Kino

72 HOURS — die Netflix-Komödie, in der ein falscher Gruppenchat zur wichtigsten Einladung wird

Liv Altman

Es gibt eine Art von Beklemmung, die nur im Telefon existiert: ein Gruppenchat leuchtet auf, und keiner der Namen gehört einem selbst. Genau dort beginnt 72 HOURS. Joe, ein 40-jähriger Werbefachmann, dessen Karriere leise ins Stocken geraten ist, landet versehentlich im Chat eines Junggesellenabschieds — eine Gruppe Zwanzigjähriger, die ein Wochenende in Miami plant. Der elegante Zug wäre, sich zu entschuldigen und zu gehen. Joe tut das Gegenteil.

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Diese eine Entscheidung trägt den ganzen Film, und sie ist schärfer, als das Pool-Chaos im Trailer vermuten lässt. Regie führt Tim Story; das Drehbuch stammt von Jon Hurwitz, Hayden Schlossberg, Kevin Burrows und Matt Mider. Das Ergebnis ist eine breit angelegte Erwachsenenkomödie auf einem einfachen, aber belastbaren Fundament: ein Mann, der nicht mehr in den Raum gehört, es weiß und dennoch ins Flugzeug steigt.

Kevin Hart spielt Joe und produziert über sein Unternehmen Hartbeat gemeinsam mit Will Packer und Davis Entertainment — dieselbe Kombination, die aus Girls Trip ein Freundschaftsporträt und keine Gagparade gemacht hatte. Um ihn herum eine ganze Komiker-Generation aus Stand-up und Late-Night-Fernsehen: Marcello Hernández, Mason Gooding, Ben Marshall, Kam Patterson und Zach Cherry als die Jüngeren, dazu Teyana Taylor, Michael Mando, Mike Epps und Andy García für das Miami drum herum.

Die Besetzung leistet die klügste Arbeit des Films. Stand-up- und Sketch-Komiker spielen locker und improvisiert; Hart spielt angespannt und mit präzisem Timing. Stell sie ins selbe Bild, und der Generationenabstand hört auf, ein ausgesprochenes Thema zu sein, und wird zu einem Rhythmus, den man tatsächlich hören kann. Story, der Harts Leinwand-Persona in der Ride-Along-Reihe aufgebaut hat, weiß genau, wohin er die Kamera richtet, wenn diese Reibung anfängt zu brennen.

Der Film aktualisiert das zentrale Mittel des Junggesellenabschied-Genres in einem entscheidenden Punkt. Hangover öffnete mit einer Nacht, die niemand rekonstruieren konnte. Dieser Film öffnet mit einer Benachrichtigung. Der Witz liegt nicht darin, dass Joe zu viel trinkt: sondern darin, dass sein Handy ihn ungebeten in das Leben anderer fallen ließ, und ein Teil von ihm dankbar dafür war. Ein falsch versandter Gruppenchat ist Einsamkeit mit Lesebestätigung, und 72 HOURS sagt leise, was es nicht laut sagen will: warum jemand, der alles hat, ausgerechnet die Einladung am meisten schätzen kann, die niemand absichtlich geschickt hat.

72 HOURS startet am 24. Juli 2026 bei Netflix. Der Film läuft knapp unter zwei Stunden, ist ab 18 Jahren freigegeben und spielt in der einzigen Stadt, die sich noch nie dafür entschuldigt hat, uneingeladen aufzutauchen.

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