Fernsehen

Neue Heldin, selbe Welt: Wie Rote Rosen zwanzig Jahre überlebt hat — jetzt auf ARD Plus

Deutschlands erfolgreichste Telenovela öffnet ihr Archiv auf ARD Plus, eine Staffel pro Monat ab 24. September
Cassian Vale

Das deutsche Fernsehen hat jahrzehntelang nach einer Formel gesucht, um eine tägliche Dramaserie zu stemmen, ohne seine Figuren dabei zu verschleißen. Rote Rosen hat früh eine Antwort gefunden: Die Welt bleibt, die Heldin wechselt. Das Fünf-Sterne-Hotel Drei Könige bleibt. Die Gärtnerei Albers bleibt. Lüneburg — seine rotklinkigen Fassaden, sein historisches Ilmenau-Ufer — bleibt. Aber zu Beginn jeder neuen Staffel übernimmt eine andere Frau die Hauptrolle und stellt sich einer anderen Version derselben Grundkrise: ein Leben, das von Grund auf neu aufgebaut werden muss.

Diese strukturelle Logik hat Rote Rosen zwei Jahrzehnte lang im ARD-Tagesrhythmus gehalten. Die Serie startete auf Das Erste — produziert von Studio Hamburg Serienwerft, beauftragt vom Norddeutschen Rundfunk — und hat seitdem mehr als dreitausend Folgen über mehr als zwei Dutzend Staffeln angesammelt. Im Jahr 2026, in dem die Telenovela ihr zwanzigstes Jubiläum feiert, läuft sie noch immer täglich und ist bereits bis 2028 verlängert.

Aerial view of Lueneburg showing red-brick rooftops and green treetops
Lueneburg from above, the city where Rote Rosen is filmed. Photo: DerHexer / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die erste Staffel legt die Vorlage präzise fest. Petra, gespielt von Angela Roy, betritt die Geschichte scheinbar mit einem geregelten Leben: eine gute Ehe, ein Haus, erwachsene Töchter. Thomas — Gerry Hungbauer — beendet es mit einem Seitensprung. Von diesem Bruch an entfaltet die Serie ihre These: dass eine Frau in der Mitte ihres Lebens, die in einer Stadt neu anfängt, die nicht ganz die ihre ist, der reichhaltigste Stoff für eine tägliche Serie ist. Lüneburg ist dabei weniger Kulisse als Mitspielerin. Die historische Altstadt und das Ilmenau-Ufer geben der Serie ihr visuelles Markenzeichen; das fiktive Mikrokosmos — Hotel Drei Könige, Restaurant Carlas, Rosenhaus, Gärtnerei Albers — gibt den Handlungssträngen ihre Architektur. Kim-Sarah Brandts und Anna Lena Class spielen Jule und Tanja; Joachim Raaf tritt als Petras Love Interest Nick auf.

Dem Studio zufolge gehört Rote Rosen zu den meistgestreamten Serien in Deutschland — neben Sturm der Liebe — ein Befund, der auf die Verlässlichkeit der Serie als emotionale Infrastruktur hinweist. ARD Plus gibt diesem Archiv nun eine strukturierte Heimat. Die erste Staffel erscheint ab dem 24. September; danach folgt jeden Monat eine weitere Staffel bis einschließlich Staffel zehn.

ARD Plus — 4,99 Euro im Monat inkl. MwSt. — ist über Browser, mobile Apps, Magenta TV, Amazon Prime Video, Apple TV sowie als YouTube Primetime Channel verfügbar. Der Dienst liegt außerhalb des Nachholbereichs der ARD Mediathek und konzentriert sich auf Archiv- und Bibliotheksinhalte.

Für Zuschauerinnen und Zuschauer, die Rote Rosen bisher nur durch Clips oder Hörensagen kannten, ist dies das erste Mal, dass das Archiv so aufbereitet ist, dass man der Serie von Anfang an folgen kann. Ob seine Mischung aus häuslichen Turbulenzen und norddeutscher Naturkulisse auch über Deutschland hinaus so gut ankommt wie die Streamingzahlen vermuten lassen, wird Staffel eins zeigen.

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