Kino

Yeon Sang-hos ‚Colony‘ beweist, dass der K-Zombie-Motor noch röhrt — über 3,5 Millionen Kinobesucher in Korea

Martha Lucas

Vor einem Jahrzehnt machte ein außer Kontrolle geratener Zombiezug die Midnight Screenings von Cannes zu einer unwahrscheinlichen Startrampe für das koreanische Genrekino — und Yeon Sang-ho zu dem Regisseur, der Festivalprestige und Multiplex-Adrenalin auf einer einzigen Kinokarte vereinen konnte. Die Gleichung geht weiter auf. Sein jüngster Seuchenfilm Colony leistet zu Hause genau das, was das Modell verspricht: den Festivalrummel in jene Art von Kassenschub zu verwandeln, den das koreanische Kino seit der Pandemie und dem ausgedünnten Kinogang nur noch schwer heraufbeschwören konnte.

Der Film hat im Handumdrehen die Marke von drei Millionen Besuchern übersprungen — eine Schwelle, die im heutigen koreanischen Markt nach wie vor einen echten Hit signalisiert und keinen lauen, durch Feiertage aufgeblähten Start. Wie Deadline berichtete, nahm Colony die Hürde bereits am zweiten Wochenende, getragen weniger von Neugier als von Vertrauen: Das Publikum weiß, was eine Seuche von Yeon Sang-ho liefert — und es kam.

Dieses Vertrauen wurde gezielt aufgebaut. Train to Busan feierte 2016 in derselben Midnight-Sektion Premiere und wurde zum Exportschlager, der „K-Zombie“ zu einem Genrebegriff statt zu einem Einzelfall machte; Yeon führte die Reihe mit Peninsula, der Netflix-Serie Hellbound und dem Science-Fiction-Wagnis Jung_E fort. Colony verleiht der Formel Starglanz. In der Hauptrolle: Gianna Jun, die durch My Sassy Girl zur Ikone einer Generation wurde, hier als Biotechnologie-Professorin, die auf einer Konferenz in Seoul festsitzt, als ein Virus beginnt, den Saal zu verwandeln.

Die kommerzielle Logik reicht weit über Korea hinaus. Showbox, zuständig für den weltweiten Vertrieb, hat den Film bereits in mehr als 120 Territorien platziert, und Well Go USA hat sich die Nordamerika-Rechte gesichert — dieselbe Vertriebskraft, die dem internationalen Publikum seit einem Jahrzehnt beibringt, koreanischen Horror als Pflichttermin zu behandeln. Für eine heimische Branche, die bangt, ob sich Festivalprestige noch in Einnahmen übersetzt, ist Colony der beruhigende Datenpunkt: Es tut es — wenn die Marke dahinter so eindeutig ist.

Am 21. Mai in Korea gestartet, verbucht der Film inzwischen 3.475.000 Besucher und 24,84 Mio. Dollar, genug für den zweiten Platz an den heimischen Kinokassen des Jahres. Zehn Jahre nachdem ein Zug aus Busan verkündete, dass ein Mitternachtsslot in Cannes auch als kommerzielle Bewährungsprobe taugt, hat Yeon Sang-ho diesen einmaligen Schock still in ein wiederholbares Geschäft verwandelt.

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