Kino

72 Hours: Kevin Harts rastlose Energie rettet diese faule Komödie nicht

Liv Altman
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Schon die Auftaktszene von 72 Hours schlägt ein atemloses Tempo an: Kevin Harts Joe Nixon, ein 40-jähriger Werbemanager, der verzweifelt versucht, relevant zu bleiben, stolpert in einen Strandclub in Miami. Um ihn herum: Zwanzigjährige, angetrieben von Tequila und denkbar schlechten Entscheidungen. Das klingt nach einer Steilvorlage für jede Menge Lacher, doch Regisseur Tim Story schöpft das vielversprechende Konzept seiner neuesten Komödie nie wirklich aus. Stattdessen reiht der Film breit angelegte Gags aneinander, die sich nicht zu etwas wirklich Einprägsamem verbinden.

Im Mittelpunkt steht Joe Nixon (Hart), dessen Karriere nach einer Reihe gescheiterter Werbekampagnen auf der Kippe steht. Als er versehentlich in einen Gruppenchat aufgenommen wird, in dem eine wilde Junggesellenparty in Miami für seinen jüngeren Kollegen Mason Moses (Mason Gooding) geplant wird, wittert Joe die Chance, seine Jugend noch einmal aufleben zu lassen und seinen beruflichen Ruf zu retten. Die Grundidee – ein Generationenkonflikt zwischen Harts steifem Manager und einer chaotischen Gruppe junger Erwachsener – hat durchaus Potenzial. Doch das bleibt ungenutzt; stattdessen setzt der Film auf halbherzige politische Unkorrektheit und bequeme Schenkelklopfer.

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Hart, der seine Karriere darauf aufgebaut hat, überforderte Durchschnittstypen zu spielen, liefert eine vertraut wirkende Performance ab. Von der Nuanciertheit und Tiefe, die er Rollen wie Ride Along oder Central Intelligence verlieh, ist hier nichts zu spüren. Joe Nixon dient kaum mehr als Vehikel für Harts typische hektische Energie. Marcello Hernández, Kam Patterson und Teyana Taylor leisten solide Unterstützung, doch ihre Figuren wirken oft eindimensional und bleiben Karikaturen statt voll ausgearbeiteter Charaktere. Besonders hervor sticht Zach Cherry als Barry, ein sarkastisches und schlagfertiges Mitglied der Junggesellengruppe, der mit seinem präzisen Vortrag und perfektem Timing gleich mehrere Szenen für sich einnimmt. Cherry gelingt es, Humor mit echten emotionalen Momenten zu verbinden, und macht Barry damit zur interessantesten Figur des Films.

Visuell profitiert 72 Hours von den farbenfrohen Aufnahmen Miamis. Das neonbeleuchtete Nachtleben und die sonnenverwöhnten Strände sind in einer entspannten Atmosphäre eingefangen, die vermuten lässt, dass die Darsteller beim Dreh ihren Spaß hatten.

Ins Stolpern gerät 72 Hours bei seinem emotionalen Kern. Unter der Oberfläche des ausgelassenen Treibens versucht der Film, Freundschaft und Erlösung zu thematisieren, doch diese Momente wirken eher angehängt als verdient. Der niedrige Wokeometer-Wert des Films (2/10) deutet darauf hin, dass progressive Themen bewusst zugunsten bewährter Komödienklischees gemieden werden. Das mag manchen gefallen, wirkt 2026 aber aus der Zeit gefallen. Zwar gibt es einige Schmunzler und komische Momente, doch sie reichen nicht aus, um die 93 Minuten Laufzeit zu tragen.

Auch der Aufbau des Films gibt Anlass zur Kritik. Die Handlung entfaltet sich in einer Reihe nur lose miteinander verbundener Episoden, die alle um Aufmerksamkeit buhlen, letztlich aber nicht aufeinander aufbauen. Durch diesen fragmentierten Ansatz fällt es schwer, sich auf die Figuren oder ihre Probleme einzulassen: Die Geschichte springt von einer Situation zur nächsten, ohne einen wirklichen Zusammenhang herzustellen.

Vergleiche mit The Hangover drängen sich auf, und an diesem Maßstab gemessen schneidet 72 Hours letztlich schlecht ab. The Hangover gelang es, derben Humor mit echter emotionaler Resonanz zu verbinden; 72 Hours setzt dagegen zu sehr auf die komischen Elemente und vernachlässigt dabei die Tiefe. Den Verwechslungen zwischen den Generationen und den karrieregetriebenen Eskapaden fehlt der Witz und die Substanz, um über das Niveau gewöhnlicher derber Komödien hinauszukommen.

Regisseur Tim Story, bekannt für Filme wie Ride Along und Think Like a Man, verfolgt bei 72 Hours einen routinierten, aber wenig inspirierten Ansatz. Seine Regie erfüllt ihren Zweck, doch es fehlen visuelle Ideen und erzählerische Neuerungen, die dem Stoff mehr hätten abgewinnen können. Das Erzähltempo wirkt unausgewogen: Auf Momente mit echtem Witz folgen immer wieder energielose Passagen. Story setzt so stark auf breit angelegte Komik und Slapstick, dass die feineren, von den Figuren getragenen Momente oft in den Hintergrund geraten.

Die Zielgruppe des Films ist klar: Fans von Harts bisherigen Komödien und alle, die einen anspruchslosen Abend im Kino verbringen möchten. Doch selbst innerhalb dieser Nische gelingt es 72 Hours kaum, aus der Masse herauszuragen. Der Humor zündet mal, mal nicht, und stützt sich zu stark auf überholte Stereotype und Generationenklischees. Der Versuch, derbe Komik mit emotionaler Tiefe zu verbinden, geht nicht auf: Die gefühlvollen Momente wirken erzwungen und nicht verdient.

Unterm Strich ist 72 Hours eine verpasste Chance: Die Komödie hätte mehr sein können als die Summe ihrer Teile, gibt sich aber damit zufrieden, ein weiterer schnell vergessener Beitrag zum Genre der derben Junggesellenparty-Komödien zu sein.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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