Filmkritiken

Der Kuchentrick zündet nicht – Freundschaft rettet den Film

Veronica Loop
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Die erste Szene von Sitting in Bars with Cake fängt pure, ungefilterte Freude ein: Yara Shahidis Jane, eine schüchterne Bäckerin, stellt nervös einen selbst gebackenen Kuchen auf den Tresen einer Bar. Ihre Hände zittern, während sie beobachtet, wie der Kuchen auf die Gäste zugleitet. Der Moment sollte ans Herz gehen, wirkt aber stattdessen aufgesetzt.

Trish Sie verfilmte Audrey Shulmans gleichnamiges Buch und ließ sich von wahren Ereignissen inspirieren. Im Mittelpunkt stehen Jane und ihre extrovertierte beste Freundin Corinne (Odessa A’zion), die ein einjähriges Experiment wagen: Sie bringen Kuchen in Bars, damit Jane selbstbewusster wird. Die Idee klingt charmant, doch die Umsetzung gerät ins Stolpern. Der Kuchentrick, der dem Film als erzählerisches Grundgerüst dienen soll, wirkt oft eher wie ein nachträglicher Einfall als wie ein Antrieb der Handlung. Wenn Jane backt oder ihre Kreationen präsentiert, fehlt diesen Szenen das nötige emotionale Gewicht. So wirken sie eher wie pflichtschuldige Zwischenstationen als wie bedeutsame Momente.

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Was den Film rettet, sind die Darstellerinnen und Darsteller. Shahidi und A’zion verbindet eine mitreißende Chemie, die dem Stoff Leben einhaucht. Ihre Freundschaft bildet das Herzstück des Films. Als Corinne die Diagnose Hirntumor erhält, verändert sich ihr Miteinander: Aus Unbeschwertheit wird tiefe Bewegung. Besonders A’zion überzeugt als Corinne, die mit ihrer Krankheit ringt, und verbindet Verletzlichkeit und Widerstandskraft mit viel Feingefühl. Selbst Bette Midler, die in einer kleineren Rolle als Talentagentin Benita zu sehen ist, bringt Wärme und Humor ein und hebt den Film damit auf ein höheres Niveau.

Die Erzählstruktur gerät jedoch aus dem Takt, sobald sie Romanze, Komödie und Drama unter einen Hut bringen soll. Die romantische Nebenhandlung um Janes Schwärmerei für den Anwalt Owen (Rish Shah) bleibt unausgereift und wirkt angeflanscht; ihr fehlt die emotionale Tiefe, um wirklich zu berühren. Auch das Erzähltempo bereitet dem Film Probleme, vor allem in der zweiten Hälfte: Die Kuchenexperimente in Bars wiederholen sich, während die Krebserkrankung ohne ausreichenden Vorlauf in den Mittelpunkt rückt.

Ausstattung und Kameraarbeit sind solide, aber wenig bemerkenswert. Die Kulisse von Los Angeles wird gut genutzt: Trendige Bars und gemütliche Wohnviertel verleihen der Geschichte Bodenhaftung. Der visuelle Stil des Films bleibt allerdings ohne eigene Akzente und lässt ihn in der Masse der Komödien und Dramen mit mittlerem Budget verschwinden.

Sitting in Bars with Cake hat Momente echter Gefühle und echten Humors, wird letztlich aber von seiner bemüht originellen Grundidee und einer unausgewogenen Erzählweise ausgebremst.

Der Versuch, mehrere Genres – Romanze, Komödie und Drama – miteinander zu verbinden, führt zu abrupten Tonwechseln, die den emotionalen Kern des Films untergraben. Der Sprung von den beschwingten Kuchenabenteuern in Bars zu den schweren Themen Krebs und Sterblichkeit wirkt schroff, und der Film legt sich nie ganz auf einen Ton fest. Diese Unbeständigkeit erschwert es, sich auf die Entwicklung der Figuren einzulassen: Die Erzählung schlägt zu viele Richtungen ein, ohne klar erkennen zu lassen, worauf sie hinauswill.

Zu den Stärken des Films zählt sein Blick auf Freundschaft und weiblichen Zusammenhalt. Die Verbindung zwischen Jane und Corinne wirkt authentisch und zeigt die Vielschichtigkeit ihrer Beziehung: Sie stehen einander bei, müssen aber auch Herausforderungen bewältigen. Corinnes Diagnose wird hingegen überstürzt behandelt, als wolle der Film ein ganzes Leben voller emotionaler Wendepunkte in wenige Schlüsselszenen packen. Dieses gehetzte Vorgehen nimmt der Geschichte die Tiefe und Nuanciertheit, die sie verdient hätte, und lässt die emotionale Wirkung weniger verdient erscheinen.

Auch die Nebenbesetzung verleiht der Geschichte zusätzliche Tiefe. Besonders hervorzuheben sind Ron Livingston als Fred und Maia Mitchell als Liz. Ihre Begegnungen mit Jane und Corinne sorgen für heitere und warme Momente, doch zugunsten der Eskapaden des zentralen Duos geraten diese Figuren oft an den Rand. Dass der Film auf vertraute Muster setzt – etwa das schüchterne Mädchen, das ihre Stimme findet, oder den extrovertierten Menschen, dessen Leben durch eine Krise aus der Bahn gerät –, bremst seine Originalität zusätzlich.

Als Regisseurin beweist Trish Sie ein gutes Gespür für die Feinheiten menschlicher Beziehungen, hat aber Mühe, den Ton durchgehend zu halten. Im zweiten Akt fallen die Tempoprobleme besonders auf: Die Kuchenexperimente in Bars wiederholen sich und bauen weder Spannung noch emotionale Fallhöhe auf. Der Wechsel von leichter Komödie zu schwerem Drama ist einfühlsam gestaltet, doch der abrupte Umschwung macht es dem Publikum schwer, der Geschichte zu folgen.

Sitting in Bars with Cake will zu viel und bleibt letztlich hinter seinen Möglichkeiten zurück. Der Film überzeugt mit starken Darbietungen und Momenten echter Gefühle, doch seine bemüht originelle Grundidee und die unausgewogene Erzählweise verhindern die Tiefe und emotionale Wirkung, die er anstrebt. Weil er sich auf vertraute Muster verlässt und sich nicht auf einen einheitlichen Ton festlegt, bleibt er ein schnell vergessener Beitrag zum Genre-Mix aus romantischer Komödie und Drama.

Der Film greift Themen wie Freundschaft, Selbstfindung und Widerstandskraft auf – ein verdienstvolles Unterfangen –, doch es fehlt ihm an Tiefe und Nuanciertheit, um diese komplexen Fragen wirklich auszuloten. Die Idee, Kuchen in Bars zu bringen, ist zunächst charmant, wird aber eher zum Hindernis als zur Hilfe: Sie wirkt oft aufgesetzt und losgelöst vom emotionalen Kern der Geschichte.

Sitting in Bars with Cake ist letztlich ein Film für Fans romantischer Komödien und Dramen, denen Gefühl wichtiger ist als Substanz.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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