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This Is a Gardening Show auf Netflix: Komödie als Klimavorbereitung

Jun Satō

Zach Galifianakis, der für seine satirische Interviewserie Between Two Ferns bekannt ist, hat in seiner neuen Netflix-Produktion This Is a Gardening Show die Methodik seines eigenen Formats grundlegend umgekehrt. Wo der lange Schweigebeat dort dazu diente, prominente Gesprächspartner zu destabilisieren, fungiert er hier als Instrument der Anerkennung: Die Landwirte und Kinder, die Galifianakis in den sechs Episoden zu Wort kommen lässt, werden durch die gleiche Technik zur Autorität im Raum erhoben. Der Unterschied ist nicht trivial — er ist die eigentliche Konstruktionsleistung der Serie.

Der Hintergrund ist konkret: Galifianakis betreibt seit 25 Jahren seinen eigenen Garten und lebt auf Denman Island, einer der südlichen Gulf Islands der kanadischen Provinz British Columbia. Die Serie ist keine spontane Celebrity-Idee, sondern das Ergebnis eines biografisch verankerten Interesses an Nahrungsmittelerzeugung, das im Jahr 2026 — angesichts anhaltender Lebensmittelpreisvolatilität und klimabedingter Erntestörungen auf dem nordamerikanischen Kontinent — eine strukturelle Bedeutung bekommt, die über das Persönliche hinausgeht. „Die Art, wie wir gerade an Lebensmittel kommen, ist sehr pervers“, erklärte Galifianakis gegenüber Variety. Das ist kein Marketingstatement — es ist die Prämisse der gesamten Produktion.

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Die Strukturentscheidung, die This Is a Gardening Show von vergleichbaren Produktionen abhebt, ist das Doppelinterviewformat. Galifianakis befragt in jeder der sechs Episoden sowohl neugierige Kinder als auch erfahrene Marktgärtner — mitunter im gleichen Gesprächsrahmen. Das resultierende redaktionelle Dreieck funktioniert wie folgt: Das Kind stellt die Frage, die der Erwachsene aus Schamgefühl nicht stellen würde. Der Landwirt — der seit Jahren Polykultur betreibt, Heirloom-Sorten erhält und seinen Anbaukalender nach Klimazone und Frostperioden ausrichtet — antwortet, als wäre die Frage selbstverständlich. Galifianakis hält den Raum dazwischen offen. Das Ergebnis ist eine Lernstruktur, die keine Lernstruktur ankündigt — und damit die einzige Art von Wissensvermittlung, die einem Publikum, das direkte Umweltbotschaften seit Jahren reflexartig archiviert, noch zugänglich sein könnte.

RadicalMedia, die Produktionsfirma hinter Summer of Soul (Oscar für den besten Dokumentarfilm 2021), Abstract: The Art of Design und My Next Guest Needs No Introduction, bringt ein visuelles Vokabular des Qualitätsdokumentarfilms mit, das dem kurzen Format von 15 bis 20 Minuten eine selten erreichte Dichte verleiht. Das ist keine Lifestyleproduktion; es ist Observational Filmmaking, das die Komödie trägt, ohne sie zu dominieren. Regisseur Brook Linder beschrieb die Dreharbeiten als die Formalisierung von Gesprächen, die Galifianakis schon lange führen wollte — eine Aussage, die für die Authentizität des Materials spricht.

Die geografische Verortung der Serie ist kein Zufall. Vancouver Island und die südlichen Gulf Islands von British Columbia verfügen über ein spezifisches Ernährungssicherheitsökosystem: eines der am weitesten entwickelten kleinbäuerlichen Anbaunetze der Pazifikküste, das durch die Postpandemiemigration urbaner Nordamerikaner in die Region weiter gestärkt wurde. Arzeena Hamir, Ernährungssicherheitsaktivistin und Mitinhaberin von Amara Farm im Comox Valley, ist eine der in der Serie vorkommenden Landwirtinnen. Amara Farm ist keine Kulisse, sondern ein aktiver Polykulturbetrieb, der im britisch-kolumbianischen Lebensmittelsystem verankert ist. Hamir wies gegenüber CBC News darauf hin, dass der Zeitpunkt der Produktion angesichts steigender weltweiter Lebensmittelpreise und eines wachsenden öffentlichen Interesses an lokaler Ernährungsversorgung besondere Relevanz besitzt.

Die Entscheidung von Netflix, die Serie am 22. April 2026 — dem Earth Day — zu veröffentlichen, ist eine redaktionelle Positionierung. Die Plattform signalisiert damit, in welchem Diskurs sie die Produktion verankert, ohne dass die Serie selbst diesen Diskurs explizit einfordert. Galifianakis‘ eigene Aussagen in Presseinterviews sind in dieser Hinsicht aufschlussreich: Gegenüber CBC News sprach er von einem möglicherweise bevorstehenden „großen Sturm, klimatisch gesehen“ und der Notwendigkeit, dass Kinder die Werkzeuge der Anpassung kennen. Diese Aussagen sind nicht in die Episoden eingearbeitet — sie bilden deren Grundlage.

This Is a Gardening Show
This Is a Gardening Show

Was die Serie nicht beantworten kann, ist die Frage, die sie implizit stellt: ob Humor tatsächlich Verhalten verändert oder lediglich die Komfortzone der Untätigkeit erweitert. Ein Publikum, das alle sechs Folgen anschaut, lernt, dass Pferdemist der wirkungsvollste Bodenverbesserer in der Gartenpraxis ist, versteht die Logik der Fruchtfolge und findet das Ganze aufrichtig komisch — hat eine reale Erfahrung gemacht. Ob sich daraus eine Handlung ergibt, entscheidet es selbst. Das ist der Einsatz, auf den die Serie setzt. Es ist auch der Einsatz, dessen Ergebnis sie nie sehen wird.

This Is a Gardening Show ist ab dem 22. April 2026, dem Earth Day, auf Netflix verfügbar. Sechs Episoden à 15 bis 20 Minuten. Regie: Brook Linder. Produktion: Chris Kim. Ausführende Produzenten: Zach Galifianakis, Frank Scherma und Jon Kamen. Eine Produktion von RadicalMedia in Zusammenarbeit mit Billios Productions.

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