Fernsehen

Dolores Roach: Eine düstere Komödie über Gentrifizierung und Kannibalismus

Veronica Loop
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Die Kamera verweilt auf einem Paar Hände, die mit beunruhigender Präzision Teig kneten – dies ist unser erster Blick auf den unheimlichen häuslichen Horror im Zentrum von The Horror of Dolores Roach. Prime Videos Adaption des Podcasts von Aaron Mark verleiht Washington Heights einen schmutzigen, gothischen Touch, wo Gentrifizierung auf Kannibalismus trifft in dieser dunkelkomischen Dramödie. Mit Justina Machado als Titelfigur Dolores setzt die Serie auf ihr absurdes Konzept mit überraschender Überzeugungskraft, stolpert aber, wenn sie zu sehr versucht, dem Publikum zuzuzwinkern.

Dolores Roach (Machado) ist eine neu entlassene Strafgefangene, die sich in einer Nachbarschaft zurechtfinden muss, die sich während ihrer 16-jährigen Haftstrafe verändert hat. Ihr Überleben hängt von einer unwahrscheinlichen Partnerschaft mit Luis Batista (Alejandro Hernandez) ab, der das Empanada-Lokal „Empanada Loca“ über ihrem provisorischen Massagesalon betreibt. Als Bedrohungen für ihre fragile Stabilität auftauchen, stürzen sich Dolores und Luis in einen Strudel aus Mord und Vertuschungen – sie verwandeln menschliche Überreste in Empanadas in einer makaberen Abwandlung von Sweeney Todds Fleischpasteten. Machado überzeugt als die findige, aber verzweifelte Dolores, die Verletzlichkeit mit kaltblütiger Pragmatismus verbindet. Hernandez hingegen verleiht Luis einen schrägen Charme, dessen Besessenheit von Dolores fast schon unberechenbar wirkt.

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Die Stärke der Serie liegt in ihrer Bereitschaft, Themen wie Verdrängung und Verzweiflung durch eine groteske Linse zu erkunden. Die Gentrifizierung ist nicht nur Kulisse – sie treibt Dolores‘ Verbrechen an, während sie um ihren Platz in einer Welt kämpft, die ohne sie weitergezogen ist. Das Produktionsdesign trifft den rauen Realismus von Washington Heights, von der engen Wohnung bis zu den belebten Straßen draußen. Die kurze Laufzeit (30-minütige Episoden) hält das Tempo straff, wirkt aber manchmal gehetzt – besonders wenn es darum geht, dunklen Humor mit echter Spannung auszubalancieren.

Wo The Horror of Dolores Roach ins Stocken gerät, ist der Tonfall. Es will eine moderne gothische Fabel sein, doch die ständige Selbstreflexion – sei es durch Dolores‘ trockene Erzählung oder Luis‘ übertriebene kannibalistische Tendenzen – untergräbt die Spannung. Die Serie kämpft auch mit Konsistenz; manche Episoden treffen den Balanceakt zwischen Horror und Komödie perfekt, während andere tonale Brüche aufweisen. Das Ensemble ist stark, insbesondere Kita Updike als Nellie Morris, deren ruhige Kompetenz das Chaos erdet – doch einige Charaktere (wie Marc Marons Gideon Pearlman) werden zu Karikaturen reduziert.

Die Absetzung nach einer Staffel wirkt wie eine verpasste Chance. Zwar entkommt die Serie nie ganz ihren Podcast-Wurzeln – manche Szenen wirken unverkennbar inszeniert –, doch das Potenzial für eine düsterere, ambitioniertere Erforschung der Themen war vorhanden. The Horror of Dolores Roach spricht Zuschauer an, die ihren Horror mit einer Prise Satire mögen und sich von moralisch ambivalenten Protagonisten nicht abschrecken lassen. Sie ist nichts für schwache Nerven oder solche, die auf hochglanzpolierten Prestige-TV hoffen.

Machados Performance ist der Anker der Serie – sie verankert das Absurde in etwas Greifbarem. Ihre Dolores ist gleichermaßen sympathisch wie furchteinflößend, eine Frau, die von den Umständen an den Rand getrieben wird, nicht aus Bosheit. Hernandez hält mit Luis mit, dessen Figur allerdings manchmal ins Campartige abgleitet. Die Chemie zwischen ihnen ist unverkennbar und bildet das Herzstück der Serie.

Die Serie profitiert zudem von ihrer Auseinandersetzung mit Gentrifizierung – ein aktuelles Thema, das dem ansonsten abstrusen Konzept Gewicht verleiht. Washington Heights ist nicht nur Kulisse; es ist eine Figur für sich, ein Viertel zwischen Vergangenheit und ungewisser Zukunft. Die Serie nutzt diese Spannung, um zu erkunden, was passiert, wenn Menschen ums Überleben kämpfen in einer Welt, die sie zurückgelassen hat.

Das heißt aber nicht, dass The Horror of Dolores Roach ohne Fehler ist. Der Humor wirkt manchmal erzwungen, und das Tempo ist ungleichmäßig – manche Episoden finden nie richtig Tritt. Die Serie leidet auch unter mangelndem Erzählambitionen, fühlt sich stellenweise wie ein inszenierter Podcast an statt einer vollwertigen Fernsehdrama.

Doch wenn es funktioniert, dann wunderbar. Die erste Folge setzt den Ton perfekt – sie stellt Dolores‘ Welt mit einer Mischung aus schwarzem Humor und echtem Pathos vor. Das Ensemble bereichert die Handlung, besonders Jessica Pimentel als Flora Frias, deren Stück über Dolores eine interessante Meta-Ebene hinzufügt.

Die Serie profitiert zudem von ihrer Auseinandersetzung mit Gentrifizierung – ein aktuelles Thema, das dem ansonsten abstrusen Konzept Gewicht verleiht. Washington Heights ist nicht nur Kulisse; es ist eine Figur für sich, ein Viertel zwischen Vergangenheit und ungewisser Zukunft. Die Serie nutzt diese Spannung, um zu erkunden, was passiert, wenn Menschen ums Überleben kämpfen in einer Welt, die sie zurückgelassen hat.

The Horror of Dolores Roach spricht Zuschauer an, die ihren Horror mit einer Prise Satire mögen und sich von moralisch ambivalenten Protagonisten nicht abschrecken lassen. Sie ist nichts für schwache Nerven oder solche, die auf hochglanzpolierten Prestige-TV hoffen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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