen bodenständigen Gegenpol zu den beiden anderen Hauptfiguren und sorgt zugleich für komische Entlastung und emotionale Tiefe.

Die Chemie zwischen den drei Hauptdarstellerinnen ist spürbar und lässt ihre Freundschaft echt und nachvollziehbar wirken. Ob sie gemeinsam über Erinnerungen lachen oder einander durch schwierige Zeiten helfen – ihre Begegnungen gehören zu den eindringlichsten Momenten der Serie. Auch die Nebenbesetzung überzeugt: Murat Boz als Toprak und Fırat Tanış als Zaman Bey liefern starke Leistungen und verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe.

Ganz ohne Schwächen ist Another Self allerdings nicht. Das Erzähltempo gerät mitunter aus dem Gleichgewicht: Manche Folgen wirken gehetzt, während andere Nebenhandlungen zu viel Raum geben, ohne am Ende wirklich aufzugehen. So ist die Beschäftigung der Serie mit Familienaufstellungen und generationsübergreifenden Traumata zwar faszinierend, wirkt bisweilen jedoch eher angefügt, als wäre sie organisch in die Erzählung eingebettet. Diese Brüche lassen die Geschichte stellenweise zusammenhanglos erscheinen.

Schwierigkeiten hat die Serie auch damit, ihre spirituellen Themen mit dem bodenständigeren Drama in Einklang zu bringen. Die Auseinandersetzung mit diesen Motiven ist reizvoll, doch mitunter scheint die Serie allzu sehr um Tiefgründigkeit bemüht. Die metaphysischen Elemente der Geschichte sind zwar ungewöhnlich, könnten aber Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Kopf stoßen, die sich stärker für die persönlichen Dramen der Figuren interessieren.

Genretechnisch hebt sich Another Self durch die besondere Verbindung von Liebesdrama und spiritueller Selbstreflexion ab. Diese Mischung unterscheidet die Serie von anderen Netflix-Produktionen, birgt aber auch das Risiko, all jene zu verlieren, die mit den metaphysischen Aspekten der Geschichte wenig anfangen können. Wer einen nachdenklicheren, introspektiven Zugang zum Drama schätzt, findet in Another Self dennoch eine erfrischende Abwechslung.

Ihre Originalität verdankt die Serie der ungewöhnlichen Verbindung von Liebesdrama und spiritueller Selbstreflexion. Als Genre-Mischung hebt sie sich von anderen Netflix-Produktionen ab, läuft damit aber zugleich Gefahr, Zuschauerinnen und Zuschauer abzuschrecken, die sich weniger für die metaphysischen Aspekte der Geschichte interessieren. Wer einen nachdenklicheren, introspektiven Zugang zum Drama schätzt, findet in Another Self dennoch eine erfrischende Abwechslung.

Letztlich ist Another Self eine Serie, die sich viel vornimmt und ihr Vorhaben weitgehend einlöst. Ihre Stärken – überzeugende Darstellungen, eine wunderschöne Kameraarbeit und eine anregende Auseinandersetzung mit Trauma und Spiritualität – wiegen schwerer als ihre Schwächen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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